Seite 2: Gasteiger zu Strompreiserhöhungen und Konjunktur

Arno Gasteiger, der Vorstandssprecher der Salzburg AG, will Öko-Förderungen abschaffen und durch Investitionsbegünstigungen ersetzen. Beim Finanzminister ist er damit bislang abgeblitzt.

Das Anspringen der Konjunktur hat bereits zu einem Anstieg der Strompreise an den Börsen geführt. Wann müssen Ihre Kunden damit rechnen, dass Sie die höheren Einkaufspreise an Sie weitergeben werden?

Wir planen derzeit keine Strompreiserhöhungen, zumal die Börsepreise wieder nachgeben.

Die Salzburg AG investiert Jahr für Jahr große Summen in die Infrastruktur. Wo liegen heuer die Schwerpunkte?

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Wir werden dieses Jahr rund 130 Millionen Euro investieren. Davon fließt ein großer Teil in den Ausbau der Netze sowie in die Errichtung neuer Kraftwerke. Im Herbst wollen wir mit dem Bau eines Kraftwerkes im Norden der Landeshauptstadt beginnen. Die ‚Sohlstufe Lehen‘ wird ein Projekt mit einer Investition von rund 85 Millionen Euro und einer Jahresleistung von 80 Gigawattstunden. Zudem planen wir den Bau kleinerer Wasserkraftwerke in Hollersbach und in Dientenbach, den Ausbau der Fernwärme-Netze und große Investitionen in das Stromnetz.

Sie haben sich der Verbreitung erneuerbarer Energien verschrieben. Wie wollen Sie erreichen, dass das Land Salzburg unabhängiger von fossilen Energieträgern wird?

Wir verhandeln derzeit mit den Gemeinden Neumarkt, Bergheim und Freilassing in Deutschland über die Umsetzung unserer Gesamtenergie-Konzepte, den sogenannten ‚Ökoenergieparks’. Hierbei erfolgt die Energieerzeugung ausschließlich aus erneuerbaren lokalen Rohstoffen wie Biomasse und Sonnenenergie. Um auch die Verwendung vor Ort zu gewährleiten, sieht das Konzept zudem  die Errichtung von Biogas- und Elektrotankstellen vor.

Die E-Mobilität ist derzeit Ihr großes Thema. Wollen Sie der Regierung zuvorkommen, die erst jüngst einen stärkeren Beitrag vom Verkehrsbereich zur Senkung der CO2-Emissionen gefordert hat?

In Salzburg ist der Verkehr mit einem Anteil von rund 39 Prozent der mit Abstand größte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Wenn es uns nicht gelingt, hier anzusetzen, wird es unmöglich sein, die österreichischen Klimaschutzziele zu erreichen. Neben dem öffentlichen Nahverkehr, den wir aus umweltfreundlichem Wasserkraftstrom versorgen, engagieren wir uns in zwei Bereichen. Zum einen forcieren wir Erdgasfahrzeuge, die auch mit Biogas betankt werden können. Die zweite Schiene ist die Elektromobilität. Hier haben wir kürzlich mit Raiffeisen Leasing und der Schweizer Advisory House die Firma „The Mobility House“ gegründet, über die wir jetzt Komplettangebote im Bereich E-Mobilität vertreiben. Bisher haben wir rund 300 einspurige Elektrofahrzeuge  verleast. Ab April werden wir die ersten Autos im Leasing und zum Kauf anbieten. Umweltminister Niki Berlakovich hat bereits einen E-Auto der Marke ‚Think‘ von uns als Dienstwagen übernommen. Wir wollen uns aber nicht auf nur einen Hersteller konzentrieren, sondern werden unser Angebot laufend erweitern.

Und mit welchen Kosten muss ein Unternehmen rechnen, das seine Flotte umstellen will?

 Der Preis ist noch nicht abschließend kalkuliert. In der Anschaffung sind die Elektro-Autos auf Grund der Batterien noch sehr teuer. Die Kosten des laufenden Betriebs hingegen machen nur rund ein Drittel eines Diesel-Fahrzeuges aus. Welche Bedeutung soll der Geschäftsbereich E-Mobilität künftig für Ihr Unternehmen haben?  Wir sehen in der Elektromobilität eine große Zukunft und wollen auf diesem Markt mehr sein als ein regionaler Energiedienstleister. Zusammen mit unseren Partnern planen wir, auch in Länder wie die Schweiz und Deutschland zu expandieren. Insgesamt werden wir in den nächsten drei Jahren rund 30 Millionen Euro in die E-Mobilität investieren. Es gibt auch eine Plattform von Verbund, Magna und Siemens namens „Austrian Mobile Power". Warum haben Sie sich entschieden, Ihren eigenen Weg zu gehen? Das liegt daran, weil wir unterschiedliche Ziele verfolgen. Die AMP versteht sich eher als Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Wir hingegen wollen die praktische Anwendung forcieren, also den Vertrieb. Gibt es weitere Bereiche, in denen Sie künftig stärker wachsen wollen?

Wir wollen in der Telekommunikation unsere Position weiter ausbauen. Da wir hier über sehr leistungsstarke Leitungen verfügen, sehen wir in diesem Bereich großes Potenzial.

Nicht nur beim Kabelfernsehen auch beim Haushaltsstrom sind sie Marktführer. Da sind dem Wachstum aber doch enge Grenzen gesetzt?

Ja, das ist richtig. Im Strombereich gibt es für uns kein Wachstum mehr. Hier geht es uns darum, die Kunden zu halten. Das wollen wir mit fairen Preisen erreichen. Unser Ziel ist hier nicht die Gewinnmaximierung. Das ist vielleicht eine ungewöhnliche Strategie, aber sie ist gedeckt durch unsere Mehrheitseigentümer, das Land und die Stadt Salzburg.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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