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Afrikas Silicon Valley: Österreichs Manager fahren ins Silicon Savannah

Afrikas Start-up-Szene boomt, vor allem im Großraum Nairobi. Für Manager aus Österreich wird heuer im Herbst eine Informationsreise dorthin organisiert.

Die Start-up-Szene in Afrika boomt. Im Großraum Nairobi entwickeln derzeit 500 junge Technologie-Unternehmen innovative Apps, Produkte und Services. Laut einem Report der Risikokapitalfirma Partech Ventures wurden 2016 mehr als 366,8 Mio. US-Dollar (322,2 Mio. Euro) in diese Firmen investiert, um 90 Mio. US-Dollar mehr als im Vorjahr. Die Weltbank registrierte im Juni 2016 173 neue Start-ups.

Die Anleger-Hotspots Nigeria (29,8 Prozent), Südafrika (26,4 Prozent) und Kenia (25,3 Prozent) konnten gemeinsam 81,5 Prozent der Gesamtinvestitionen für sich beanspruchen, so der Funding Report 2016 des südafrikanischen Start-up-Portals 'Disrupt Africa'. 36,6 Prozent der Investitionssumme gingen an Start-ups im Bereich der Off-Grid-Technologie, die Regionen abseits der bestehenden Netze mit Energie versorgen. 19 Prozent gingen an den Bereich Finanztechnologie, 16,5 Prozent an Unternehmen, die sich mit dem digitalen Handel beschäftigen.

Deals in einer Höhe von 200 Mio. US-Dollar und darüber hinaus wurden bei dem Report nicht berücksichtigt. So zum Beispiel das Start-up Jumia Group, in das 327 Mio. US-Dollar investiert wurden und das als "Unicorn" gilt. Übrigens: Als "Unicorn" werden Start-ups bezeichnet, die mit mehr als 1 Mrd. US-Dollar bewertet sind.

Die Start-up-Szene in Afrika strotzt vor Vielfalt: 2007 wurde die erste mobile Bank (M-Pesa) von zwei Mobilfunkanbietern in Kenia gegründet. Inzwischen ist sie Weltmarktführer. Auch das Mobile Money kommt ursprünglich aus Afrika. Unternehmen wie E-Cow, eine "virtuelle Hebamme", die hilft Rinderherden zu vergrößern, und M-Farm, ein Start-up das Bauern vernetzt und Zwischenhändler ausschließt, sind eine große Hilfe in der Landwirtschaft. Bei politischen Krisen unterstützt Ushadhidi, ein digitales "Protestmanagement Werkzeug".

Im Bereich der Bildung gibt es zum Beispiel die Lernplattform ENEZA, die derzeit von 2 Mio. Schülerinnen und Schüler genutzt wird. Im Bereich der Off-Grid-Technologie ist Brck tätig, das Laptop-Klassen baut und auch internationale Steppenregionen mit Internet ausstattet. Das kenianische Unternehmen M-Kopa verkauft Solaranlagen im Paket mit Fernsehgeräten. Und das sind nur wenige Beispiele für die erfolgreichen Entwicklungen Afrikas.

Um diese Start-ups kennenzulernen, ist von österreichischen Managern eine Informationsreise ins Silicon Savannah für Herbst 2017 geplant. Die Reise soll als Inspirationsquelle und Vernetzungsplattform in den Bereichen Infrastruktur, Mobile Money, Gesundheit, Energie und Ausbildung für die teilnehmenden CEO, CIO, Investoren und Innovationsmanager dienen.

Trotz der Krisen und Umweltkatastrophen ist Afrika der Kontinent mit dem größten Wirtschaftswachstum. Laut dem Afrika-Wirtschaftsexperten Hans Stoisser, Geschäftsführer von ECOTEC, hat sich das BIP in Subsahara-Afrika in den vergangenen 15 Jahren verdreifacht und das Pro-Kopf-Einkommen verdoppelt. In den 90er-Jahren ist die Zahl der Armen in Afrika von 57 Prozent auf 35 Prozent der Gesamtbevölkerung gesunken. Trotz des Bevölkerungswachstums kann man auch in absoluten Zahlen einen Rückgang der in Armut lebender Bevölkerung erkennen. (apa/red)