Übernahme

B&R geht an ABB: So erleben Großkunden den Deal

Der Kauf von Bernecker & Rainer durch ABB sorgt beim Paschinger Maschinenbauer Trumpf für Gesprächsstoff.

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Im Maschinenbausegment gestärkt: Der Schweizer Konzern ABB

Erfahren hat er es frühmorgens am Weg ins Büro auf "Ö1", wie viele seiner Kollegen beim Paschinger Maschinenbauer Trumpf auch. Ein informelles Schreiben von der Paschinger Geschäftsführung - sie selbst wurde nur Augenblicke davor von der B&R-Leitung vom Deal in Kenntnis gesetzt - war da schon in die E-Mail-Postfächer leitender Belegschaftsmitglieder geflattert: Der Industrieelektronikhersteller B&R, 1979 in ländlich-rauer Zone in Eggelsberg gegründet und seit einem Jahrzehnt Großlieferant des Paschinger Biegemaschinenbauers, wird schweizerisch. Die im Schreiben zum Ausdruck gebrachten Beteuerungen seitens B&R überraschen den leitenden Trumpf-Mitarbeiter, der lieber ungenannt bleiben will, nicht: "Dass sich an der guten Zusammenarbeit erstmal wenig ändern wird, klingt plausibel".

Gesprächsstoff

Für Gesprächstoff sorgt der Deal in Pasching aber doch. Fast täglich sind B&R-Mitarbeiter im Haus, die Entwicklungspartnerschaft ist innig. Wichtige Hardware kauft man bei B&R zu - bei der für B&R so wichtigen Domäne der Softwareentwicklung steckt man in gemeinsamen Projekten. 

Die erste elektrische Abkantpresse aus 2006 - eine wichtige Wegmarke für Trumpf - war zugleich auch die erste, die mit B&R-Technik zur Achsregelung vollgepackt wurde. Seither intensivierte sich die Zusammenarbeit immer mehr. Nicht immer zur Freude von Mitbewerbern der Eggelsberger: Bei der TruBend Serie 5000 - in Pasching spricht man heute von "seiner Cashcow" - kam B&R zum Zug. Ein früherer Lieferant von Industrieelektronik - ebenfalls keine kleine Nummer - wurde ausgebootet. 

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"Ein Lieferant, der liefert."

Dass ABB jetzt nach dem Maschinenbau-Know-how der Oberösterreicher greift, kann der Trumpf-Mann nachvollziehen. B&R habe es geschafft, in der auf Effizienz getrimmten und gewiss "nicht Siemens-feindlichen Automobilindustrie" Fuß zu fassen. Ein Faktum, das aus seiner Sicht nicht unterzubewerten sei: "Das heißt, der Lieferant bietet technologisch einfach was." Umso leichter fällt es B&R heute und ABB in Zukunft, technologisch genüsslich das Feld der Maschinenbauer - häufig noch viel konservativer unterwegs als Automotive-Firmen - aufzurollen.

Siemens fehlt im Angebotsportfolio die Robotik. Wieweit B&R dem ABB-Segment Robotik den Weg zu neuen Kunden eröffnet, bleibt die spannende Frage. Beim Paschinger Maschinenbauer Trumpf lässt man sich jedenfalls zu keinen Spekulationen ein. Bei einem Abkantrobotersystem (TruBend Cell 7000) ist derzeit Stäubli gesetzt.

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