Chemische Industrie

ChemChina schluckt Syngenta: Gegenwehr aus den USA und Europa

In den USA und in Europa bleiben Zweifel an der 43 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Schweizer Agrarchemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Chemieriesen ChemChina. Die EU verlängert die Prüffrist. In den USA wächst die Sorge, die Chinesen könnten sich den Gerichten des Landes einfach entziehen.

Die Kritik an der geplanten 43-Milliarden-Dollar-Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta durch ChemChina reißt nicht ab. Der einflussreiche US-Senator Chuck Grassley äußerte sich trotz gegenteiliger Beteuerungen von ChemChina besorgt, dass sich der chinesische Chemieriese möglichen US-Gerichtsverfahren entziehen könnte.

Das beliebte Argument der Chinesen: "Staatliche Immunität"

In der Vergangenheit führten chinesische Staatskonzerne wiederholt staatliche Immunität ins Feld, um US-Gerichtsverfahren zu vereiteln. Sie beriefen sich dabei auf internationales Recht. Die USA sind einer der wichtigsten Märkte für Syngenta.

Um Bedenken auszuräumen, erklärte ChemChina zuletzt in einem Brief an Grassley, dass das US-Geschäft des Basler Pflanzenschutzkonzerns auch nach der Übernahme keine Immunität in Anspruch nehmen könne.

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Doch damit gab sich der Senator, der die Kornkammer Iowa in Washington vertritt, nicht zufrieden. Denn die Immunität könnte auf den Gesamtkonzern angewendet werden, hieß es in einer Stellungnahme Grassleys.

Widerstand auch in der EU

ChemChina kämpft aber auch andernorts mit Widerstand. Die EU-Kartellwärter kündigten Ende Oktober an, den bisher größten Auslandszukauf eines chinesischen Unternehmens genauer unter die Lupe zu nehmen. Am Donnerstag verlängerte die Behörde die Prüffrist auf Antrag der Parteien um zehn Arbeitstage bis zum 29. März 2017.

Die Fragezeichen zum Deal haben sich auch beim Aktienkurs niedergeschlagen. Mit 380 Dollar notiert der Titel deutlich unter den von ChemChina gebotenen 465 Dollar pro Aktie zuzüglich einer Sonderdividende von fünf Franken. Der Konzern aus Peking bekräftigte in dem Brief an Grassley jedoch die Absicht, alle Syngenta-Aktien zu kaufen und die Transaktion wie geplant über die Bühne zu bringen. (reuters/apa/red)