Leuchtmittelhersteller

Chinesen schließen ehemalige Werke von Osram in Deutschland

Der chinesische Investor MLS kauft die Lampensparte von Osram, nennt sie "Ledvance" - und greift in fünf Werken in Deutschland hart durch. 1.300 von 2.300 Beschäftigten müssen gehen. Bei Betriebsversammlungen in Augsburg und Berlin herrscht Stille.

Hier eine Aufnahme von der "Light+Building", der in Frankfurt stattfindenden größten Messe der Beleuchtungsindustrie.

Wenige Monate nach der Übernahme durch einen chinesischen Investor will der Leuchtmittelhersteller Ledvance mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze abbauen. Das Closing der Übernahme meldete Ledvance erst im März 2017.

Chinesen schließen ganze Werke: Kündigungen an fünf Standorten in Deutschland

Wie das Unternehmen jetzt bestätigt, sollen die zwei ehemaligen Osram-Werke in Augsburg und Berlin geschlossen werden. An drei anderen Standorten ist in den kommenden Jahren ebenfalls ein deutlicher Personalabbau geplant.

Insgesamt sollen nach den Angaben des Unternehmens rund 1.300 von etwa 2.300 Mitarbeitern in Deutschland gehen. Bereits am Wochenende war die Dimension der Schließungspläne bekannt geworden.

Totenstille bei der Betriebsversammlung in Augsburg

Bei der Betriebsversammlung in Augsburg sei es totenstill gewesen, sagte Willi Sattler, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats. "Ich bin mir vorgekommen, wie auf einer Beerdigung."

Die Mitarbeiter seien teilweise seit 20 bis 30 Jahren bei dem Unternehmen. Sie seien "traumatisiert" und könnten das Aus nicht verstehen. Die Augsburger Fabrik wurde 1906 als Glühlampenproduktion gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Standort von Osram übernommen.

Scharfe Kritik von Betriebsrat und Gewerkschaft

Der Betriebsrat und die IG Metall kritisierten das Vorgehen massiv. Es sei ein "bodenloses Verhalten gegenüber den Mitarbeitern", sagte Angela Steinecker, die Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft.

Die Mitarbeiterversammlung in Augsburg, mit etwa 700 Beschäftigten der größte betroffene Standort, habe gerade einmal eine Viertelstunde gedauert. Perspektiven seien den Mitarbeitern dabei nicht aufgezeigt worden, so habe es keine Angaben zu einer Auffanggesellschaft gegeben.

Osram hat seine Lampensparte 2016 verkauft

Osram hatte seine im Jahr 2016 Ledvance getaufte Lampensparte zum 1. März 2017 für mehr als 400 Mio. Euro an ein Konsortium um den chinesischen Investor MLS verkauft.

Weltweit hat das Unternehmen etwa 9.000 Mitarbeiter an 17 Standorten. "Es ist ein komischer Zufall, dass nicht einmal eineinhalb Jahre nach Ausgliederung des klassischen Geschäftes dieses Hackebeil kommt", meinte Augsburgs IG-Metall-Chef Michael Leppek.

Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Trend zu modernen LED-Leuchtmitteln. Die heimischen Ledvance-Werke sind davon besonders betroffen, weil dort noch herkömmliche Leuchten wie Leuchtstoffröhren produziert werden. Es werde mit einem Rückgang des Marktvolumens im traditionellen Geschäft von nahezu 90 Prozent bis 2025 gerechnet, erklärte Ledvance dazu.

Um diese Standorte geht es

In Augsburg soll bis Ende 2018 das eigentliche Werk und etwas später auch eine spezielle Maschinenbauabteilung schließen. In Berlin sind rund 200 Mitarbeiter betroffen.

Die beiden weiteren Fabriken Wipperfürth und Eichstätt sollen bleiben, dort sollen aber 300 Jobs wegfallen, überwiegend in Eichstätt. Am Unternehmenssitz in Garching bei München sollen weitere 100 Mitarbeiter gehen.  (dpa/apa/red)