Digitalisierung

Aufbau der Wiener Pilotfabrik für Industrie4.0 startet

Die erste Pilotfabrik für Industrie 4.0 in Österreich soll zeigen, wohin die Digitalisierung der heimischen Hersteller gehen soll. Nach einer Idee des Infrastrukturministeriums übernimmt die Entwicklung die TU Wien, zwanzig Industriebetriebe sind an Bord.

Es kommt Bewegung in die offiziell vor mehr als einem Jahr auf dem Papier eröffnete erste Pilotfabrik für Industrie 4.0: Vor vier Wochen wurde mit dem tatsächlichen Aufbau begonnen, in zwei bis drei Monaten dürfte es in der Demonstrationsfabrik in Wien-Aspern dann auch wirklich etwas zu besichtigen geben, hieß es im Rahmen des dritten Industrie 4.0-Fachkongresses in Wien.

Mit der Digitalisierung habe die europäische Industrie die Chance, ihre globale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. "Wir können das Produkt oder den Prozess verbessern - und es muss eine Verbesserung sein, für die der Kunde bereit ist zu zahlen", erklärte Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria und Vorstand des Instituts für Managementwissenschaften an der Technischen Universität (TU) Wien, der federführend am Aufbau der Pilotfabrik beteiligt ist, die Ausgangslage.

Die häufigste Frage in den heimischen Betrieben

"Ich habe da etwas über Digitalisierung gelesen - aber wie kann ich das in meinem Industrieunternehmen nutzen?" - sei die häufigste Frage, mit der er konfrontiert werde. Hier komme die Pilotfabrik ins Spiel. Sie solle Kunden ermöglichen, ihre individuellen Anwendungsmöglichkeiten, welche durch die digitale Vernetzung entstehen, auszuloten, Roboterassistenz- und Varianzsysteme oder auch echtzeitfähige Montagesteuerung kennenzulernen.

White Paper zum Thema

"Wir zeigen etwa intelligente Transportbehälter - sie melden sich sozusagen, wenn sie leer sind - und eine sich selbst steuernde Materialversorgung bzw. -entsorgung", führte er aus. Aufgebaut werden auch drei Konzepte für fahrerlose Transportsysteme.

Ein wesentliches Thema sei die Veränderung des Arbeitens und der Arbeitsplätze. Einerseits würden die Mitarbeiter aufgrund der permanent steigenden Lebenserwartung älter, was Auswirkungen auf die erforderliche Ergonomie bzw. die Ansprüche an altersgerechtes Arbeiten habe.

Andererseits sei kollaboratives und kooperatives Arbeiten mit Robotern im Kommen. Roboter werden zum Kollegen und eilen zu Hilfe, wenn ein bestimmtes Werkstück aufgenommen wird. "Der Roboter ist mit dem Werkstück vernetzt und weiß von selber, wann er kommen muss. Er 'spricht' sich mit den anderen Robotern ab und sie 'klären', wer gerade in der Nähe ist oder Zeit hat", so das offenbar gar nicht futuristische Szenario. Massiv Einzug halten werden Sihn zufolge Tablets, die mit den Maschinen kommunizieren, und mit deren Hilfe Mitarbeiter jederzeit alle relevanten Infos zur Hand haben.

Mensch-Maschine-Interaktion: Viele Unklarheiten

Gerade bezüglich der Mensch-Maschine-Interaktion herrsche jedoch eine unsichere Normenlage und es gebe viele offene Fragen zur Sicherheit. Deshalb haben Fraunhofer Austria und das Zertifizierungsunternehmen TÜV Austria im Rahmen der Pilotfabrik ein Forschungsprojekt gestartet, das noch eineinhalb bis zwei Jahre laufen soll, wie TÜV Austria-Innovationsmanager Christoph Schwald erläuterte.

Weil das hochkomplexe Miteinander von Mensch und Maschine neu ist, ist erst zu definieren, was und wie geprüft werden muss, um ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Besonders herausfordernd sei es, wenn die Steuerung über Assistenzsysteme erfolge, etwa über eine Virtual-Reality-Brille.

"Wie lässt es sich vermeiden, mit dem Roboter zusammenzustoßen? Man muss hier alles systemisch betrachten", betonte Schwald. Ziel des Projekts sei es, einen Leitfaden herauszugeben, erklärte er. Laufend begleitet werde das Projekt durch eine "White Paper"-Reihe.

Die beteiligten Institutionen und Betriebe

Die Pilotfabrik wurde vom Infrastrukturministerium (BMVIT) initiiert und von der TU Wien entwickelt. In der ersten Phase sind zwanzig Industrieunternehmen beteiligt.

Partnerunternehmen im Bereich Forschung sind Atos IT Solutions and Services, Bosch Rexroth, COPA-DATA, EMCO, evolaris, Festo, GGW Gruber, IGM Robotersysteme, Jungheinrich, Kellner & Kunz, Logcom, memex, Phoenix Contact, plasmo Industrietechnik, SAP Österreich, Siemens AG Österreich, Siemens Industry Software, teXXmo, Trilogiq, Würth Österreich, Zetes Austria, ZOLLER.

Partner im ersten kooperativen Forschungsprojekt sind IGM Robotersysteme AG und ATOS IT Solutions and Services. (red/apa)

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