Coronakrise

Berlin: Reshoring ist nicht Aufgabe des Staates

Der Chefvolkswirt des deutschen Wirtschaftsministeriums lehnt in der Debatte um neue Lieferketten ein staatliches Eingreifen weitgehend ab. Ein Reshoring werde von der deutschen Regierung nicht verfolgt und sei auch nicht Aufgabe des Staates.

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Der Chefvolkswirt des deutschen Wirtschaftsministeriums, Philipp Steinberg, lehnt in der Debatte um neue Lieferketten ein staatliches Eingreifen weitgehend ab. Es sei nicht Aufgabe der Politik, eine Rückverlagerung von Produktion im Zuge der Coronakrise vorzuschreiben, sagte Steinberg auf einer digitalen Veranstaltung der Industriestaaten-Gruppe OECD.

"Ein allgemeines Reshoring wird seitens der Bundesregierung nicht verfolgt." Die Unternehmen müssten selbst entscheiden, ob sie sich nach dem Ausfall vieler Lieferungen während der Viruspandemie hier breiter oder anders aufstellen wollten. "Wenn Marktversagen herrscht, hat der Staat eine Rolle", sagte Steinberg zur Frage möglicher Ausnahmen. Er wies in dem Zusammenhang auf medizinische Produkte während der Coronakrise hin, als der Staat sich etwa um Beschaffung gekümmert und Produktion gefördert habe.

Wegen der Pandemie sind der Welthandel und damit viele globale Lieferketten eingebrochen. Dies trifft die exportorientierte deutsche Wirtschaft hart. Das Münchner Ifo-Institut macht unterdessen einen Trend zu regionaleren Lieferketten aus. Dieses sogenannte Nearshoring sei allerdings keine Alternative, die alle Probleme löse, sagte Ifo-Expertin Lisandra Flach. Denn dies bremse ebenso wie das Reshoring letztlich die Wettbewerbsfähigkeit. "Zwischengüter würden auch teurer werden. Das muss uns klar sein."

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Steinberg sagte, um sich kurzfristig gegen ähnliche Krisen besser zu wappnen, müssten die Firmen selbst Entscheidungen treffen. Der Staat könne hier eher über digitale Infrastruktur helfen, die ein besseres Management der Lieferketten ermögliche. Langfristig könne die Politik Forschung und Innovation fördern - wie zuletzt bei der Batteriezellenproduktion. Dies könne zwar teilweise zu einem Reshoring der Lieferketten führen. Der Chefökonom des deutschen Wirtschaftsministeriums betonte aber: "Grundsätzlich wollen wir an unserem globalisierten, arbeitsteiligen Wertschöpfungsmodell festhalten." (reuters/apa/red)