Klimawandel

Berge wie Täler: Österreich hat den höchsten Bodenverbrauch Europas

Nirgendwo sonst in Europa wird an jedem einzelnen Tag so viel Boden zubetoniert wie in Österreich, kritisieren Umweltschützer. Besonders dramatisch sei die Situation im alpinen Raum.

Vor genau 27 Jahren haben die acht Alpenstaaten die Alpenkonvention unterzeichnet, ein Übereinkommen zum Schutz der Alpen. Die zentralen Themen des Abkommens vom 7. November 1991, wie der Erhalt der Natur und Landschaft, seien heute aktueller denn je, schreiben die Umweltschutzverbände WWF und Naturfreunde Österreich sowie der Österreichische Alpenverein ÖAV. Im Gegenteil sei die Notwendigkeit, sich an die Vereinbarungen zu halten, heute viel größer als damals.

"Unser Land steht für höchsten Bodenverbrauch der EU"

Österreich leiste sich hier "einen verantwortungslosen Umgang mit seinem Naturerbe", so die Kritik der Organisationen: "Unser Land steht für den höchsten Bodenverbrauch im Alpenraum und in der Europäischen Union. Täglich wird eine Fläche von 21 Fußballfeldern neu verbaut."

Besonders dramatisch sei die zunehmende Verbauung der alpinen Räume und ihrer Ökosysteme. Durch den ausufernden Flächenverbrauch gelten heute nur mehr rund sieben Prozent der österreichischen Staatsfläche als naturbelassen und unerschlossen. Die Alpen stehen demnach durch die immer weiter neu errichtete großtechnische Infrastruktur massiv unter Druck.

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Eine Fläche von Dutzenden Fußballfeldern wird zubetoniert - jeden Tag

Nach Zahlen der Österreichischen Hagelversicherung wurden in Österreich in den letzten zehn Jahren an jedem einzelnen Tag durchschnittlich 20 Hektar verbaut. Ddas entspricht 30 Fußballfeldern. In der Periode 2014-2016 waren es knapp 15 Hektar. Ddas entspricht 24 Fußballfeldern.
 
Österreich verliert jedes Jahr ein halbes Prozent seiner Agrarflächen. Zum Vergleich: Deutschland und die Schweiz verbauen 0,25 Prozent, Tschechien 0,17 Prozent. Wenn die Entwicklung so weiter geht, gibt es in Österreich in 200 Jahren rein rechnerisch so gut wie keine Agrarflächen mehr.

Dazu:
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Riesige Bauprojekte "drängen in die letzten alpinen Freiräume"

Brenner, Basis, Tunnel, Brenner, Basistunnel, Porr, Bau, Bauindustrie, Tirol © BBT SE / Luftbild Baustelle Wolf / Steinach am Brenner

Vertreter von WWF, ÖAV und Naturfreunde schreiben dazu: "Trotz des bereits hohen Erschließungsgrads wird der alpine Raum immer intensiver und verantwortungsloser beansprucht, wie das aktuellste Beispiel des geplanten Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramms zeigt. Große Bauprojekte drängen in die letzten alpinen Freiräume, etwa das Kraftwerk Kaunertal oder die Gletscherehe Pitztal/ Ötztal, oder machen auch vor Schutzgebieten nicht mehr Halt, wie die Beispiele Kraftwerk Kühtai im Ruhegebiet Stubaier Alpen, der geplante Brückenschlag im Ruhegebiet Kalkkögel oder ein Schigebietsausbau durch das Naturschutzgebiet Kleinfragant in Kärnten."

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Auswirkungen der Versiegelung sind schon heute extrem

Dabei hätte die rasant zunehmende Versiegelung der Böden schon jetzt direkte Auswirkungen auf das Wetter in Österreich. Den Organisationen zufolge werden gerade in den heimischen Breitengraden und vor allem in den Alpen in den kommenden Jahren heißere und trockenere Sommer, kürzere und schneeärmere Winter sowie allgemein besonders intensive Wetterextreme sehr viel häufiger werden. "Angesichts dieser klimatischen Veränderungen, sind wir mehr denn je gefordert, in Zukunft sparsamer und sorgsamer mit den endlichen natürlichen Ressourcen umzugehen."

Appell an alle Umweltlandesräte

Dies hat auch die im Vergleich zur Alpenkonvention junge Makrostrategie für den Alpenraum der Europäischen Union (EUSALP) erkannt. Unter dem derzeitigen Vorsitzbundesland Tirol und mit breiter Öffentlichkeitsbeteiligung wurde eine Deklaration für nachhaltige Landnutzung und Bodenschutz verfasst, die in wenigen Tagen unterzeichnet werden soll."

Die Organisationen appellieren an alle Landesräte für Umwelt- und Naturschutz sowie Raumplanung der österreichischen Bundesländer, sich weit stärker für mehr Bodenschutz einzusetzen: "Ein verbindlicher Aktionsplan für mehr Bodenschutz ist wichtiger denn je. Die unkontrollierte Verbauung der letzten Freiräume muss gestoppt werden."

(red)

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