Energieversorger

Baumgartner-Gabitzer wechselt 2014 an APG-Spitze

Die Verbund-Vorstandsdirektorin Ulrike Baumgartner-Gabitzer (55) verlässt das führende heimische Stromunternehmen und geht mit Anfang 2014 als Vorstandsvorsitzende an die Spitze der Netz-Tochter Austrian Power Grid AG (APG). Die Bestellung hat am Donnerstag der APG-Aufsichtsrat unter Vorsitz des früheren Wienerberger-Chefs Erhard Schaschl vorgenommen, der neue APG-Vertrag der Managerin läuft fünf Jahre.

Baumgartner-Gabitzer kann wegen der Unbundling-Bestimmungen im Strombereich rechtlich nicht sofort, sondern erst nach mindestens einem halben Jahr "cooling off"-Periode zur APG wechseln, in deren Chefetage derzeit Thomas Karall (51) und Gerhard Christiner (43) sitzen. Bis spätestens 30. Juni muss sich die Juristin daher in der Verbund AG aus allen Funktionen zurückgezogen haben, sagte Schaschl am Donnerstag zur APA.

Politische Kritik am Wechsel

Der erwartete Wechsel zur APG und die dortige Vorstands-Erweiterung auf drei Personen hatte im Vorfeld der erwarteten Bestellung für politische Kritik gesorgt. Denn Baumgartner-Gabitzer soll beim Verbund dem, nach einiger Pause, wieder neu geplanten Amt eines eigenen Finanzvorstands Platz machen, wird vermutet. Dort soll eine AR-Entscheidung kommenden Dienstag fallen, zuletzt war wieder vermehrt von einem "internationalen Kapazunder" aus dem Ausland und weniger von einem heimischen Kandidaten die Rede gewesen, der als neuer Finanzer das Rennen machen könnte. Die letzten Jahre hatte Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber die CFO-Aufgaben wahrgenommen.

"Wir als Aufsichtsräte sind autonom"

Kritik einer vorweg gemauschelten Personalie wies Schaschl zurück: "Wir als Aufsichtsräte sind autonom. Ich bin ein unabhängiger Präsident dieses Gremiums", betonte er zur APA. Laut Schaschl kamen zunächst sechs Bewerber in die engere Auswahl, auf der letzten Shortlist seien dann drei Personen gestanden, darunter ein "sehr hoch qualifizierter Deutscher". Der Verbund gehört zu 51 Prozent der Republik Österreich, die APG ist eine 100-prozentige Verbund-Tochter. Die APG betreut ein Stromnetz von 6.700 km Länge auf den Spannungsebenen 380 kV, 220 kV und 110 kV.

Dass Baumgartner-Gabitzer für das halbe Jahr "Wartezeit" zwischen Verbund-Funktion und APG-Vorstandsvorsitz einen Konsulentenvertrag erhalten soll, wie es schon vor Wochen in Medienberichten geheißen hat, ist Schaschl nicht bekannt. Er vertrete ja auch nur die APG-Seite. Vor dem "cooling off" hat die Managerin noch bei der APG im Aufsichtsrat mitgestimmt, dass ein dritter Vorstandsposten neu ausgeschrieben wird, ehe sie dann, laut "Presse" am 18. Jänner, ihr AR-Mandat zurückgelegt hat.

Dritter Vorstand "zukunftsorientierte Entscheidung"

Mit der erneuten Bestellung eines dritten Vorstands sei eine "zukunftsorientierte Entscheidung" im APG-Aufsichtsrat getroffen werden, mit der das Gremium strategisch auf die wachsenden Aufgaben im Übertragungsnetzbereich reagiere, hieß es in einer Aussendung der Verbund-Tochter. Mit Baumgartner-Gabitzer setze man auf "eine Top-Managerin mit hervorragendem Energie-Track-Record".

Den offenbar schon länger fixierten Wechsel der Verbund-Managerin zur APG hatte die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig schon im Jänner einen "Postenschacher übelster Sorte" genannt. Und FPÖ-Politiker Norbert Hofer kritisierte, hier würden Jobs an "politische Günstlinge" vergeben und deswegen sogar nach dem Staatsanwalt gerufen. Denn, so Hofer vor einem Monat in einer Aussendung, es bestehe "der begründete Verdacht, dass die Ausschreibung manipuliert wurde, um andere Bewerber auszubremsen".

Aufgabengebiet "schon sehr gewachsen"

Dass bei der APG extra für Baumgartner-Gabitzer ein Posten geschaffen werde, um sie vom Verbund-Vorstand wegloben zu können - bei der Tochter winken ihr angeblich ebenfalls nicht weniger als die jetzigen 400.000 Euro Jahresgage -, wurde laut Medien im Unternehmen in Abrede gestellt. Das Aufgabengebiet sei "schon sehr gewachsen", wurde dazu schon vor einem Monat APG-AR-Chef Schaschl zitiert.

Kurzzeitig hatte die Verbund-Netztochter APG schon früher drei Vorstände, allerdings, wie es damals hieß, nur zwecks Einarbeitung eines "Neuen", ehe der langjährige Technikvorstand DI. Dr. Heinz Kaupa geht, was Ende 2012 der Fall war. Dessen Mandat war nämlich im Herbst 2011 ganz bewusst nur mehr bis knapp nach Vollendung seines 65. Lebensjahres verlängert worden. Christiner, der "Neue", war schon seit Anfang 2012 parallel als Dritter im APG-Vorstand gewesen. Und seit damals fungierte auch Kaupa als Vorstandssprecher quasi als Nummer 1 des Kollegialorgans, zieht Schaschl jetzt den Vergleich mit den künftigen Chefagenden von Baumgartner-Gabitzer.

Recht, Politik, Energie

Die promovierte Juristin Baumgartner-Gabitzer, geboren am 16. Juli 1957, startete ihre Berufslaufbahn nach dem Gerichtsjahr 1984 im damaligen Handelsministerium als Referentin in der allgemeinen Rechtsabteilung. 1987 kam sie in das Kabinett des Wirtschaftsministers und war dort - unter den Ressortchefs Robert Graf und Wolfgang Schüssel - auch für Energieangelegenheiten zuständig.

Von 1992 an war sie Geschäftsführererin des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), heute "Oesterreichs Energie". Von 1995 bis 1997 arbeitete sie als Kabinettchefin von Schüssel, damals VP-Vizekanzler. 1997 kehrte sie in die Leitung des VEÖ zurück. Danach war Baumgartner-Gabitzer ÖVP-Nationalratsabgeordnete (von 1999 bis 2006) und dabei u.a. Verfassungssprecherin der Bundespartei bzw. seit 2005 Landesparteiobmann-Stellvertreterin der ÖVP Wien, ehe sie - vom Aufsichtsrat bestellt am 24. Oktober 2006 - per Anfang 2007 in den Verbund-Vorstand einzog. (APA)