Chemische Industrie

Alleingang von Syngenta "kaum möglich"

Der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta ist derzeit auf der Suche nach einem Partner, um dem enormen Druck der Geldgeber zu entgehen. Die Schweizer reden auch mit dem chinesischen Konzern ChemChina.

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Unter dem Druck der Anleger will sich der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta in die Arme eines anderen Unternehmens flüchten. "Entsprechend dem, was die Aktionäre in Bezug auf die nächsten zwölf Monate erwarten, ist ein Alleingang kaum möglich", sagte Verwaltungsratspräsident Michel Demare der Zeitung "Finanz und Wirtschaft" in einem am Dienstag veröffentlichten Interview.

Syngenta führe Gespräche mit der chinesischen China National Chemical Corp (ChemChina), der amerikanischen Monsanto und weiteren Anbietern. Es liege derzeit keine Offerte auf dem Tisch, aber Syngenta befinde sich in fortgeschrittenen, formellen und intensiven Verhandlungen. "Die Dinge bewegen sich, es kann jederzeit etwas passieren", sagte Demare.

Noch im Sommer hatte Demare mehrere Übernahmeversuche von Monsanto abgeblockt und die Aktie damit auf Talfahrt geschickt. Das stieß vielen Anlegern sauer auf. Nun macht Demare auch noch die schwache Branchenkonjunktur einen Strich durch die Rechnung, sodass die Anleger hinsichtlich des Aktienkurses 2016 nicht viel erwarten können, wie er in dem Interview warnte. "Das nächste Jahr wird erneut schwierig, weil die Rohwarenpreise niedrig sind und die Bauern wenig investieren."

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Dabei kommen Syngenta zunehmend die möglichen Bräute abhanden. Kürzlich kündigten Dow Chemical und DuPont die größte Chemiefusion aller Zeiten an. Damit entsteht auch in der Agrarchemie ein neuer Branchenriese. "Wenn sich unsere Konkurrenten zusammenschließen und wir außen vor bleiben, dann steigt der Druck auf uns", sagte Demare. Er wollte sich nicht zu den Verhandlungen mit ChemChina äußern, ergänzte aber: "Unter der Annahme, dass ChemChina eine unserer Optionen ist, gibt es schon recht signifikantes Potenzial." China brauche Ernährungssicherheit und Technologie, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. "Wir betrachten ChemChina mit gleicher Seriosität wie Monsanto, Bayer oder BASF."

Demare signalisierte, dass ein Übernahmeangebot von 470 Franken je Aktie näher an seinen Vorstellungen liege als die von Monsanto offerierten 449 Franken. "Zuerst müssen wir uns über den Wert und die Prinzipien des Deals einigen. Das sollte in einigen Wochen möglich sein", sagte er in dem Interview. "Danach müssen wir uns über die Details einigen. Das kann Monate dauern."