Autoindustrie

Daimler: Ein Traditionskonzern, der sich selbst in drei Teile aufspaltet

Der stolze Premiumhersteller spaltet sich selbst in drei Konzerntöchter auf, die in Zukunft von einer Holding zusammen gehalten werden. Das soll den Autobauer noch offener für neue Investoren machen. Dabei gehört Daimler schon heute zu großen Anteilen zwei chinesischen Konzernen und Geldgebern aus Katar.

Der deutsche Autobauer Daimler arbeitet nach zwei Jahren Umbau ab November in einer neuen Unternehmensstruktur. Die Dachgesellschaft Daimler AG sei mit ihren drei Tochter-Aktiengesellschaften Mercedes-Benz AG (Pkw und Vans), Daimler Truck AG (Lkw und Busse) sowie Daimler Mobility AG (Finanz-und Mobilitätsdienste) wie geplant gestartet, teilte Daimler mit.

"In der neuen Aufstellung sind wir fokussierter und schlagkräftiger, um mit unserer nachhaltigen Geschäftsstrategie die Transformation zur Mobilität der Zukunft erfolgreich zu gestalten", erklärte Ola Källenius, der die Doppelfunktion des Vorstandsvorsitzenden von Holding und Pkw-Tochter hat.

Umbau noch unter Dieter Zetsche beschlossen

Der Dax-Konzern hatte unter Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche vor zwei Jahren die rechtliche Umstrukturierung beschlossen. Damit will der Autobauer in Zeiten des tiefgreifenden Wandels der Branche hin zu neuen Technologien offener werden für große Investoren oder Überkreuz-Beteiligungen mit anderen Unternehmen.

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Analysten spekulieren, dass Daimler dem Beispiel von Volkswagen folgen könnte und seine Lkw-Tochter an die Börse bringt. Bisher gibt es dazu aber keine Pläne. Allein die Holding Daimler AG, die rund 6.000 Mitarbeiter zählt, ist an der Börse notiert.

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Insgesamt hat der Dax-Konzern weltweit fast 305.000 Beschäftigte, davon rund 130.000 in Deutschland. Größtes Geschäftsfeld ist die Pkw- und Van-Tochter Mercedes-Benz AG mit etwa 175.000 Mitarbeitern. Daimler Truck, geleitet von Martin Daum, zählt rund 100.000 Köpfe.

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Analysten gefällt nicht, dass der Umbau einen höheren dreistelligen Millionenbetrag kostet. Zudem sagte Daimler den Beschäftigten in Deutschland einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2029 zu. Damit könnte der Konzern auf eine Verschärfung des globalen Abschwungs der Autoindustrie nicht mit Jobabbau am Heimatmarkt reagieren, so die Kritik von Geldgebern und ihren Vertretern. (reuters/apa/red)

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