Recycling

Borealis intensiviert das Recycling-Geschäft

Mitte Juli zugekauft, will Borealis die Kapazität für die Verarbeitung von Kunststoffabfällen bei Ecoplast bis Jahresende verdoppeln. Auch weitere Zukäufe und der Bau eigener Recycling-Anlagen seien in den nächsten Jahren geplant.

Borealis Recycling Übernahmen

Der Chemiekonzern Borealis hat die Übernahme des Recycling-Unternehmens Ecoplast abgeschlossen und will nun die Kapazität für die Verarbeitung von Kunststoffabfällen bis Jahresende von derzeit 35.000 auf 70.000 Tonnen verdoppeln, wie Günter Stephan, Leiter der Borealis Circular Economy Solutions, angekündigte.

Borealis hat 100 Prozent der Anteile an der Ecoplast Kunststoffrecycling von der Familie Intemann übernommen. Lukas Intemann soll Geschäftsführer von Ecpolast bleiben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Ecoplast verarbeitet derzeit mit 60 Mitarbeitern rund 35.000 Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr und stellt daraus hauptsächlich wieder Kunststoff-Folien her. "Wir haben schon während die Verhandlungen geführt wurden mit der Expansion begonnen", sagte Stephan zur APA. "Das wird Ende des Jahres abgeschlossen sein und dann sind wir in der Lage, bei der Ecoplast circa 70.000 Tonnen an Eingangsmaterial zu verarbeiten."

Die Investitionssumme will man nicht genau beziffern, "aber es sind schon Millionenbeträge", so Stephan. Es werde gerade eine komplett neue Produktionslinie gebaut, für die man den Mitarbeiterstand um 10 bis 15 Prozent aufstocken werde. "Eine neue Linie ist natürlich auch effizienter als alte Anlagen."

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Für Borealis - an der die OMV mit 36 Prozent beteiligt ist - fällt Ecoplast mit einem Jahresumsatz von 13 Mio. Euro nicht ins Gewicht. Borealis machte im Vorjahr 7,56 Mrd. Euro Umsatz und verdiente unterm Strich knapp 1,1 Mrd. Euro.

"Wir sehen das als Beginn einer Reise", erklärte Stephan. "Wir müssen uns auch als Primärkunststoff-Hersteller damit auseinandersetzen wie man recycliert." Sowohl die Ecoplast als auch die in Deutschland im Juli 2016 von Borealis übernommenen mtm plastics GmbH und mtm compact GmbH seien dafür ein guter Startpunkt. Bei mtm habe man gerade einen Expansionsschritt abgeschlossen und könne dort 90.000 Tonnen Eingangsmaterial verarbeiten.

Es gehe Borealis darum zu verstehen, wie man solche Anlagen betreibt und wie die Märkte funktionieren. Basierend auf den beiden Firmen soll dann das Recycling-Geschäft ausgebaut werden - man wolle sowohl an bestehenden Standorten expandieren als auch neue Werke errichten, sagte Stephan.

Ecoplast ist in den vergangenen zehn Jahren kaum gewachsen, aber in den nächsten Jahren erwartet man bei Borealis ein deutliches Wachstum des Marktes für recycliertes PO ("Polyolefine"). "Wir glauben, dass sich der Kunststoffrecycling-Markt positiv entwickeln wird", sagte Stephan. Das erkenne man an der Nachfrage der Kunden nach recyclierten Kunststoffen. "Wir haben diesen Trend schon im Jahr 2014 gesehen, als wir schon Anwendungen in der Automobilindustrie mit 25 bis 50 Prozent Rezyklat-Anteil gemacht haben. Wir haben das über die Jahre hinweg verfolgt und uns dazu entschlossen, den Überlegungen auch Taten folgen zu lassen und uns physisch beim Recycling-Geschäft zu engagieren."

"Wir glauben, dass mtm und Ecpolast nicht reichen, weder für die Borealis noch für die Gesamtnachfrage an Kunststoff-Rezyklat. Da muss noch was kommen. Wir arbeiten intensiv daran, haben verschiedenste Projekte laufen und wollen zukaufen, aber auch selbst Kapazitäten installieren", sagte Stephan. "Wir konzentrieren uns jetzt auf Europa, auf Länder, wo heute schon ein sehr gut ausgeprägtes Sammel- und Sortiersystem für Kunststoffe und Kunststoffabfälle vorhanden ist." Kurz- bis mittelfristig wolle man also zusätzliche Recycling-Kapazitäten in Zentraleuropa errichten, mittel- bis langfristig auch außerhalb Europas. "Wir glauben, dass man in den nächsten zwei Jahren wieder etwas von der Borealis hören wird." (apa)

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