Bahn

Parndorf will keine Transsibirische Eisenbahn vor der Tür

Burgenlands Gemeinden seien "nicht verhandlungsbereit und nicht diskussionsbereit" bei Plänen der ÖBB für einen riesigen neuen Verladebahnhof, so der Bürgermeister von Parndorf. Die ÖBB sollen nun umdisponieren, heißt es aus dem Verkehrsministerium - zum Beispiel nach Niederösterreich.

Die Anrainergemeinden des geplanten Verladebahnhofs für die Transsibirische Breitspurbahn haben sich am Mittwoch gegen den bei Parndorf im Nordburgenland vorgesehenen Bahnhof ausgesprochen. "Wir lehnen ihn absolut ab", meinte der Parndorfer Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) vor Journalisten. "Ich bin nicht diskussionsbereit, nicht verhandlungsbereit", betonte Kovacs.

Zustimmung nie und nimmer

"Die Gemeinde Parndorf wird nie und nimmer eine Zustimmung zu irgendeiner Widmung da draußen geben", betonte der Ortschef. Die Parndorfer seien ein "kriegerisches Volk, wenn es drauf ankommt". Die Bürgermeister der beiden anderen Anrainergemeinden - Neudorf und Bruckneudorf - zeigten sich ebenfalls ablehnend gegenüber dem Projekt. Der Bürgermeister von Bruckneudorf, Gerhard Dreiszker (SPÖ), gab sich kämpferisch: "Auch wir kennen uns aus mit Demonstrationen."

Das Land wolle die Gemeinden unterstützen und nicht gegen diese agieren, meinte Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). Man vertrete die Interessen der Kommunen "und ich - das sage ich auch ganz deutlich - vertrete die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, die in der Region leben", sagte Niessl. Der Landeshauptmann stellte klar, dass es für das Logistikzentrum eine entsprechende Widmung im Bereich der Raumplanung benötige "und ohne Gemeinde gibt es keine Widmung". Das Land habe im Bereich des Vogel- und Umweltschutzes ebenfalls rechtliche Möglichkeiten.

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"Halbwahrheiten": Kein transparenter Entscheidungsprozess

Der Landeschef und die Bürgermeister kritisierten vor allem, dass sie kaum Informationen zum Projekt erhalten hätten. "Uns ist es wichtig, dass informiert wird, dass es hier Transparenz gibt und dass nicht drübergefahren wird", erklärte Niessl. Laut Kovacs habe niemand mit der Gemeinde gesprochen, erste Informationen habe es erst vonseiten des Landes gegeben. Bei einem Treffen mit der ÖBB seien "Halbwahrheiten" erzählt worden.

650 Lastwagen an jedem Tag

Die Gemeinden befürchten als Folgen des voraussichtlich fünf Kilometer langen und 300 Meter breiten Verladebahnhofs eine Einschränkung des Naherholungsraumes und massive Belastungen durch den Verkehr. Laut dem Bürgermeister von Neudorf, Karel Lentsch (SPÖ), sei mit schätzungsweise 650 Lkw pro Tag zu rechnen.

Die Bundesregierung hatte zuletzt angekündigt, die Verlängerung der Transsibirischen Breitspurbahn bis in den Raum Wien vorantreiben zu wollen. Für den dazu notwendigen Güter-Umladeknoten auf EU-Normalspur wurde Parndorf als voraussichtlicher Standort genannt.

Jetzt ist Niederösterreich dran

Die ÖBB würden ihre Planungen in Richtung Niederösterreich orientieren, bestätigte ein Sprecher des Verkehrsministeriums Medienberichte.

Die Entscheidung der burgenländischen Anrainergemeinden sei zur Kenntnis zu nehmen, hieß es vom Ministerium. Es hätte keinen Sinn gehabt, gegen den Widerstand das Projekt in Parndorf weiterzuplanen. Von niederösterreichischer Seite sei hingegen bereits Interesse bekundet worden. Das Ziel sei weiterhin, das Projekt bis 2033 umzusetzen.

Laut ÖBB bringe ein Terminal unabhängig vom finalen Standort dutzende, langfristig abgesicherte Jobs. Zusätzlich würden 3.000 bis 4.000 Arbeitsplätze bei den Logistikunternehmen, welche sich rund um das Gelände ansiedeln sollen, erwartet. (apa/red)