Konjunktur

Auftragsplus für Industrie in Deutschland - "das sich in Luft auflösen kann"

Hoffnungsschimmer für die von Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur gebeutelte deutsche Industrie: Im April gab es den zweiten Monat in Folge mehr Aufträge. Doch besonders für Exporteure bestehen weiter hohe Risiken, sagen Ökonomen.

Hoffnungsschimmer für die von Handelskonflikten und schwacher Weltkonjunktur gebeutelte deutsche Industrie: Sie hat im April den zweiten Monat in Folge mehr Aufträge an Land gezogen. Das Neugeschäft wuchs um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Ökonomen hatten nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet.

Im März hatte es einen Anstieg von revidiert 0,8 (bisher 0,6) Prozent gegeben. "Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe haben sich in den letzten beiden Monaten bei anziehender Auslandsnachfrage auf niedrigem Niveau stabilisiert", erklärte das Ministerium. Im April hätten sie aber noch um gut fünf Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen. "Die Industriekonjunktur dürfte im zweiten Quartal gedämpft bleiben."

Auch Ökonomen sehen die exportabhängigen Unternehmen noch lange nicht überm Berg. "Mehr als ein Lichtblick sind die neuen Zahlen nicht", betonte Allianz-Expertin Katharina Utermöhl. "Die zaghafte Trendwende in der Auslandsnachfrage könnte sich angesichts der jüngsten Verschärfung im US-China-Handelsstreit schnell wieder in Luft auflösen." US-Präsident Donald Trump droht der Volksrepublik mit neuen Strafzöllen. "Ich könnte noch mindestens um 300 Milliarden Dollar nach oben gehen", (267 Mrd. Euro) sagte Trump in Irland zu Reportern. "Das sorgt aktuell für geringere Exporterwartungen in der deutschen Industrie", erklärte der Außenwirtschaftsexperte des DIHK, Kevin Heidenreich, zu Unsicherheiten wie dem Handelsstreit der beiden weltgrößten Volkswirtschaften oder dem ungewissen Brexit-Ausgang.

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Die Commerzbank geht davon aus, dass die Produktion der Unternehmen trotz des leichten Aufwärtstrends bei den Aufträgen im Frühjahr schrumpfen wird. "Damit bleibt ein Zuwachs des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im zweiten Quartal unwahrscheinlich", sagte ihr Ökonom Ralph Solveen. Im ersten Quartal war Europas größte Volkswirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Die Bestellungen aus dem Inland schrumpften im April um 0,8 Prozent, während das Auslandsgeschäft um 1,1 Prozent wuchs. Dabei fielen die Bestellungen aus den Euroländern um 5,8 Prozent, während sie aus dem Rest der Welt um 5,7 Prozent zulegten. Die Industrie hat in den vergangenen Monaten die globale Konjunkturabkühlung und die Handelskonflikte zu spüren bekommen. (reuters/apa/red)

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