Autoindustrie

Berichte: VW will mit Börsengang von Porsche eigene Schlagkraft erhöhen

Bei Volkswagen bekommen die Überlegungen für einen möglichen Börsengang der Nobelmarke Porsche offenbar neuen Schub. Das könnte viel Geld in die Kassen spülen und die Schlagkraft gegenüber Börsenlieblingen wie Tesla ein wenig erhöhen.

Bei Volkswagen bekommen die Planspiele für einen möglichen Börsengang der Tochter Porsche offenbar neuen Schub. Die Ausgabe eigener, am Finanzmarkt handelbarer Aktien der Sportwagen- und SUV-Marke könnte Konzernchef Herbert Diess zusätzliches Geld in die Kassa spülen.

So ließen sich die hohen zweistelligen Milliarden-Investitionen für E-Mobilität und Digitales in den kommenden Jahren besser bezahlen. Auch in puncto finanzielle Schlagkraft gegenüber Tesla könnte man wohl ein wenig aufholen.

Das Unternehmen erwäge diverse Möglichkeiten, den Börsenwert zu erhöhen - dazu gehöre mittelfristig eine Porsche-Erstnotiz, schrieb das "Manager Magazin" unter Berufung auf Insider. Allerdings werde VW in einem solchen Fall höchstens 25 Prozent der Anteile abgeben, man kalkuliere dafür mit einem Wert von 20 bis 25 Milliarden Euro. Ein Mitglied der Konzernspitze verwies laut dem Blatt zudem darauf, dass es 2021 damit nichts mehr werde. Volkswagen selbst wollte sich zum Thema offiziell nicht äußern. Aus dem Umfeld des Autobauers hieß es, es würden allgemein weiter verschiedene Szenarien geprüft, wie sich einzelne Bereiche neu ordnen ließen.

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Die im Dax notierte VW-Vorzugsaktie lag am Nachmittag im Plus. Investoren spekulieren schon seit Jahren, dass die Ertragsperle Porsche zu Geld gemacht werden könnte, das die Wolfsburger angesichts des Branchenumbruchs gut gebrauchen könnten. Analysten zufolge kommt der Wert der Tochter nicht recht zur Geltung. Die VW-Dachgesellschaft Porsche SE ist bereits an der Börse.

Ein zentrales Ziel von Diess ist es, den Konzern wertvoller zu machen. 2019 brachte VW die Nutzfahrzeug-Holding Traton in kleinerem Stil an die Börse. Neue Nahrung hatte das Thema auch bekommen, nachdem der Auto- und Lkw-Bauer Daimler jüngst eine Aufspaltung angekündigt hatte, was am Finanzmarkt gut angekommen war.

Tesla ist an der Börse etwa drei Mal mehr wert als VW, Daimler und BMW zusammen

Die traditionellen Autobauer geraten bei Investoren im Vergleich mit dem E-Auto-Pionier Tesla zunehmend ins Hintertreffen. Das Unternehmen von Elon Musk aus Kalifornien bringt mittlerweile etwa drei Mal so viel Börsenwert auf die Waage wie VW, Daimler und BMW zusammen. Aktuell liegt die sogenannte Marktkapitalisierung - also die Kurssumme aller umlaufenden Aktien - bei gut 630 Milliarden Euro. Für VW sind es knapp 90, für Daimler rund 70 und für BMW 46 Milliarden Euro. Indes spiegeln sich in diesen Zahlen nicht unbedingt auch realwirtschaftlichen Grundlagen wider, sondern vor allem die Erwartungen der Märkte ans künftige Geschäft.

Diess will den Konzern vom reinen Fahrzeugbauer zu einem software-und servicegetriebenen Mobilitäts- und Technologiekonzern umformen. Das verschlingt Milliarden über Milliarden, wird andererseits jedoch auch als unumgänglich erachtet, um sich gegenüber der Marktmacht etwa der amerikanischen und asiatischen IT-Riesen sowie Newcomern wie Tesla abzusichern. Apple testet Technik fürs autonome Fahren - seit Jahren halten sich auch hartnäckig Gerüchte, die Firma könnte mit Partnern in den Autobau selbst einsteigen. Google investiert große Summen in Technologien rund um das autonome Fahren.

Diess: "Gravierende Nachteilen beim Zugang zu Ressourcen"

"Unsere Marktbewertung steckt noch im Bereich der alten Autoindustrie", sagte Diess kürzlich der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Das führt zu gravierenden Nachteilen für uns beim Zugang zu benötigten Ressourcen." Frisches Geld würde der VW-Gruppe aber auch bei der Überwindung der derzeitigen Absatzflaute durch die Corona-Pandemie helfen. Das Jahr 2020 schloss der Konzern mit einem Verkaufsminus von gut 15 Prozent ab. Zwar gelang ein Jahresendspurt, und auch die Auslieferungen von Elektro- und Hybridwagen legten für sich genommen stark zu. Dies lag allerdings auch an den staatlichen Kaufzuschüssen sowie - bei anderen Antrieben - an Vorzieheffekten bei Kunden durch das Ende der Mehrwertsteuer-Senkung.

Während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr flossen bei VW wegen geschlossener Werke bei weiterlaufenden Kosten zeitweilig bis zu 2 Milliarden Euro pro Woche an Liquidität ab. Das Unternehmen gab daher bereits neue Anleihen aus, um das verfügbare Finanzpolster zu stabilisieren. Den sogenannten Netto-Cashflow im Auto-Kerngeschäft gab der Konzern zuletzt mit rund 6 Milliarden Euro an. Vorläufige Finanzdaten zum Corona-Jahr 2020 werden ab Ende Februar erwartet. (dpa-afx/apa/red)