Stellenabbau

Aus für Motoren-Produktion im Wiener Opel-Werk

Das Opel-Werk in Wien Aspern verliert den letzten Großauftrag von General Motors und damit die seit 1982 laufende Motorenfertigung. 200 bis 270 Jobs gehen dadurch verloren.

Mitte des Jahres werde die Motorenproduktion mit dem Ende des Großauftrags der früheren Konzernmutter für den europäischen Markt auslaufen, schreibt die "Presse" online. Übrig bleibe die Herstellung eines Sechs-Gang-Getriebes für die PSA-Gruppe. Die Anzahl der Mitarbeiter sinke auf 600. 

Arbeiterbetriebsratsvorsitzende Renate Blauensteiner zeigte sich gegenüber der APA nicht überrascht, das Auslaufen des GM-Auftrags sei seit langem bekannt gewesen. Man habe für die Betroffenen einen Sozialplan entworfen und hoffe auf ein neues Produkt für den Standort.

Bis zu 3.000 Menschen waren in Aspern beschäftigt

Die Geschichte des Opelwerks in Wien begann am 23. August 1979, als der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) und GM Austria-Generaldirektor Helmuth Schimpf einen Vertrag für die Errichtung eines Motorenwerkes unterzeichneten. Laut der Firmenchronik von Opel Wien waren damals Investitionen von 9,8 Mrd. Schilling vorgesehen - umgerechnet wären das heute 710 Mio. Euro.

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Bei der offiziellen Eröffnung am 15. Oktober 1982 standen bereits 1.600 Mitarbeiter an den Fließbändern. 1983 stieg die Jahresproduktion auf 230.000 Motoren und 250.000 Getriebe. 1995, am Höhepunkt der Produktion, arbeiteten in den Fabrikshallen in Wien-Aspern im Osten der Stadt an die 3.000 Menschen.

Vor einem Jahr, im Februar 2019, waren noch 1.150 Arbeiter und rund 200 Angestellte beschäftigt. Damals gab es einen Abbau von 350 bis 400 Mitarbeitern, erstmals sank die Beschäftigung unter 1.000 Personen. Nun dürften davon 600 übrig bleiben.

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Über 2000 Jobs in Deutschland betroffen

Der Personalabbau geht dabei auch in Deutschland weiter: In einem ersten Schritt sollen bei der PSA-Tochter in Deutschland bis zu 2.100 Jobs wegfallen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen durch Frühverrentung und Abfindungen dazu bewegt werden, das Unternehmen freiwillig zu verlassen. Insgesamt plant Opel in den nächsten Jahren den Abbau von bis zu 4.100 Jobs zusätzlich zu den bereits vor zwei Jahren vereinbarten rund 7.000 Stellen, wie ein Unternehmensinsider bestätigte. Darüber habe Opel die Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung informiert. Europaweit zählte Opel zuletzt rund 30.000 Mitarbeiter, davon etwas mehr als die Hälfte in Deutschland.

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Weiterer Jobabbau in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich

Die gesamte Branche steckt wegen der schärferen CO2-Vorgaben im Umbruch und setzt auf den Bau von Elektroautos, für den weit weniger Personal benötigt wird als für Verbrennungsmotoren. Bei Opel kommt hinzu, dass die französische Konzernmutter PSA sich gerade mit Fiat Chrysler zusammenschließt. Experten halten es für wahrscheinlich, dass der fusionierte Konzern in Europa Überkapazitäten abbauen wird. Das könnte auch Opel treffen. Branchenweit wird wegen des Wechsels zur Elektromobilität in den kommenden Jahren mit dem Wegfall von Zehntausenden Arbeitsplätzen gerechnet.

Begleitende Maßnahmen zum Stellenabbau bei Opel

Zur Sicherung der deutschen Opel-Standorte in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern vereinbarten Management und Betriebsrat ein Eckpunktepapier, über das das "Handelsblatt" als erstes berichtete. Laut Opel soll der Personalabbau zunächst auf rund 2.100 Stellen begrenzt werden. Die Programme für Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen sollen für die Jahrgänge bis 1963 geöffnet werden. Im Gegenzug werde der Kündigungsschutz für die verbleibenden Beschäftigten von 2023 bis 2025 verlängert. In zwei weiteren Schritten könnten später je rund 1.000 weitere Stellen wegfallen. Die Jobgarantie für die verbleibende Belegschaft solle dann bis 2027 beziehungsweise 2029 verlängert werden, hieß es aus dem Unternehmen weiter. Dem Betriebsrat zufolge hat sich das Unternehmen verpflichtet, für die Altersteilzeit auch über die Jahrgänge 1964 und 1965 zu verhandeln.

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Beschlossen wurde zudem, künftig alle Varianten des Kompaktwagens Astra einschließlich Hybrid-Versionen im Stammwerk in Rüsselsheim zu bauen. Damit soll die Fabrik in den kommenden Jahren besser ausgelastet werden. Seit Oktober gilt in dem Werk Kurzarbeit, da der Verkauf des Insignia schwächelt und die Produktion des neuen Astra erst 2021 anläuft. Den Auftakt macht der Fünftürer. 2022 soll der Kombi folgen, der bisher im britischen Ellesmere Port vom Band läuft.

Auch andere Hersteller und ihre Lieferanten streichen wegen des Umbaus und der mauen Autokonjunktur Personal. Der Verband der Automobilindustrie rechnet damit, dass allein im Zuge des Umstiegs von Verbrenner- auf Elektroautos im Bereich des Antriebsstrangs bis 2030 zwischen 80.000 und 90.000 Stellen wegfallen könnten. (apa/Reuters)

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