Mobilfunkstandard

5G und die Erwartungen der Industrie: Die acht wichtigsten Antworten

Für die Industrie spielt das ultraschnelle Internet eine zentrale Rolle. Warum aber gilt 5G für die Digitalisierung der Herstellung als unverzichtbar? Welche Frequenzen wurden bisher in Österreich versteigert? Und warum gibt es bei 5G gar nicht ein Netz für alle - sondern viele virtuelle Netze? Hier die wichtigsten Antworten einfach erklärt.

Alle reden über 5G. Wirklich davon profitieren werden aber nicht private Handynutzer, sondern vor allem die Wirtschaft. Besonders für die Industrie spielt das ultraschnelle Internet eine zentrale Rolle, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei geht es unter anderem um kurze Verzögerungen bei der Steuerung von Robotern in Fabriken. Folgend dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

(1) Was ist 5G überhaupt?

5G bezeichnet die fünfte Mobilfunkgeneration. Die bisherigen waren das analoge mobile Telefonieren sowie die Digitalstandards GSM, UMTS und LTE. 5G kann die Daten rund hundert Mal schneller transportieren als das aktuelle LTE (4G). Der neue Standard verspricht aber auch kürzere Laufzeiten der Daten (Latenz). Außerdem können in einer 5G-Funkzelle viel mehr Geräte bedient werden als bei den älteren Standards.

Mit 5G können Geräte bis auf einen Meter genau geortet werden. Die 5G-Architektur kann sich intelligent an den jeweiligen Erfordernissen der Geräte im Netz ausrichten. So kann ein 5G-Netz zum Beispiel in einer Fertigungshalle besonders viele Dinge und Maschinen miteinander verbinden, in einer anderen Situation hohe Bandbreiten etwa für die Wiedergabe hochauflösender Videos zur Verfügung stellen oder aber auf Straßen ein besonders schnelles und zuverlässiges Netz mit kurzen Latenzen zur Verkehrssteuerung bieten.

White Paper zum Thema

(2) Welche Frequenzen wurden in Österreich heuer versteigert?

Bei der Versteigerung der Frequenzen 3,4 bis 3,8 GHz, die am 7. März 2019 zu Ende ging, hat der österreichische Staat rund 188 Mio. Euro erlöst. Mit diesen Frequenzen können die Mobilfunker in den Städten hohe Bandbreiten anbieten, andererseits könnten regionale Anbieter Breitbandkunden in Randlagen versorgen. Die ersten Vorbereitungen für die Auktion der nächsten Frequenzbänder - 700, 1.500 und 2.100 MHz ("Multibandvergabe 2020") - haben bereits begonnen.

(3) Warum sind kurze Laufzeiten in 5G relevant?

Die Daten können über 5G fast in Echtzeit übermittelt werden, die Latenzzeit kann unter einer Millisekunde liegen und darf höchstens zehn Millisekunden betragen. Das macht das Netz zum Beispiel attraktiv für den Betrieb ferngesteuerter Fahrzeuge und Präzisions-Roboter. Auch Telemedizin-Anwendungen, zum Beispiel eine Operation aus der Ferne, sind nur mit einer geringen Latenz möglich.

(4) Wie kann 5G die unterschiedlichen Anforderungen bedienen?

Bei 5G gibt es nicht ein Netz für alle, sondern viele virtuelle Netze, die bestimmte Anforderungen erfüllen. Dieses Prinzip nennt man Network-Slicing. Manche Anwendungen verlangen möglichst große Datenübertragungsraten, andere haben nur kleine Datenmengen zu übertragen, die aber mit möglichst geringer zeitlicher Verzögerung ankommen müssen, beispielsweise bei der Steuerung einer Drohnensteuerung, Robotersteuerungen in Fabriken oder der Vernetzung selbstfahrender Fahrzeuge. In der Logistik wird dagegen eine möglichst stromsparende Anbindung von unzähligen Gegenständen an das Internet der Dinge gewünscht. Für etliche Anwendungsszenarien gibt es also einen Slice (engl. Scheibe oder Stück).

(5) Wer profitiert von 5G?

Zunächst werden vor allem Unternehmen profitieren, die den neuen Standard zum Beispiel in ihrer Fertigungshalle oder in einem Fuhrpark für das Internet der Dinge nutzen. Für die Industrie 4.0 gilt 5G als unverzichtbar. Auch intelligente Verkehrsleitsysteme sind in Planung, bei denen sich etwa die Ampelschaltung am tatsächlichen Verkehrsaufkommen orientiert. Zudem wird der Einsatz von 5G für den Betrieb autonomer Fahrzeuge getestet.

(6) Was hat der private Nutzer davon?

Erst kürzlich haben zahlreiche Hersteller neue Smartphones angekündigt, die bereits den 5G-Standard unterstützen. Doch wann die ersten Käufer davon einen Vorteil haben werden, ist offen. Noch gibt es keine buchbaren Tarife der Mobilfunk-Provider für den neuen Standard. Vorteile dürfte 5G privaten Nutzern überall dort bringen, wo viele Menschen zusammenkommen und gleichzeitig online sein wollen. So eignet sich 5G zum Beispiel ideal dafür, auf einem Open-Air-Konzert oder bei einem Fußballspiel im Stadion keinen Besucher mehr netztechnisch im Regen stehen zu lassen.

(7) Löst 5G die 4G-Netze ab?

Nein, LTE ist eine wesentliche Grundlage von 5G. Die Mobilfunkbetreiber bauen die 4G-Netze auch weiterhin massiv aus. Für viele Anforderungen dürfte sogar LTE völlig ausreichen - zum Beispiel beim Streaming von Videos. Das meinen zumindest die Provider. Im einfachen Betrieb kommt LTE auf eine Bandbreite bis zu 150 Megabit pro Sekunde, in manchen Städten sind heute bereits bis zu 300 Mbit/s möglich. Das bereits seit 2016 gebaute LTE Advanced Pro (4,5G) soll dann sogar Geschwindigkeiten bis einem Gigabit pro Sekunde liefern. Selbst große Videodateien ließen sich damit in Sekundenschnelle herunterladen. Allerdings sind viele LTE-Netze nicht in der Lage, die theoretisch möglichen Höchstgeschwindigkeiten auch in der Praxis zu liefern. Bei 5G soll die bei den Nutzern tatsächlich ankommende durchschnittliche Datenübertragungsrate im Vergleich zu LTE viel höher sein.

(8) Wird es künftig 5G flächendeckend geben?

Vorerst wohl kaum - und nach Einschätzung von Experten ist das auch nicht notwendig, weil die besonders hohen Bandbreiten und die kurze Latenzzeit vor allem von Unternehmen benötigt werden und in spärlich bewohnten Gebieten für bloße Telefonie oder einfache Internet-Anwendungen nicht gebraucht werden. Auch autonome Fahrzeuge werden zwar für den Datenaustausch auf 5G zurückgreifen, aber nicht darauf angewiesen sein, sondern sich auf die eigene Sensorik verlassen. (dpa/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge