Aluminium

AMAG findet keinen Übernahmekandidaten

Der oberösterreichische Aluminiumkonzern leidet zwar unter dem verfallenden Alu-Preis, will aber dennoch expandieren. Allein: "Es ist schwierig, etwas Passendes zu finden."

Aluminium Aluminiumindustrie AMAG Gerhard Falch

Der börsenotierte Aluminiumproduzent AMAG leidet umsatz- und ertragsmäßig weiterhin unter dem verfallenden Aluminiumpreis, würde aber gerne expandieren. "Wir schließen eine Akquisition ausdrücklich nicht aus. Es ist nur schwierig, etwas Passendes zu finden", sagte der scheidende CEO Gerhard Falch am Freitag in Wien mit Verweis auf die gut gefüllte Kassa des oberösterreichischen Unternehmens.

Der operative Cashflow der AMAG stieg 2013 um 4,1 Prozent auf 122,2 Millionen Euro. Die Investitionen in die Erweiterung des Werks am Stammsitz in Ranshofen (Oberösterreich) in Höhe von 125 Millionen Euro konnten damit fast zur Gänze abgedeckt werden. Heuer will die AMAG rund 110 Millionen Euro investieren, der Großteil davon wird wieder in das Walzwerk fließen, sagte Finanzvorstand Gerald Mayer bei der Bilanzpressekonferenz.

Noch kein Fund im höherwertigen Bereich

Puncto Übernahmen schaut sich die AMAG vor allem im "höherwertigen Bereich" - also Spezialprodukte - um, so Falch. "Wir könnten es uns ja leisten." Noch sind die Oberösterreicher aber nicht fündig geworden. Falch: "In der Vergangenheit hätten wir immer 50 Prozent nicht Passendes dazugekauft." In Kanada, wo die AMAG an einer Elektrolyse (Alouette) beteiligt ist, stehe die Entscheidung vor der Tür: "Kommt die dritte Phase der Alouette?"

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013 machten der AMAG weiterhin die im Schnitt um 8 Prozent auf 1.887 Dollar pro Tonne gesunkenen Aluminiumpreise zu schaffen. "Als wir begonnen haben, waren es 3.000 Dollar. Seit sieben Jahren haben wir einen volatilen Preis", so Mayer. Dem Verfall sieht sich die AMAG recht hilflos ausgeliefert, zumal heuer weniger produziert als gebraucht werde. Trotzdem ging der Aluminiumpreis auch in den ersten sieben Wochen 2014 weiter zurück. "Das ist eine spekulative Sache. Wir können's nicht nachvollziehen", so Falch.

"Prinzipiell vorsichtig optimistisch"

Prognosen traut der AMAG-Chef nicht, auch nicht jenen der Konjunkturforscher. Aufgrund des seit 2009 steigenden Verbrauchs von Primäraluminium und Alu-Walzprodukten ist er zwar für die Zukunft des Unternehmens prinzipiell vorsichtig optimistisch, trotzdem werde die AMAG heuer weniger verdienen. "Wenn der Primäraluminiumpreis so bleibt, können wir das Ergebnis nicht halten." Drei von vier Elektrolysen schreiben laut Falch bereits Verluste. Im Walzbereich hingegen sieht er bei den Margen die Talsohle durchschritten.

"Faktisch keine Verschuldung"

2013 bescherte der Preisdruck der AMAG einen Gewinneinbruch von 21 Prozent auf 56 Millionen Euro - trotz Absatzrekords (+2,2 Prozent auf 351.700 Tonnen) und Vollauslastung in allen Segmenten, vor allem im Walzenbereich (+4,2 Prozent auf 157.600 Tonnen). Der Umsatz schrumpfte um 4 Prozent auf 786,4 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 8 Prozent auf 122,8 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebit) ging um 13 Prozent auf 72,4 Millionen Euro zurück. Negativ aufs Ergebnis wirkte sich auch die Verteuerung der Rohmaterialien in Europa aus. "Die Schrottpreise sind gestiegen", so Mayer. Schuldenmäßig stehe die AMAG solide da. "Wir haben faktisch keine Verschuldung." Die Eigenkapitalquote betrug 2013 62,6 Prozent, die Nettofinanzverschuldung (Gearing) 8,6 Prozent. Diese werde 2014 aufgrund hoher Investitionen "etwas" ansteigen.

Exzellenter Auftragsstand

Die Zukunft sieht AMAG-Vorstand Helmut Kaufmann vor allem im Transportbereich. Schon jetzt liefern die Oberösterreicher Aluminiumteile für die Flugzeughersteller Boeing und Airbus sowie Gusslegierungen und Blechteile für deutsche und amerikanische Autobauer (u. a. GM, Audi, BMW). Für 2014 geht Falch von einer neuerlich "signifikanten" Mengensteigerung im Segment Walzen aus. "Wir haben einen exzellenten Auftragsstand." Der Werksausbau in Ranshofen sei voll im Termin- und Kostenplan. In den Segmenten Metall und Gießen hingegen "arbeiten wir seit Jahren an der Kapazitätsgrenze", wie Kaufmann ausführte. In Kanada stieg der Absatz 2013 nicht so stark wie erwartet, zu schulden war das witterungsbedingten Instabilitäten im Stromnetz.

Börsianer waren ob der AMAG-Ergebnisse wenig erfreut; die Aussicht auf eine stabile Dividende von 60 Cent vermochte sie nicht gnädig zu stimmen. Die Aktie gab bis zum frühen Nachmittag um 3,25 Prozent nach.

AMAG-Boss Falch verabschiedet sich übrigens nicht ganz von seinem Unternehmen. Er lässt sich im April in den Aufsichtsrat wählen, wo er einer von mehreren Stellvertretern wird. "Eine Cooling-Down-Phase braucht man nur für den Vorsitz", meinte er zum fliegenden Wechsel ins Kontrollgremium. Falch wird heuer 66 Jahre alt. "Da ist es Zeit, dass man auch mal Ruhe gibt." Sein Nachfolger wird ab April wie bekannt Helmut Wieser. (APA)