Oldtimer-Werkstätte

Anlagenbauer Kremsmüller: "Altmaschinen als Lebensader"

Die Krieglacher Reparaturwerkstätte des Anlagenbauers Kremsmüller haucht Altmaschinen von Kunden aus ganz Österreich neues Leben ein. Mit unnachahmlichem Fertigungs-Know-how - und einem Maschinenpark, der Neugeräte ebenso wie Drehmaschinen aus den Nachkriegsjahren beheimatet.

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Mitarbeiter an der Drehbank in Krieglach

In der Eisenhammerstraße 3 in Krieglach ist der Name Programm. Ein gutes Stück Industriegeschichte findet sich hier, am Sitz der Reparaturwerkstätte des Anlagenbauers Kremsmüller, wo noch alte Drehmaschinen aus den Nachkriegsjahren ihren Dienst verrichten. Versetzt jedoch mit neuem, im Maschinenpark der Steirer finden sich ebenso hochmoderne Bearbeitungszentren. Ein Mix aus alt und jung, der einen großen Reiz für Unternehmen ausübt, hier Fertigungsdienste in Anspruch zu nehmen. Zumeist dann, wenn der Schuh drückt.

Wie etwa vor wenigen Wochen, als quasi über Nacht Ersatz für die riesige Kolbenstange eines Steinbruch-Baggers hermusste. Oder als das Zentralgetriebe der Grubenlok Salzburg Hallein, auch eine alte Dame, von einem hydraulischen zu einem elektrischen Antrieb umzubauen war, ohne die Mechanik zu verändern. Auch Ölpressen oder Pumpenhülsen mit 40, 50 Jahren auf dem Buckel, die längst vom Ersatzteilmarkt verschwunden sind, entstehen hier in einem klassischen Werkstättenbetrieb.

Altgerät als Lebensader 

Das ist im digitalen Zeitalter ziemlich einmalig. Aber auch wieder nicht. Denn nur, weil Maschinen oder Komponenten alt sind, heißt das nämlich nicht, dass sie nicht die Lebensader einer Fertigung oder eines Prozesses sein können. Wo immer sie die erste Geige spielen, sind lebensabschnittverlängernde Maßnahmen somit erwünscht und willkommen. Vieles in der Industriewelt sei hochgradig digitalisiert, manches noch reine Science Fiction, sagt Gregor Kremsmüller, Geschäftsleiter in der Kremsmüller Gruppe. „Doch oftmals steht es wirtschaftlich überhaupt nicht dafür, Altanlagen vorzeitig aufzugeben“, sagt er.

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Kremsmüller © Kremsmüller

"Oftmals steht es wirtschaftlich überhaupt nicht dafür, Altanlagen vorzeitig aufzugeben.“
Gregor Kremsmüller, Geschäftsleiter in der Kremsmüller Gruppe

Mit dem Leitsatz, Anlagen dann doch lieber wieder in Schwung zu bringen, hat die Krieglacher Truppe, durch die Bank Dreher, Fräser und Werkzeugmacher mit Herz und einer beeindruckenden fachlichen Expertise, sich in der Region und darüber hinaus einen tadellosen Ruf erarbeitet. Begonnen hatte alles 2001, als die ehemalige Zentralreparaturwerkstätte der Voestalpine die Schließung drohte. „Wir waren damals zufälligerweise Auftragnehmer und schließlich kam eins zum anderen, wir übernahmen den Standort“, erzählt Kremsmüller. 

Oldtimerwerkstätte - für die Breite

Heute wird in Krieglach einerseits Equipment für die Erdölförderung produziert - das sind fixe Rahmenverträge über die Lieferung von Komponenten wie Steigrohrübergängen oder Kugelventilen.

Kremsmüller, Krieglach © Kremsmüller

Alte Bohrmaschine des Krieglacher Maschinenparks 

Und dann gibt es die „Oldtimerwerkstätte“ für sehr langlebige Maschinen, wie der hiesige Niederlassungsleiter erzählt. Speziell jene Dreh- und Frästeile, die sich nicht zeichnerisch erfassen lassen und nur nach Muster entstehen, sind geradezu prädestiniert für Krieglach. Natürlich rede man hier nicht von einem monströsen Umsatzbringer für die Gruppe, so Kremsmüller.

Doch erbracht werde eine Leistung, die man künftig stärker „in die Breite bringen“ wolle. Und der Lohn sei - neben möglichen Folgeaufträgen - durchaus auch ein nichtmonetärer. „Wenn man einer verlorengeglaubten Werkzeugmaschine neues Leben einhaucht, ist das schon ein besonderer Moment“.