A-Tec-Pleite: Insolvenzverfahren über AE&E-Group eröffnet

Die Sanierungsbemühungen um die angeschlagene A-Tec-Anlagentochter AE&E sind gescheitert. Das Handelsgericht Wien hat am Mittwochnachmittag das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die AE&E Group eröffnet, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) am Nachmittag mit. Die Passiva belaufen sich auf 558 Millionen Euro. 355 Millionen Euro davon entfallen auf Haftungen und rund 169 Millionen Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber verbundene Unternehmen. Die Bankforderungen betragen rund 4 Millionen Euro.

Anlagenbau Andritz Finanzierung Top-250 Unternehmen

Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Stephan Riel bestellt. Der Insolvenzverwalter werde überprüfen, ob der Fortbetrieb des Unternehmens keine offensichtliche Gefahr eines weiteren Ausfalls für die Gläubiger darstelle, schreibt der KSV. Die Entscheidung über die Annahme des angebotenen 20 %-igen Sanierungsplanes liege bei den betroffenen Gläubigern. Die gerichtliche Anmeldefrist endet mit 2. Februar 2011. Gläubigerversammlung, Berichts- und Prüfungstagsatzung sowie die Sanierungsplantagsatzung wurden für den 16. Februar 2011 anberaumt.

Mindestquote Die AE&E-Group bietet ihren Gläubigern mit 20 Prozent, zahlbar innerhalb von 2 Jahren, nur die gesetzliche Mindestquote an. Diese soll durch den Verkauf von Beteiligungen finanziert werden, so der Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870). Betroffen von dem Verfahren sind 128 Gläubiger und 52 Dienstnehmer. Die AE&E Group mit rund 50 Mitarbeitern ist die Dachgesellschaft für alle operativen AE&E-Töchter, die nicht insolvent sind und um die noch gerungen wird, so Gläubiger-Sprecher Hans-Georg Kantner vor der heutigen Gläubigerausschusssitzung. Die Lieferantenforderungen belaufen sich auf 1,2 Mio. Euro. Den Verbindlichkeiten stehen Aktiva von 137 Mio. Euro gegenüber, teilte der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) der APA mit.  Australisches Verlustprojekt  Ausgangspunkt der aktuellen wirtschaftlichen Situation der AE&E Gruppe sei vor allem die Verlustfinanzierung einiger Problemprojekte, allen voran das Projekt Worsley in Australien, aber auch der sehr schwache Auftragseingang der Gruppe in den vergangenen Quartalen. Nach letzten hektischen Beratungen schien schon am späten Dienstagnachmittag ein Insovenzantrag über AE&E "unausweichlich", hieß es von Gläubigerseite zur APA. Für den österreichischen, vornehmlich steirischen Teil des angeschlagenen Anlagenbauers - die operative Tochter in Raaba, AE&E Austria Gmbh& Co.KG - stünde die steirische Andritz Gruppe bereit. Die Verhandlungen dazu sollen mittlerweile weit gediehen sein. Selbst um juristische Details einer technischen Abwicklung der Zerschlagung werde bereits gerungen. Verhandlungen gescheitert Die Verhandlungen der vergangenen Wochen zwischen den Banken und dem A-Tec-Gläubigerausschuss zur Fortführung der AE&E Gruppe konnten nach anfänglicher positiver Entwicklung zu keinem umsetzbaren Ergebnis geführt werden. Auch die intensiven, kurzfristigen Verhandlungen zur mehrheitlichen Übernahme der AE&E Gruppe durch einen strategischen bzw. Finanzinvestor waren letztendlich nicht erfolgreich.Geschäftsführung bedauert EntwicklungenDie Geschäftsführung bedauert die aktuellen Entwicklungen sehr, da sich alle involvierten Parteien in den vergangenen Wochen intensiv bemüht haben, eine Fortführung der AE&E Gruppe zu sichern. Die AE&E Group GmbH werde ab sofort von einem Sanierungsverwalter geführt, wobei dieser vom bisherigen Management Board nachhaltig unterstützt wird. Andritz will übernehmen

Für die Schweizer Aktiväten (Von Roll Inova/Abfallverwertungsanlagen) wurde gestern eine Gruppe um die Investoren Stumpf und Pecik ins Gespräch gebracht. A-Tec-Sanierungsverwalter Matthias Schmidt hat für heute Mittwoch eine Sitzung anberaumt, berichtet das "WirtschaftsBlatt" in seiner Online-Ausgabe. Die Zeitung berichtet, dass der Grazer Technologiekonzern Andritz 1.200 AE&E-Mitarbeiter am steirischen Standort Raaba übernehmen wolle. Die Steirer sind dem Vernehmen nach allerdings nicht an der gesamten AE&E, sondern nur an einzelne Sparten wie etwa an dem Kessel-, oder Umwelt/Müllverbrennungsbereich interessiert. Die Andritz-Kriegskasse ist jedenfalls mit einem Nettocash von rund einer Milliarde gut gefüllt. Ein Andritz-Sprecher wollte sich am Dienstag gegenüber der APA nicht dazu äußern. (APA/red)

Verwandte tecfindr-Einträge