Edelmetalle

Analysten: Gold dürfte bald viel teurer werden

"Der Goldpreis schleicht sich langsam nach oben", sagt Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle bei der Präsentation seines Überblicks zum Goldmarkt. Die Notenbanken kaufen demnach gerade Gold wie zuletzt vor einem halben Jahrhundert. Auch gebe es mehr Signale für eine Rezession in den USA.

Eine Vertrauenskrise in der Politik und in vielen gesellschaftlichen Bereichen lässt das Interesse an Gold und den Goldpreis steigen, meint der Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle. Schon vor Monaten habe man die Vertrauenserosion als Leitmotiv des diesjährigen Reports "In Gold We Trust" gewählt - "wir hätten uns nicht gedacht, dass uns die Regierung dafür so eine Steilvorlage geben würde".

"Das Vertrauen in Währungen, in Geld, in Notenbanken, in den US-Dollar und die US-Ökonomie ist im Moment nach wie vor hoch", sagte Stöferle in Wien bei der Präsentation seines Goldreports. "Aber unserer Meinung nach wird dieses Vertrauen langsam zu bröckeln beginnen, denn die Rezessionsgefahren sind deutlich höher als im Moment vom Markt diskontiert."

Wie immer gelte: Je expansiver die Geldpolitik, desto besser für den Goldpreis. "Wenn die Rezessionswolken sich verdichten, dann werden die Notenbanken nicht tatenlos zusehen, dann werden wir Negativzinsen sehen", meint Stöferle, aber es werde auch neue Runden von Quantitative Easing in den USA geben und auch ein stärkeres Einschreiten der Fiskalpolitik, wenn die Möglichkeiten der Geldpolitik ausgeschöpft seien. Diese Eingriffe würden deutlich stärker ausfallen als im noch Zuge der letzten großen Finanzkrise.

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"Der Goldpreis schleicht sich langsam nach oben", sagte Stöferle, "aber im Moment interessiert das niemanden so richtig." In vielen Währungen notiere Gold derzeit auf einem neuen Allzeithoch. Auf Euro-Basis habe der Goldpreis seit der Einführung des Euro als Buchgeld vor 20 Jahren um 360 Prozent zugelegt, "annualisiert waren das 8 Prozent". Letztes Jahr sei der Goldpreis in Euro um 2,7 Prozent gestiegen, heuer bisher um 3,6 Prozent.

Ein wesentlicher Trend sei auch die De-Dollarization, also die Abkehr vom US-Dollar als Weltwährung, meint Stöferle. "Die massiven Goldkäufe durch Notenbanken seitens der Russen, aber auch der Chinesen - wobei China da ein bisschen verdeckt agiert - zeigen, dass sich die Welt sukzessive vom US-Dollar emanzipiert." 2018 habe es die meisten Goldkäufe durch Notenanken seit dem Jahr 1971 gegeben. "Seit dem Ende von Bretton Woods haben Notenbanken noch nie so viel Gold gekauft, das waren mehr als 650 Tonnen Gold." Auch heuer werde es ähnlich aussehen. "Ungarn hat seine Goldbestände zuletzt verzehnfacht, auch Polen hat massiv zugekauft." Russland wolle sich durch Gold gegen seine Abhängigkeit vom Ölpreis und von Ölexporten absichern, und auch der Iran baue seine Goldbestände auf, um den US-Dollar als zentrale Verrechnungswährung zu umgehen.

Auch würde die Notenbanken ihre Goldbestände repatriieren. "Das haben wir bei den Holländern gesehen, das haben wir bei den Deutschen gesehen, zuletzt Rumänien und natürlich auch Österreich."

Stöferles Partner Mark Valek beim liechtensteinischen Vermögensverwalter Incrementum AG rechnet mit einem früheren Ende der monetären Straffung der US-Notenbank. "Die Normalisierung der Geldpolitik, von der lange Zeit gesprochen wurde, also die Rückführung der großen Zentralbank-Geldmengen, steht jetzt auf der Kippe", glaubt Valek. Der Aufschwung der US-Wirtschaft sei "auf Pump" erfolgt, "durch eine Schuldenpolitik sondergleichen". Das Budgetdefizit weite sich trotz Hochkonjunktur aus. Während die Budgetdefizite in der Eurozone 2018 in Summe 80 Mrd. Euro betragen hätten, hätten sich die USA allein im vergangenen Jahr um 800 Mrd. Dollar (714 Mrd. Euro) neu verschuldet.

"Je expansiver die Geldpolitik, desto besser das Umfeld für Gold", sagen die Goldexperten von Incrementum. "Wenn Gold die Widerstandszone bei 1.360 bis 1.380 US-Dollar durchbrechen kann, ist bist zur Veröffentlichung des nächsten "In Gold We Trust"-Reports im Mai 2020 ein Goldpreis von 1.500 Dollar denkbar." (apa/red)