Chemische Industrie

Borealis rechnet nach einer "phantastischen Phase" für heuer mit Gegenwind

Alfred Stern, Konzernchef des in Wien ansässigen Petrochemieriesen Borealis, erwartet nach einer mehrjährigen "phantastischen Phase" auch für heuer ein "ordentliches" Geschäftsjahr, allerdings "mit einem gewissen Gegenwind". Die Verschuldung von Borealis soll gezielt steigen.

Borealis-Chef Alfred Stern rechnet im laufenden Geschäftsjahr "mit einem gewissen Gegenwind", man sei aber gut aufgestellt und blicke deshalb auf ein "ordentliches Jahr 2019". Im vergangenen Geschäftsjahr 2018 konnte der Chemiekonzern, am dem die OMV 36 Prozent hält, zwar seinen Umsatz um ein Zehntel auf 8,3 Mrd. Euro steigern, der Nettogewinn ging aber um 17,3 Prozent auf 906 Mio. Euro zurück.

Drei bis vier Jahre dauernde "phantastische Phase"

"Wir haben in den letzten drei bis vier Jahren eine phantastische Phase erlebt, sowohl bei den Marktbedingungen als auch, wie sich unsere verschiedenen Projekte materialisiert haben", sagte Stern zur APA. "Wir sehen, dass das nicht genauso weitergeht. Wir glauben an eine gewisse Eintrübung des Marktumfelds und einem Wirtschaftsabschwung", dazu kämen auch geopolitische Risikofaktoren.

Im Schlussquartal 2018 brach der Gewinn im Jahresabstand gar um 62 Prozent auf 94 Mio. Euro ein, auch wegen einer Wertberichtigung für das Düngemittelgeschäft in Höhe von 92 Mio. Euro. "Im Pflanzennährstoffbereich liegen noch immer sehr schwierige Verhältnisse vor", sagte Stern zur APA. "Die Gaspreise als Eingangsgrößen waren sehr hoch und die Marktpreise für unsere Produkte waren unter Druck, und das hat natürlich zu einer angespannten Margensituation im Bereich der Pflanzennährstoffe geführt."

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Bedarf nach Düngemitteln in Westeuropa stagniert

Der Bedarf nach Düngemitteln sei weltweit noch immer steigend, "in Westeuropa beobachten wir allerdings eine stagnierende bis leicht rückläufige Nachfrage nach Pflanzennährstoffen", so Stern. Das könnte teilweise am Bioboom liegen, andererseits geben es einen Trend zur Optimierung des Düngemitteleinsatzes. So habe auch Borealis selbst ihren Kunden ein digitales Tool ("NutriGuide") zur Dünger-Optimierung zur Verfügung gestellt, weil man das Thema Nachhaltigkeit ernst nehme. "Wir glauben, das alles andere Agieren kurzfristige Gewinnoptimierung ist, und das ist nicht unser Ziel."

Borealis hat im ersten Quartal 2018 eine Dividende von 700 Mio. Euro für 2017 ausgeschüttet und darüber hinaus am Anfang des vierten Quartals bereits eine Zwischendividende von 300 Mio. Euro für 2018. "Wir generieren jedes Jahr mehr Cashflow und wollen nicht so viel Cash in der Bilanz halten, um die Dividende dann nur einmal pro Jahr im März zu bezahlen", erklärte Finanzvorstand Mark Tonkens. Insgesamt werde die Dividende aber unverändert bleiben.

Gezielt mehr Schulden geplant

Die Nettoverschuldung stieg 2018 um 515 Mio. Euro, die Verschuldungsquote erhöhte sich von 12 Prozent auf 20 Prozent. "Unser Zielbereich ist eigentlich, dass wir uns zwischen 40 und 60 Prozent bewegen", sagte Stern. "Wir sind der Meinung, dass wir Wachstumsprojekte generieren können, die eine bessere Verzinsung schaffen, als man für die Verschuldung zahlen muss."

Im November wurde zum ersten Mal eine Unternehmensanleihe mit einem Volumen von 300 Mio. Euro und einer Laufzeit von sieben Jahren begeben.

Borouge beginnt mit dem Bau der fünften Polypropylenanlage

Borouge, das Joint Venture von Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), hat mit dem Bau seiner fünften Polypropylenanlage (PP5) im Borouge-3-Komplex in Ruwais begonnen. Damit soll sich die Polypropylenkapazität um mehr als ein Viertel auf 2,24 Millionen Tonnen pro Jahr erhöhen.

Aktuell dazu:
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2018 wurde auch die endgültige Investitionsentscheidung über die Errichtung einer neuen Propan-Dehydrierungsanlage (PDH) in Kallo (Belgien) getroffen. Die Anlage soll in der ersten Jahreshälfte 2022 in Betrieb gehen und über eine Produktionskapazität von 750.000 Tonnen pro Jahr verfügen.

Darüber hinaus wurde die endgültige Investitionsentscheidung für die Erweiterung der Kapazitäten der Polypropylen-Anlage in Kallo um 80.000 Tonnen getroffen. Die zusätzlichen Kapazitäten sollen ab Mitte 2020 zur Verfügung stehen. (apa/red)