Außenhandel

Brüssel: Niemand weiß, ob 2019 neue Autozölle kommen

Ob die Regierung Trump neue Zölle auf Autoimporte aus Europa einführt, ist weiter unklar. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström verweist auf Gespräche, die für die zweite Jännerwoche angesetzt sind.

Ob US-Präsident Donald Trump Sonderzölle auf Autoimporte aus Europa einführen wird, ist nach Angaben von EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström weiter unklar. "Niemand weiß das", sagte die Schwedin zum Jahreswechsel in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Für den Fall der Fälle arbeite sie weiter an einer Liste mit US-Produkten, auf die Ausgleichszölle verhängt werden könnten.

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EU exportiert Autos und Autokomponenten von 50 Milliarden Euro pro Jahr

Den Wert europäischer Auto- und Autoteilexporte in die USA bezifferte Malmström auf mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr. Der Umfang der Ausgleichsmaßnahmen würde sich nach den entstehenden Schäden richten und im Einklang mit den WTO-Regeln berechnet werden, erklärte sie. Denkbar ist demnach, dass im ersten Schritt Ausgleichszölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden Euro verhängt würden.

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Wenig optimistisch äußerte sich Malmström auch zum Verlauf der im Sommer vereinbarten Gespräche zur Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und der EU. Demnach hat wegen Verzögerungen auf US-Seite noch nicht einmal die notwendige Themenklärung für die Verhandlungen begonnen.

Gespräche über Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter möglich

Die im Juli zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker getroffene Vereinbarung hatte lediglich grob festgelegt, dass Verhandlungen über die Abschaffung von Zöllen auf Industriegüter und anderen Handelshemmnissen beginnen sollten. Ausgenommen wurden nur Kraftfahrzeuge.

Mehr Klarheit erhofft sich Malmström nun von einer US-Reise in der zweiten Jännerwoche. "Ich werde um den 9. Januar herum nach Washington fahren, um die Gespräche fortzusetzen", sagte sie. "Dann werden wir sehen, wo wir stehen."

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Strafzölle auf Stahl und Aluminium

Ein Ausgangspunkt des Handelsstreits zwischen den USA und der EU ist der Exportüberschuss der EU-Länder gegenüber den USA, den US-Präsident Donald Trump für ungerecht und gefährlich für die Sicherheit seines Landes hält. Auf Stahl- und Aluminiumimporte ließ er deswegen bereits Sonderzölle einführen, worauf die EU mit Vergeltungszöllen auf US-Produkte reagierte.

Autozölle: Massives Ungleichgewicht zum Nachteil der USA ist Realität

Trump droht schon seit Monaten mit Sonderzöllen auf Autos. Allerdings sind die Vorwürfe tatsächlich durchaus begründet. Autos aus Europa werden in den USA bisher mit 2,5 Prozent Zöllen belegt. Umgekehrt gibt es für amerikanische Autos in Europa einen Aufschlag von zehn Prozent.

Gleichzeitig erheben die USA auf Lastwagen und Pritschenwagen 25 Prozent, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

(dpa/apa/red)

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