Biotechnologie

Biontech-Mitgründer Huber: Voraussetzung für kluge Köpfe in Österreich gegeben

In Österreich nimmt ein neuer Verband der Biotech-Unternehmen seine Arbeit auf. Bei der Gründungsveranstaltung sagte Christoph Huber, der als Österreicher den Impfstoffhersteller Biontech mitgegründet hat, die Branche brauche Menschen mit Leidenschaft und Erfindergeist - und die richtigen Rahmenbedingungen.

Mitarbeiterinnen der Firma Biontech am Firmenstandort in Mainz in Deutschland.

In Österreich hat sich über die vergangenen Monate im Zuge der Coronapandemie ein Biotech-Verband gegründet. Nun fand als Gründungsveranstaltung eine Podiumsdiskussion mit dem aus Österreich stammenden Biontech-Mitgründer Christoph Huber statt. Biontech hat mit dem Pharmagigant Pfizer gemeinsam den ersten Corona-Impfstoff entwickelt. Huber forschte Jahrzehnte an mRNA-Impfstoffen, wie es nun auch "sein" Coronaimpfstoff geworden ist.

Für erfolgreiche Biotech-Unternehmen brauche es Menschen, besondere Erfinder, mit Leidenschaft, so Huber. Diese müssten für Lösungsansätze sorgen, die große medizinische Bedürfnisse befriedigen. Und dann gehe es weiters um die Rahmenbedingungen, um die ersten beiden Punkte besser umsetzen zu können. Dabei gehe es vor allem um die Bildung von der Schule weg und Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, Risikokapital zu lukrieren.

Rahmenbedingungen in Österreich viel besser als vor Jahrzehnten

Die Risikobereitschaft sei in Europa aber geringer als in den USA, so Huber, der vor Jahrzehnten nach Deutschland ausgewandert war, nachdem er in Innsbruck Medizin studiert hatte. Im Nachbarland startete er seine erfolgreiche medizinisch-unternehmerische Karriere. Die erste Voraussetzung der klugen Köpfe sei in Österreich aber bestimmt gegeben, sagte Huber heute. Als er Ende der 1980er auswanderte, seien die Rahmenbedingungen hierzulande aber nicht gut ausgebildet gewesen.

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"Jetzt glaube ich, stellt es sich deutlich besser dar", sagte Huber "aus einer Vogelperspektive heraus". Aber: "Ich glaube aber, dass eine nicht unbeträchtliche Hürde darin besteht, dass man noch keine gefestigte Tradition und Kultur hat, die sehr breit ausgerollt ist und sich in Bildungs- und Finanzeinrichtungen etabliert hat. Das brauche eine gewisse Zeit, das muss man prägen und voranbringen." Es gehe um eine Kultur, die Probleme ausmache und glaubhafte Lösungskonzeptionen hervorbringen könne.. "Wenn das öfters klappt ist es ansteckend, hochinfektiös", schmunzelte Huber, "und erweckt Begeisterung." Er hofft, dass die jetzigen Lösungsansätze rund um Corona die Menschen weiter motiviere.

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Branche müsse für sich und ihren Wert werben

Prinzipiell müsse die Branche in der Gesellschaft mehr klarmachen, dass sie einen Dienst an der Menschheit vollführe. "Das ist ja so begeisternd für junge Menschen und sollte viel mehr in die Ausbildung, die Schulen und Universitäten hineingetragen werden", forderte Huber. Es gehe auch um Förderungen. Es heiße oft, dass Biotech- und Pharmafirmen nach der Entwicklung funktionierender Produkte ohnehin viel Geld machten. Was dabei aber vergessen werde sei, dass die selben Firmen sehr oft auch sehr viel Geld verlieren würden, wenn eine Entwicklung in eine Sackgasse führt.

Eventuell ist eine dritte Impfung notwendig

Ob beim Impfstoff von Biontech und Pfizer nun eine dritte Immunisierung und eine jährliche Nachimpfung notwendig ist, wie dies der Chef des US-Pharmakonzerns Pfizer, Albert Bourla, in der Nacht auf Freitag in New York angedeutet hatte, blieb im Zuge der Podiumsdiskussion mit Huber offen. Auf diese APA-Nachfragen wollte man unter Verweis auf eine Frage, die ans Management zu richten sei, nicht eingehen. Huber sitzt im Biontech-Aufsichtsrat. Bourla hatte dem Sender CNBC zuvor gesagt, dass voraussichtlich eine dritte Immunisierung innerhalb von zwölf Monaten notwendig sei. Außerdem könnte jährlich eine weitere Impfung hinzukommen.

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Der Unterschied zwischen Biotech und Pharma

Der Unterschied zwischen Biotech und Pharma ist laut den beiden Vorständen des neuen Biotech-Verbandes, Peter Llewellyn-Davies (CEO APEIRON Biologics AG) und Georg Casari (CEO Haplogen GmbH), übrigens, dass Biotechfirmen verstärkt in der Grundlagenforschung tätig sind. Geht es dann dahin, ein erfolgreiches Produkt auf den Markt zu bringen, kommen die Pharmafirmen ins Spiel. Sie übernehmen ein Produkt bzw. eine ganze Firma oder gehen Lizenzvereinbarungen ein und vertreiben die Medizin auf dem Markt. Biotech Austria hat 50 Mitglieder, darunter laut dem Vorstand viele Start-ups. Man wolle der österreichischen Biotechnologiebranche "eine starke Stimme in der Öffentlichkeit geben". (apa/red)