Interview

"Auch Chicago war eine Option"

Warum der neue US-Firmensitz des Recycling- und Textilmaschinenbauers Starlinger wieder Greenville heißt, erklärt Geschäftsführerin Angelika Huemer.

Von
Maschinenbau Starlinger & Co Angelika Huemer

Seit 2002 haben Sie ein USA-Standbein in Greenville, South Carolina. Sie sind dort mit Vertrieb, Service und Ersatzteilversorgung eingemietet. Im September übersiedeln Sie an den neuen Standort, der wieder in Greenville ist und auch einen Vorführraum für Maschinen besitzt. Welches Wachstum erhoffen Sie sich? 

Angelika Huemer Im Geschäftsjahr 2014/15 waren wir unserem Ziel von knapp 20 Millionen Euro US-Umsatz schon recht nahe (16,2 Millionen Euro). Mittelfristig könnte das Amerikageschäft ein Viertel des Gesamtumsatzes ausmachen. Speziell in den Geschäftsfeldern Recycling- und Kunststoffaufbereitungsmaschinen erwarten wir uns spürbares Wachstum. Auch bei unserer auf Spulmaschinen spezialisierten Tochter Sahm – in den USA alteingesessen – sehen wir Wachstum zwischen zehn und 20 Prozent.

Stand ein Wegzug aus Greenville ernsthaft zur Diskussion?
Huemer Auch Chicago war eine Option. Und Kalifornien ist immer interessant, aber für ein europäisches Unternehmen ist die Distanz schon sehr groß. Für South Carolina sprechen mehrere Dinge: Die hier ansässigen Textil-, Kunststoff- und Autoindustrien sind stark. Und der Osten ist eine aufstrebende Region mit relativ niedrigen Lohnkosten. Und einer tollen Verkehrsanbindung – der Interstate Highway ist zum Greifen nah.

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In zehn Jahren konnten Sie in den USA in der Sparte Recycling 15 Maschinen absetzen. Ein Sprung ins kalte Wasser ist die Drei-Millionen-Euro-Investition in den neuen Standort also nicht ... 

Huemer Wir konnten einige gute Projekte lukrieren. Und vorstellbar ist, von hier aus künftig auch den mittelamerikanischen Raum mitzubetreuen.

Im Vorjahr gab es Personalanpassungen im niederösterreichischen Werk Weissenbach (aktuell: 580 Mitarbeiter). 20 Mitarbeiter mussten gehen. Warum?

Huemer Die Auftragseingänge blieben hinter den Erwartungen zurück. Das war den globalen Krisen geschuldet, deshalb passten wir geringfügig an. Die Kapazitätsanpassungen wurden sozial ausgewogen mit den Betriebsräten durchgezogen.

2013/14 legten Sie beim Umsatz einen Unterehmensrekord hin. Ein Jahr darauf sank der Starlinger-Umsatz um rund fünfzehn Prozent auf 160 Millionen Euro. Grund zur Sorge?
Huemer Nein. Als Maschinenbauer ist es schwierig, jedes Jahr Wachstum hinzulegen. Ich bin ohnehin der Meinung, dass gewisse Schwankungen im Band von fünf bis zehn Prozent die ganz normalen Konjunkturzyklen widerspiegeln und uns diese nicht beunruhigen sollten. Natürlich: Unser Minus lag etwas darüber.

Wie sehr setzt Ihnen die asiatische Konkurrenz zu? 

Huemer Im Textilmaschinenbereich mischen asiatische Hersteller mit, die ungeniert westliche Produkte kopieren, um 50 Prozent günstiger anbieten und die laut Datenblatt ein ähnliches Leistungsspektrum erfüllen. Das ist beileibe nicht immer der Fall. Aber Kunden werden in Versuchung geführt.

Und im Kunststoffrecyclingbereich?

Huemer Hier sind wir in einer ganz anderen Liga unterwegs als die Asiaten. Das Regranulat unserer Maschinen ist ein Qualitätsprodukt, ein sekundärer Rohstoff, der später wieder als Wertstoff Einsatz findet. Asiatische Anbieter dagegen betreiben Downgrading, punkten über die Preisschiene und liefern zum Teil minderwertige Ware.

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