Internationales Ranking

Bei der Zahlungsmoral liegen österreichische Firmen vorn - weltweit

Die Zahlungsmoral heimischer Unternehmen ist weltweit unerreicht: Rechnungen werden normalerweise nach 44 Tagen beglichen. Dagegen liegt der Durchschnitt in 36 ausgewählten Ländern bei 64 Tagen. Die rote Laterne des Rankings kam China zu - mit einem Wert von 92 Tagen.

Österreichische Firmen begleichen ihre Rechnungen weltweit am schnellsten. Mit einer Zeitspanne von 44 Tagen zwischen Rechnungslegung und Zahlungseingang liegen die heimischen Unternehmen heuer erneut international an der Spitze - gefolgt von Neuseeland und den Niederlanden (beide 46) sowie der Schweiz und Dänemark (beide 48), wie aus einer Analyse des Kreditversicherers Euler Hermes hervorgeht.

Der weltweite Durchschnitt liegt 2016 den Angaben zufolge unverändert bei 64 Tagen. Die schlechteste Zahlungsmoral haben die Chinesen - sie verschlechtert sich heuer um weitere vier auf 92 Tage. Damit zahlen die chinesischen Firmen heuer um gut einen Monat später als der Durchschnitt und bilden erstmals das Schlusslicht. Etwas besser sind Griechenland (89 Tage), Italien (86 Tage) sowie Marokko und die Türkei (beide 83 Tage).

"In keinem Land wird 2016 so spät bezahlt wie in China", betont Euler-Hermes-Chefökonom Ludovic Subran in der aktuellen Studie zum weltweiten Zahlungsverhalten, mit der Unternehmen in 36 Ländern und 21 Branchen durchleuchtet wurden. "Die rote Laterne der Spätzahler für den roten Drachen, das ist ein Novum", so Subran.

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Bis 2014 sei Italien weltweites Schlusslicht gewesen. "2015 war es Griechenland - vor China und Italien gleichauf."
Die Gründe für die Entwicklung in China seien zum einen das verlangsamte Wirtschaftswachstum, zum anderem die großen Cash-Bestände der börsennotierten chinesischen Unternehmen, die sich auch längere Zahlungsziele leisten könnten.

Seit 2010 haben diese Firmen ihre Bargeld-Bestände und Zahlungsmitteläquivalente dem deutschen Kreditversicherer zufolge verdoppelt. Sie verfügen über Mittel für Investitionen gerade auch im Ausland. Die Unternehmen könnten zudem ihre Kunden unterstützen, indem sie längere Zahlungsziele als Alternative zu Bankkrediten anböten, die in China sehr restriktiv vergeben würden.

Hohe Barmittel bei den Chinesen: Vorteil und Risiko

"Hohe Barmittel bei zumindest den großen chinesischen Firmen ist zunächst eine gute Nachricht für Unternehmen, die mit China Handel betreiben", teilte der CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Ron van het Hof, mit. "Dieses Modell könnte in der Zukunft allerdings riskant werden, speziell bei Firmen und Branchen, die vom chinesischen Staat nicht mehr als strategisch betrachtet werden."

Weiters sollte das auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unternehmen ihre Zahlungen auch aufgrund von finanziellen Engpässen verzögerten. "Je länger die Zahlungsziele, desto höher ist das Ausfallrisiko", betonte er. Lieferanten chinesischer Unternehmen müssten im Schnitt mehr als drei Wochen länger auf ihr Geld warten als noch im Jahr 2007 und auch fast einen Monat länger als im Weltdurchschnitt.

In der chinesischen Elektronikindustrie wurden Rechnungen 2015 laut Euler Hermes erst nach durchschnittlich 139 Tagen bezahlt (plus 37 Tage seit 2010), Maschinenbauer beglichen ihre offenen Forderungen nach rund 134 Tagen (plus 22 Tage seit 2010) und das Baugewerbe nach 109 Tagen (plus 33 Tage seit 2010).
Eine spürbar schlechtere Zahlungsmoral als noch 2015 legen heuer - neben China - auch Brasilien, die Türkei und Saudi-Arabien an den Tag. (APA/red)

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