Eisenbahn-Sparten

Bombardier will doch keine Spartenfusion mit Siemens

Siemens und Bombardier, beide mit großen Standorten in Österreich, verhandeln über eine Zusammenlegung ihrer Zugsparten - das behauptet zumindest ein Medienbericht. Siemens schweigt, Bombardier dementiert - obwohl es Überlegungen zu einer möglichen Fusion tatsächlich gibt.

Siemens und Bombardier führen einem Zeitungsbericht zufolge Gespräche über eine Zusammenlegung ihrer Zugsparten. Die Verhandlungen seien in einer sehr frühen Phase und die Kanadier streckten ihre Fühler auch noch in andere Richtungen aus, berichtet das "Wall Street Journal" auf seiner Internetseite unter Berufung auf Insider.

Zunächst haben der deutsche Hersteller Siemens und sein kanadischer Konkurrent Bombardier beide eine Stellungnahme abgelehnt. Danach ließ Bombardier doch über seinen Sprecher dementieren. "Wir sprechen nicht mit Siemens", so Bombardier-Sprecher Immo von Fallois in Berlin gegenüber dem "Handelsblatt".

Sowohl Siemens als auch Bombardier verfügen über große Standorte in Österreich. Beide Konzerne haben Werke für die Straßenbahnherstellung in Wien. Zusätzlich produziert Siemens hierzulande U-Bahnen und Drehgestelle für Züge in Graz.

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Spekulationen zu einer möglichen Fusion...

Dabei gibt es tatsächlich einige Anhaltspunkte für eine mögliche Fusion. Denn Bombardier bereitet derzeit einen Börsengang seines Transportsegments in Frankfurt vor. Die Kanadier wollen einen Minderheitsanteil an der Sparte, deren Leitung in Berlin sitzt, versilbern, um die eigene Bilanz zu stärken.

Nach diesem Schritt könnte Siemens seine Zugtechnik mit jener des Konkurrenten zusammenführen, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Eingeweihte. Den Gesamtwert der Bombardier-Zugsparte schätzen Analysten auf 5 Mrd. Dollar (4,5 Mrd. Euro).

... und die tatsächlichen Zwänge am Markt

Unter den westlichen Zugherstellern herrscht spätestens seit der Fusion der beiden großen chinesischen Anbieter CNR und CSR große Verunsicherung.

Bereits zuvor hatte Siemens-Chef Joe Kaeser die Eisenbahnsparte seines Hauses im Poker um den französischen Industriekonzern Alstom zur Verhandlungsmasse gemacht. Später brach die japanische Hitachi mit dem Kauf der Zugtechnik der italienischen Finmeccanica in den europäischen Markt ein.

Zudem leidet die Branche unter einer Auftragsflaute insbesondere im Bereich der schnellen Fernzüge. Nach einem Boom in den vergangenen zehn Jahren bestellen die Bahnbetreiber kaum mehr Hochgeschwindigkeitszüge.

Die Sehnsucht der Industrie nach einem "europäischen Champion"

In der Industrie grassiert die Ansicht, es brauche einen "europäischen Champion" nach dem Vorbild des Flugzeugbauers Airbus, um gegen die Konkurrenz aus Fernost zu bestehen.

Siemens-Chef Kaeser hat allerdings bereits zahlreiche andere Baustellen im Konzern aufgerissen, der zunehmend unter der Schwäche im Energietechnikgeschäft leidet. Diesen Donnerstag legt Siemens seine Quartalszahlen vor - eine Analyse dazu und zur derzeitigen Position des Technologieriesen lesen Sie hier. (red/reuters/apa)

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