Arbeitszeitflexibilisierung

Austria Email-Chef Hagleitner: „Gewerkschaften sollen zur Sachlichkeit zurückkehren“

Die Arbeitszeitflexibilisierung bringt die Möglichkeit für 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen. Während die Gewerkschaften protestieren, betont etwa Austria Email-Chef Martin Hagleitner, dass die Flexibilisierung vor allem der Gesellschaft zugute komme.

ÖVP und FPÖ haben sich auf eine Reform der Arbeitszeitregelung geeinigt, am 1. Jänner 2019 soll das Arbeitszeitflexibilisierungsmodell in Kraft treten. Dieses Gesetz ist quer durch die Politik sowie bei den Sozialpartnern sehr umstritten - während aus der Wirtschaft und Industrie die Zustimmung überwiegt. INDUSTRIEMAGAZIN hat dazu am Rande des Industriekongresses mit Martin Hagleitner, Vorstandsvorsitzender der Austria Email, gesprochen.

"Ich finde es geradezu verantwortungslos und nicht nachvollziehbar, dass Gewerkschaften, die sich auf die Fahnen heften, die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten, mit Verunsicherung und Polemik arbeiten", sagt Martin Hagleitner. Die Arbeitszeitflexibilisierung sei nur eine von vielen Maßnahmen die "Firmen wie uns und anderen Unternehmen, die mit zyklischen und saisonalen Nachfragen konfrontiert sind, oder mit unterschiedlichen Anlagenstörungen - also Dingen, die nicht plan- oder vorprogrammierbar sind und nicht in das Korsett eines 8-Stunden-Tages passen" ermöglicht, adäquat zu reagieren, so Hagleitner.

Es entstehe dem Arbeitnehmer kein Nachteil, betonte er: "Jede Überstunde wird weiter bezahlt, auch die Höchstarbeitszeiten werden nicht beeinträchtigt. Es entspricht auch vielen Lebenswelten von Mitarbeitern, beispielsweise Alleinerziehenden oder solchen die einen gewissen Freiraum für eigene Interessen und Hobbys brauchen. Es kommt der Gesellschaft zugute, und nicht den Unternehmen oder bösen Kapitalisten, wie das die Gewerkschaften suggerieren."

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"Ich rufe dringend dazu auf, zur Sachlichkeit zurückzukehren", sagt Hagleitner. Wenn den Gewerkschaften der Standort ernst sei, sollten sie konstruktiv mitwirken und nicht "automatisch gegen die Regierung opponieren" und Menschen verunsichern: "Ich hoffe, dass das nur ideologisches Getöse ist und nicht der Beginn von Streiks." Europa sei in einer schwierigen Situation - "wenn wir es dann noch schaffen, durch unsere eigenen Rahmenbedingungen Firmen zu kastrieren, dann wird es langsam nicht mehr möglich sein, am Standort zu investieren und mehr Mitarbeiter zu beschäftigen - und das wollen wir. Wenn wir einen Kampf führen, dann gemeinsam - Gewerkschaften, Unternehmen, Mitarbeiter, Management - um Marktanteile, um digitale Lösungen, um Innovation", führt Hagleitner aus. (red)

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