Kommentar

Alles, nur nicht fad

Die Diskussion um das Physical Internet zählt zum Spannendsten, das die Logistik derzeit bietet.

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Logistik Logistik Kommentar Meinung

Die Grundlagenforschung umweht ein unverdienter Hauch von Fadesse. Vor allem in Österreich muss sie sich immer wieder rechtfertigen. Weil: Kann man sich davon was kaufen? Eben. Und Logistiker stehen ohnehin nicht im Ruf, mit ihren Themen Partys aufzumischen. Eher, die Säle leerzuspielen. Und dann so etwas. Treffen einander lauter Logistiker und entwerfen mit Physical Internet eine faszinierende Vision, die nicht nur ihre eigene Branche radikal veränderte. Reden über Ökologie, über Online, über soziale Implikationen. Diskutieren mit der Industrie und erklären ihr, was alles demnächst so nicht mehr funktionieren wird. 

Im Unterschied zum Marketing werden in der Logistik nicht alle paar Monate neue Säue durchs Dorf getrieben. Und die Vision vom Physical Internet wirkt trotz zahlreicher ungeklärter Punkte attraktiv. Die Argumentation des amerikanischen Logistikprofessors Rod Franklin – dass zahlreiche Entwicklungen das Physical Internet längst antizipieren – scheint überzeugend. 

Dass die ebenso überzeugenden Gegenargumente aus der Industrie Antworten finden können, müssen die Proponenten allerdings noch beweisen. Österreichs Logistiker treten in der Diskussion übrigens deutlich bescheidener auf als mancher Guru aus Übersee. Was ihren exzellenten internationalen Ruf vielleicht eher befördert als hemmt. Wie auch die Gabe, Grundlagenforschung schnell um angewandte Industrieforschung zu erweitern.

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"Ich kann nicht versprechen, dass das, was wir 2050 sehen werden, unserer heutigen Vision entspricht", sagt Rod Franklin. "Aber ich versichere Ihnen, wenn wir heute keine Vision formulieren, dann werden wir 2050 keinen Schritt weiter sein." Geschieht ja eh. Und ist alles, nur nicht fad.