Mautsysteme

Berlin plant Großauftrag an Kapsch Trafficcom

Der österreichische Mautspezialist Kapsch Trafficcom soll den Zuschlag für die Errichtung und den Betrieb der deutschen Autobahnmaut bekommen - die gerade in Österreich besonders umstritten ist. Derzeit klagt die Republik vor dem EuGH gegen das Projekt.

Die geplante deutsche Pkw-Maut ist in Österreich besonders umstritten. Sogar eine Klage Wiens gegen die "Ausländermaut" liegt beim EuGH in Luxemburg. Doch zumindest ein heimisches börsennotiertes Unternehmen darf sich aller Wahrscheinlichkeit über die Straßentaxe freuen: Der heimische Mautspezialist Kapsch Trafficcom soll den Zuschlag zur Errichtung und den Betrieb erhalten, teilte die Firma mit.

"Die zuständige Vergabestelle hat Kapsch Trafficcom über die Absicht benachrichtigt, den (entsprechenden, Anm.) Vertrag mit MTS Maut & Telematik Services GmbH, einer 100 prozentigen Tochtergesellschaft von Kapsch Trafficcom AG, zu schließen", teilte das Wiener Unternehmen mit. "Der Zuschlag kann bei planmäßiger Vorabinformation der unterlegenen Bieter frühestens am 22. Oktober 2018 erteilt werden." Danach könnten noch etwaige vergaberechtliche Verfahren abzuwarten sein.

Finanzvolumen von rund 120 Millionen Euro

Der Vertrag hat eine Grundlaufzeit von zwölf Jahren ab Beginn der Erhebung der Maut. Die Bundesrepublik Deutschland kann den Vertrag auf maximal bis zu 15 Jahre verlängern. Das Auftragsvolumen beläuft sich laut Kapsch - je nach konkreter Ausformung der Leistungen - auf bis zu 120 Mio. Euro.

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"Wir haben einen Riesenschritt zur technischen und organisatorischen Umsetzung gemacht", wird der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) im "Münchner Merkur" zitiert. Das Ministerium in Berlin hatte bereits zuletzt angekündigt, bis Jahresende solle feststehen, wer die Maut erhebt und kontrolliert.

CSU: "Riesenschritt zur technischen Umsetzung"

Die Maut ist ein Prestigeprojekt der bayerischen CSU. Kanzlerin Angela Merkel von der CDU erwartete erst dieser Tage, dass die Klagen Österreichs und auch der Niederlande gegen die deutsche Pkw-Maut nicht erfolgreich sein würden. Man habe eine mit dem Europarecht konforme Lösung gefunden, sagte sie erst am Montag. "Deshalb glaube ich auch, dass die Klagen der Nachbarländer nicht so einen großen Erfolg haben werden."

Die Maut soll auf Bundesstraßen und Autobahnen kassiert werden, für Ausländer nur auf Autobahnen. Österreich und Holland stören sich daran, dass es sich um eine reine "Ausländermaut" handle, also Deutsche selbst nicht zur Kassa gebeten würden.

Deutsche Autofahrer sollen künftig im Gegenzug für Mautzahlungen durch eine geringere Kfz-Steuer komplett entlastet werden. Nach Abzug der Kosten soll die Maut gut 500 Mio. Euro im Jahr für Investitionen einbringen.

Massiver Kurssprung nach oben an der Wiener Börse

Die Aktie von KapschTrafficcom hat an der Wiener Börse mit einem massiven Kursaufschlag von fast neun Prozent auf 37,0 Euro reagiert, während das Börsenumfeld an diesem Tag schwach bleibt.

Neuer Auftrag auch in der Schweiz

Erst Ende August wurde Kapsch TrafficCom mit der Modernisierung des Schweizer LKW-Mautsystems beauftragt. Der Auftrag des Schweizer Bundesamts für Bauten und Logistik und der Eidgenössischen Zollverwaltung beinhaltet die Modernisierung der Mautsystemteile und die Herstellung der Interoperabilität mit dem europäischen Mautservice (EETS). Kapsch soll auch die Wartung und den Systembetrieb bis Ende 2020 übernehmen, verlängerbar bis Ende 2024. Den Auftragswert bezeichnet das Unternehmen mit knapp über 20 Millionen Euro.

(apa/red)