Unternehmensnachfolge

Planung ab dem Volksschulalter ...

Betriebsübergaben sind ein heikler Moment. Übermächtige Gründerväter rauben der Jugend die Luft zum Atmen und nehmen dem Nachwuchs die Lust auf operativen Einsatz. Wie Nachfolgeszenarien trotzdem glücken. Von Piotr Dobrowolski

Für viele Familienunternehmen wäre die Frage, wie man die Übernehmer am besten berät, allerdings bereits ein Luxusproblem. Denn gerade mittelständische Betriebe haben das Problem, überhaupt einen Nachfolger aus den Reihen der Familie zu finden. Nach Angaben der KMU Forschung Austria fanden 1996 noch 75 Prozent der Übergaben innerhalb der Familie statt. 2006 waren es nur noch 50 Prozent. Und der Trend dürfte anhalten.
 
Suche nach dem Alpha-Tier
 
Auf die Frage, wie man es schaffen kann, den eigenen Nachwuchs ans Unternehmen zu binden, gibt es jedenfalls bis heute keine Patentantworten. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Wege, die Unternehmerfamilien im Umgang mit der Nachfolgegeneration pflegen. Die niederländische Familie Brenninkmeyer, unter anderem Eigentümerin des Kleiderriesen C&A, setzt auf generalstabsmäßige Planung vom Volksschulalter an. Der Clan organisiert eigene Ferienlager für den mittlerweile zahlenmäßig durchaus beeindruckenden Nachwuchs, bei denen Spiel, Spaß und körperliche Ertüchtigung in freier Natur im Vordergrund stehen. Zugleich wird aber penibel beobachtet, welches Kind Alpha-Tier-Züge trägt und somit für Führungsaufgaben prädestiniert ist und welches doch lieber die Laufbahn eines Bibliothekars einschlagen sollte.

Etwas Ähnliches veranstaltete auch die im oberösterreichischen Kremsmünster ansässige Greiner-Gruppe, als man für die 2001 erfolgte Ablöse von Altchef Peter Greiner nach geeigneten Nachfolgern suchte. Die in Frage kommenden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt allerdings längst aus dem Volksschulalter heraus, weshalb man für sie statt eines Ferienlagers den sogenannten Goldfischteich einrichtete: eine Reihe von regelmäßigen Zusammenkünften mit Managern des Unternehmens, bei denen der Nachwuchs auf seine unternehmerischen Qualitäten geprüft wurde. Jene zwei Fische, die in dem von Peter Greiner erfundenen Biotop am besten reüssierten und sich auch noch vor externen Beratern bewährten, sollten als Nachfolger eingesetzt werden. Alle anderen mussten sich einen Job außerhalb des Familienunternehmens suchen.

Um das Gleichgewicht zwischen dem österreichischen und deutschen Zweig des Clans zu wahren, wurden schließlich der Österreicher Boris, damals 31, und der Deutsche Axel, damals 37, als Nachfolger auserkoren. Ein nach allen Regeln der Kunst optimiertes Ergebnis.

Allein: Manchmal wirft das Leben selbst die exakteste Planung über den Haufen. Mit 39 schied Boris Greiner aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand aus, drei Jahre später ging auch Axel Greiner. Inzwischen wird das Unternehmen von zwei externen Managern geführt. Der Goldfischteich ist, jedenfalls vorläufig, trockengelegt.
 
Allein unter Aliens
 
Dass Übernahmeszenarien nicht immer wie geplant funktionieren, weiß auch Annette Klinger. Als die heutige Internorm-Chefin zarte vierzehn Jahre alt war, bedrängten externe Manager ihren Vater, rechtzeitig für die Übergabe zu sorgen. „Daraufhin wurde für mich ein firmeninterner Workshop organisiert, in dem ich auf meine zukünftige Aufgabe vorbereitet werden sollte.“

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