Management

5 Thesen zur Digitalisierung der Industrie

Industrie 4.0 erreicht die Management-Boards heimischer Unternehmen. Aber wie bestehen Führungskräfte den Bewährungstest? Fünf Thesen.

Die vierte industrielle Revolution stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Sie sind so etwas wie Vorreiter in ihrer Branche: Getreu dem Leitsatz "Dienstleistung vor Produkt" hat sich das Salzburger Unternehmen Hagleitner vom Anbieter von Handtuchspendern zum Lösungspartner im Sanitärbereich gewandelt. Intelligente Spender beim Kunden übermitteln in Echtzeit ihren Füllstand an die Software in der Salzburger Hagleitner-Zentrale – und sorgen dafür, dass die Handtücher rechtzeitig ausgeliefert werden. Sensoren steuern die gesamte Logistik und spielen die Daten in die Rechnerwolke ein.

Ein prozesstechnisches Husarenstück, wie auch Oliver Loisel, Managing Partner bei ATLAS, findet: "Immer öfter kommt die Vernetzung von Technologien und Geschäftsprozessen mithilfe der IT in unserer Wirklichkeit an", beobachtet der Experte. Auch selbst war der in Wien ansässige Spezialist für Prozess- Consulting und -Design sowie Softwareentwicklung mit Niederlassungen in Deutschland und Dubai nicht untätig: Als Bereitsteller von Interim Management und Industrie 4.0-Lösungen war ATLAS von Start weg an der Ausgestaltung des großen Zukunftsentwurfs Industrie 4.0 beteiligt – unter anderem mit einer eigenen Car-2-Cloud-Software. Im Gespräch mit INDUSTRIEMAGAZIN legen Oliver Loisel und Gert Keuschnigg, Gründungsgesellschafter von ATLAS, ihre Kernthesen zu den Auswirkungen der vierten industriellen Revolution dar.

1: Supply-Chain-Management ist Schlüsselfaktor

Warum effizientes Lieferketten­management zur wichtigsten Größe der vollvernetzten Wirtschaft wird.

White Paper zum Thema

Es ist ein rauer Wind, der Supply-Chain-Management(SCM)-Leitern derzeit um die Nase weht: Ständig abnehmende Prognostizierbarkeit durch immer stärker fragmentierte Absatzkanäle, kürzere Produktlebenszyklen bei rasant wachsender interner Komplexität infolge steigender Variantenvielfalt und der Trend zur Losgröße 1 auf bestimmten Kundenwunsch beschreiben das Bild. Eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. Somit kann der zentrale Ausgangspunkt von Industrie 4.0 in Unternehmen in der Produktion gesehen werden, ausgelöst durch die Kundennachfrage, die sich durch alle Unternehmensprozesse zieht.
Je stärker Unternehmen den Leitsätzen der Prozessautomatisierung zugunsten einer größeren Flexibilität auf volatilen Absatzmärkten folgen müssen, desto größer wird naturgemäß auch der Komplexitätsgrad. Das muss jene, die bereits ein IT-gestütztes Lieferkettenmanagement betreiben und den Schritt zur system- und organisationsübergreifenden Industrie 4.0 nicht verpassen wollen, nicht sorgen
– sie sind längst auf gutem Weg: "Für Unternehmen, die bereits State of the Art SCM betreiben, ist Industrie 4.0 alter Wein in neuen Schläuchen", nimmt Oliver Loisel, Managing Partner bei ATLAS, dem Thema etwas von seinem hartnäckig anhaftenden Mythos. Immerhin wurde der unmittelbare Austausch von Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bereits vor mehr als 15 Jahren als wichtigste Zielgröße von SCM definiert – und einige Unternehmen haben seither nachweislich ihre Hausaufgaben gemacht: Der Automobilzulieferer Bosch gestaltet seine Wertströme seit Jahren nahezu verschwendungsfrei – dank elektronischer Plattform sogar unternehmensübergreifend. Fakt ist: Die Zahl extrem verzahnter, digitaler Lösungen wird dank Industrie 4.0 weiter zunehmen "als Antwort auf die steigende Komplexität, aber auch, um die Grundlage für künftig neue Geschäftsmodelle zu schaffen", sagt Loisel.

2: Unternehmen sind intellektuell gefordert

Wieso die Auseinandersetzung mit Industrie 4.0 nicht technologisch, sondern intellektuell geführt werden muss. 

Die gute Nachricht: Selbst tief in wertschöpfenden Liefer- und Leistungsverflechtungen verwurzelte Informationen können heute in digitalisierter Form jederzeit verfügbar gemacht werden. Die Verzahnung dieser nunmehr zugänglichen Daten setzt fast reflexhaft neues kreatives Potenzial in den Unternehmen frei. Österreich ist zudem in einer hervorragenden Ausgangsposition: "Aufgrund seiner Industriestruktur hat das Land beste Voraussetzungen für Industrie 4.0", kommentiert Christian Helmenstein, Vorstandsmitglied des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung. In sechs von sieben Schlüsseltechnologien – darunter Big Data oder Cyber Security – weisen die Bundesländer Top-Platzierungen in europaweiten Erfinderrankings auf. Doch Experten mahnen zur Weitsicht. "Der Charme von Big Data in und mit Industrie 4.0 liegt nicht darin, so viele Daten wie möglich zu sammeln", streicht ATLAS-Managing- Partner Gert Keuschnigg hervor. Vielmehr gehe es darum, die entscheidenden Daten "sehr selektiv miteinander zu verknüpfen." Eine vorderhand intellektuelle Herausforderung, die nach Fokussierung verlangt. Ein Grundsatz, den der 2001 gegründete Interim-Management-Pionier und mit 2009 um Consulting und Softwareentwicklung erweiterten ATLAS bei einem Automotive-Projekt zur effizienteren Nutzung von Elektrofahrzeugen strikt befolgte: Sämtliche in Echtzeit erhobene Parameter wie Fahrzeugzustand oder Fahrerverhalten können nutzbringend im Flottenmanagement einfließen und so zu Energieeinsatz-Minimierungen führen.

Verwandte tecfindr-Einträge