Stahlindustrie

Arcelormittal: "Gravierende Krise am Stahlmarkt"

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelormittal schickt 1.400 Mitarbeiter am riesigen Standort Ilva in Süditalien in Kurzarbeit - mit null Stunden. Kürzungen gibt es auch in Polen und Spanien. "Wir erleben eine schwierige Situation. Die Marktbedingungen sind in ganz Europa kritisch", so der Geschäftsführer für Italien, Matthieu Jehl.

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelormittal tritt wegen der schwachen Nachfrage auf die Bremse. Das Unternehmen kündigte in einer Presseaussendung am Mittwochabend an, 1.400 Arbeitnehmer im süditalienischen Stahlwerk von Tarent in den nächsten 13 Wochen auf Kurzarbeit mit null Stunden zu setzen. Der Beschluss wurde mit der "gravierenden Krise auf dem Stahlmarkt" begründet.

Erst im September hatte sich Arcelormittal mit der italienischen Regierung darauf geeinigt, 10.700 Arbeitnehmer des ehemaligen Ilva-Konzerns zu übernehmen, 8.200 davon sind in Tarent beschäftigt. "Wir erleben eine schwierige Situation. Die Marktbedingungen sind in ganz Europa kritisch. Es handelt sich jedenfalls um eine vorübergehende Maßnahme", berichtete der CEO von Arcelormittal Italia, Matthieu Jehl.

Arcelormittal stoppt Produktion auch in Polen - Kürzungen in Spanien

Am 6. Mai hatte Arcelormittal wegen der Branchenkrise in Europa eine Kürzung bei der Stahlproduktion in Europa von drei Millionen Tonnen pro Jahr angekündigt. Die Produktion am Standort im polnischen Krakau werde vorübergehend ausgesetzt, teilte der Konzern mit. In spanischen Asturias werde sie zurückgefahren. Neben der schwächelnden Nachfrage machten dem Unternehmen in Europa die zunehmenden Importe in den Markt zu schaffen sowie hohe Energie- und Klimaschutzkosten.

White Paper zum Thema

Im Überblick:
Wegen Dumpingstahl und Flaute: Arcelormittal senkt Stahlproduktion in Europa

Auch die Voest meldet einen Gewinneinbruch

Diese Woche hat in Österreich auch die Voestalpine einen Gewinneinbruch für das abgelaufene Geschäftsjahr bekannt gegeben und angekündigt, Investitionen stark zurückfahren zu wollen:

Voestalpine: Deutlicher Gewinneinbruch und viel weniger Investitionen >>  
Voestalpine rüstet sich für eine "massiv schlechtere Konjunktur" >>

Italienische Gewerkschaften drohten mit Streik

Die italienischen Gewerkschaften reagierten empört auf die Ankündigung und drohten mit einem Streik. Der italienische Staat hatte 2015 die Kontrolle über das Werk in der Nähe des Hafens von Tarent übernommen, um in der Region Arbeitsplätze zu erhalten und die starke Umweltverschmutzung im Umfeld des Werkes in den Griff zu bekommen.

Das riesige Stahlwerk Ilva war eine Milliardenübernahme für Arcelormittal

Im Jahr 2017 bekam Arcelormittal grünes Licht für die Ilva-Übernahme. Der Stahlriese hat laut italienischen Medien 1,8 Milliarden Euro für die Übernahme von Ilva gezahlt. Ilva hatte in guten Zeiten geschätzte neun Millionen Tonnen Stahl pro Jahr produziert - das entsprach etwa einem Drittel der italienischen Gesamtproduktion. Das Stahlwerk mit Sitz in Tarent stand zwischen 2013 und 2018 unter besonderer staatlicher Aufsicht. Hintergrund waren Vorwürfe gegen die Eigentümerfamilie Riva, die in Kauf genommen haben soll, dass giftige Emissionen aus der Anlage in die Stadt zogen. Die Emissionen werden für mindestens 400 vorzeitige Todesfälle verantwortlich gemacht.

Zuletzt dazu:
Ilva: ArcelorMittal bezahlt jedem Mitarbeiter, der freiwillig geht, 100.000 Euro >>   

Arcelormittal darf Ilva übernehmen - muss aber Werke in Europa verkaufen >>

(apa/red)

Aktuell aus der Stahlindustrie:

British Steel: Zweitgrößter britischer Stahlkonzern unter Zwangsliquidation >>

Zerschlagung in Sicht: "Wir bauen ein völlig neues Thyssenkrupp" >>

Verwandte tecfindr-Einträge