Autoindustrie

Abgasskandal ist nahe an Opel herangerückt

Lange stand der Autobauer nicht im Mittelpunkt des Abgasskandals. Jetzt suchen Ermittler an Standorten von Opel die mögliche Verwendung sogenannter Defeat Devices. Es könnte zu einem Rückruf von 100.000 Fahrzeugen kommen.

Auch der Autobauer Opel steht jetzt im konkreten Verdacht, die Abgase bei Dieselfahrzeugen mit einer Software-Funktion manipuliert zu haben. Diese Woche haben Ermittler Geschäftsräume des im Vorjahr vom französischen PSA-Konzern übernommenen Unternehmens in Rüsselsheim und Kaiserslautern durchsucht.

Razzien auch bei VW und BMW

Zuvor hatte es schon ähnliche Razzien bei Marken des VW-Konzerns und bei BMW gegeben - mit einem Schwerpunkt auf verdächtigen Abweichungen von Abgaswerten zwischen Messungen auf Prüfständen und im Straßenbetrieb.

Laut "bild.de" geht es im Fall Opel um rund 95.000 Euro-6-Dieselwagen der Modelle Insignia, Zafira und Cascada aus den Baujahren 2012 bis 2017. Die Ermittler hegen einen Anfangsverdacht des Betruges, weil Opel möglicherweise Dieselfahrzeuge mit manipulierter Abgas-Software in den Verkehr gebracht habe, wie die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen erklärte. Die Fahrzeuge haben demnach die zusätzliche Reinigung bei hohen Drehzahlen und in einem breiten Bereich von Außentemperaturen abgeschaltet.

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Opel hatte die Technik stets verteidigt, weil sie notwendig für den Schutz von Motorbauteilen sei.

Kraftfahrt-Bundesamt prüft Rückrufe

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) will für den Autobauer einen Rückruf von rund 100.000 Diesel-Fahrzeugen anordnen. Der amtliche Rückruf stehe "kurz bevor", so das Verkehrsministerium in Berlin.

Das KBA habe Ende 2015 bei Opel Abschalteinrichtungen gefunden, bei denen das Ministerium von Anfang an Zweifel zur Zulässigkeit hatte, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Das KBA habe für die vier damals bekannten Abschalteinrichtungen Anfang 2016 eine freiwillige Servicemaßnahme mit Software-Updates angeordnet.

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PSA-Chef Carlos Tavares: Hardware-Nachrüstungen nicht sinnvoll

Die Fahrzeuge sind schon länger Gegenstand von Prüfungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), auf dessen Strafanzeige die aktuellen Durchsuchungen zurückgehen sollen. Im Jahr 2017 hatte die Staatsanwaltschaft ein erstes Ermittlungsverfahren eingestellt. Damals sei es um andere Autos und Vorwürfe gegangen, sagte Niesen.

Opel hatte Autobesitzern freiwillige Software-Updates angeboten, dazu aber keine Fallzahlen genannt. Die von der deutschen Regierung geforderten Hardware-Nachrüstungen lehnt das Unternehmen bisher ab, weil diese "ökonomisch nicht sinnvoll und technologisch nicht ausgereift" seien. "Wir glauben nicht, dass Nachrüstungen funktionieren", hatte der Chef des Opel-Mutterkonzerns PSA, Carlos Tavares, auf der Pariser Automesse erklärt.

Opel besteht auf korrektem Verhalten

Trotz der laufenden Betrugsermittlungen beharrt Opel darauf, dass die Fahrzeuge den geltenden Vorschriften entsprechen. Das Unternehmen bestätigte staatsanwaltschaftliche Untersuchungen, wollte sich zu den Details aber nicht äußern. Man kooperiere im vollen Umfang mit den Behörden, hieß es nur. Die Ermittler wollen nun zunächst die Unterlagen auswerten, um dann möglicherweise mit Vernehmungen fortzufahren.

Beamte des hessischen Landeskriminalamtes und der Polizei durchsuchten im Auftrag der Frankfurter Staatsanwaltschaft Geschäftsräume des Autobauers. Im Juli hatte das Verkehrsministerium in Berlin "eine amtliche Anhörung gegen Opel" wegen drei Fahrzeugmodellen bestätigt. Grund: Auch hier bestehe der Verdacht von Software-Manipulationen bei der Abgasreinigung.

Autoindustrie: Anschalteinrichtungen für den Schutz des Motors notwendig

Autobauer begründen Anschalteinrichtungen mit dem sogenannten Motorschutz vor allem bei Kälte oder Hitze. Bei vielen Modellen gibt es aber Zweifel daran, ob dies wirklich notwendig ist. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen Diesel mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Da Luft-Grenzwerte in vielen Städten überschritten sind, drohen Fahrverbote für Dieselwagen. In Hamburg gibt es sie bereits auf zwei Streckenabschnitten; in Stuttgart, Frankfurt und Berlin stehen Verbote bevor.

Im Kern geht es um die Frage, wie wirksam die Abgasreinigung bei bestimmten Fahrzeugen ist, in welchen Bereichen diese voll zum Einsatz kommt und ob sie damit zulässig ist. Bei Autos mit auffälligen Emissionen hatte das KBA 2016 Nachbesserungen angeordnet. Betroffen waren insgesamt 630.000 Wagen verschiedener Hersteller - darunter 90.000 von Opel. Dabei handelt es sich nach Angaben des Unternehmens um Fahrzeuge der Modelle Zafira Tourer, Insignia und Cascada, die bis Sommer 2016 produziert wurden. (dpa/apa/red)

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