Analyse

Autozulieferer setzen weiter auf Schwellenländer

Die deutschen Automobilzulieferer bleiben hinsichtlich der Wachstumschancen in Europa ziemlich skeptisch.

Zulieferindustrie Dürr ElringKlinger Michael Muders

Trotz erster Lichtblicke im krisengeplagten Europa setzen die deutschen Autozulieferer weiter auf die Boom-Märkte Asien und Amerika. Während die Konzerne wie der Lackieranlagenbauer Dürr oder der Kunststoffverarbeiter ElringKlinger in diesen Regionen kräftige Umsatzzuwächse verzeichnen, bleiben die Aussichten für Europa eher trüb. "Die Talsohle scheint erreicht, eine durchgreifende Erholung ist jedoch noch nicht in Sicht", beschrieb ElringKlinger am Mittwoch die Lage in Europa.

Das sieht auch Michael Muders, Automobilexperte bei der Fondsgesellschaft Union Investment so: "Im Moment rechnen wir in Europa bestenfalls mit einer Stabilisierung der Lage, aber nicht mit deutlichem Wachstum."

Neue Werke in Übersee

Auch die Autobauer wie VW, Daimler und BMW sind froh, ihre Absatzschwäche in Europa mit Wachstum in Übersee kompensieren zu können und investieren kräftig in neue Werke in China, Brasilien oder den Vereinigten Staaten. Längst sind die Automobilzulieferer ebenso global aufgestellt wie ihre Kunden: Dürr erzielt nur noch 40 Prozent seiner Umsätze in Europa, ElringKlinger 45 Prozent.

Der Kunststoffverarbeiter will diesen Anteil weiter reduzieren. Die Zahlen zum dritten Quartal geben dieser Strategie recht: Trotz der Schwäche in Europa steigerte ElringKlinger den Umsatz um 5 Prozent auf 294 Millionen Euro, das operative Ergebnis stieg knapp sechs Prozent auf 38,6 Millionen Euro. Auch der US-Autozulieferer Delphi erzielte ein Umsatzplus von zehn Prozent - trotz eines Umsatzminus von fünf Prozent in Europa.

Insgesamt gehe es den Zulieferern dank des Auto-Booms in den aufstrebenden Volkswirtschaften gut, sagt Union-Investment-Experte Muders. "Wenn auch der europäische Automarkt wieder wachsen würde, gäbe es einen zusätzlichen Schub", ergänzte er. So lange Südeuropa weiterhin in wirtschaftlichen Problemen stecke, sei aber keine durchgreifende Besserung zu erwarten. Dort gebe es allerdings wachsenden Ersatzbedarf, weil der Fahrzeugbestand mittlerweile schon sehr alt sei.

"Schrittweise Entspannung"

Dürr schaffte im dritten Quartal ein Umsatzplus von gut 3 Prozent auf 614 Millionen Euro und steigerte das Ebit um 11 Prozent auf knapp 52 Millionen Euro. Die Malaise in Europa machte sich jedoch im Auftragseingang bemerkbar, der von Jänner bis September um gut 3 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro sank. Dahinter steckt ein Minus von 20 Prozent in Europa ohne Deutschland und gar von 28 Prozent im Inland.

Die Autoindustrie habe wegen der Absatzkrise die Investitionen eingeschränkt, analysierte das Unternehmen aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen. "Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Situation im Jahr 2014 schrittweise entspannt und notwendige Investitionen nachgeholt werden." Auf seinem wichtigsten Markt China sammelte Dürr 8,5 Prozent mehr Aufträge ein.

Die Fokussierung auf das Ausland hat allerdings auch ihre Schattenseiten. So büßte ElringKlinger wegen der Schwäche der asiatischen Währungen und des Dollar an Umsatz und Gewinn ein. Ohne Gegenwind vom Wechselkurs hätte das Umsatzplus nicht bei fünf, sondern bei 8,6 Prozent gelegen. (APA/Reuters)