Antriebstechnik

ABB-Präsident Voser: "Wir werden Re-Industrialisierung sehen"

Der ABB-Präsident sagt Europa eine gewisse Re-Industrialisierung in Europa voraus. Diese Entwicklungen würden Arbeitsplätze bringen, sagte er der "NZZ am Sonntag".

ABB Antriebstechnik Industrieelektronik Peter Voser

"Aber das werden nicht mehr die traditionellen Industriejobs in der Fertigung sein", sagte Voser. Es werde zum Beispiel sehr wichtig werden, Roboter zu programmieren. Das vergrößere den Druck auf die Bildungssysteme. "Wir müssen die Arbeitnehmer umschulen." 

Weiter äußerte sich Voser zu den Gerüchten, ABB plane einen Verkauf der Geschäftseinheit Prozessautomation. "Ich bin immer wieder überrascht, was man so alles liest. Natürlich machen wir uns immer strategische Gedanken. Aber wir sind jetzt sehr gut aufgestellt. Mehr sage ich nicht dazu."

Voser tritt zudem der Behauptung entgegen, mit der geplanten Abspaltung des Turbocharging-Geschäfts werde der Industriestandort Schweiz geschwächt. Die ABB-Sparte habe den Hauptsitz in der Schweiz und beschäftige 800 Mitarbeitende im Land. "Das wird so bleiben, ob wir es nun verkaufen oder an die Börse bringen", betonte Voser.

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Der ABB-Präsident äußerte sich auch zum Tagesgeschäft und den "unvermeidlichen" Engpässen in den Lieferketten. "Es gibt ja nicht nur Knappheit bei den Chips, sondern auch bei chemischen Produkten und in der Logistik, wo es zum Beispiel an Containern fehlt."

ABB beschäftige das Thema - wie erwartet - im dritten Quartal stärker als noch im zweiten Jahresviertel. Den größte Effekt spüre ABB im Geschäft mit Robotern. "Dort brauchen wir viele Chips", sagte Voser.

Im Juli hob ABB nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal die Prognose an. Der Gewinn schnellte im zweiten Quartal 2021 um 136 Prozent auf 752 Mio. Dollar (638,8 Mio. Euro) Dollar hoch. Bisher hatte das Management einen Anstieg um mindestens 5 Prozent in Aussicht gestellt. Die operative Marge dürfte stark zulegen. Konzernchef Björn Rosengren will das Unternehmen auf Rendite trimmen. Er hatte den einzelnen Geschäften auf Kosten der Konzernzentrale mehr Eigenverantwortung übertragen. Gleichzeitig machte der Schwede seinen Managern klar, dass sie auch kurzfristig an den Margen gemessen würden, wie ein Insider sagte. Entsprechend setzten sie auf Effizienzsteigerungen und drehten an der Kostenschraube. 

Rosengren zeigte sich sich damals zuversichtlich, was die Devestitionen angeht. "Wir haben gute Fortschritte bei den angekündigten Portfolioveränderungen erzielt", so der CEO. "Ich gehe davon aus, dass wir im dritten Quartal eine Vereinbarung über eine Veräußerung bekanntgeben können."

Außerdem freue es ihn, dass die verstärkte Ausrichtung auf akquisitorisches Wachstum Früchte trage, meinte er mit Blick auf die Übernahme von Asti. Er erwartet mehr solcher kleinen bis mittleren Ergänzungsakquisitionen, sobald die Divisionen ihre Übernahme-Pipelines ausgebaut haben.

(APA)