VW-Skandal 02.03.2016 09:07

US-Behörden fordern von Volkswagen 46 Milliarden Dollar

Noch diese Woche ist ein neues Treffen zwischen VW und US-Behörden angesetzt. Trotz der Milliardenforderung aus Washington sagt Konzernchef Müller, es sei wichtig, "dass die Amerikaner nicht die Absicht haben, Volkswagen zu ruinieren".

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Im Abgas-Skandal treffen VW-Offizielle am Donnerstag erneut Vertreter von US-Behörden. In einem Gespräch wollten beide Seiten nach einer Lösung für Autos mit manipulierten Dieselmotoren suchen, sagte VW-Chef Matthias Müller anlässlich des Autosalons in Genf. Dabei seien beide Seiten daran interessiert, eine Lösung für alle betroffenen Marken zusammen zu finden. "Das wollen die auch", sagte Müller mit Blick auf die US-Behörden.
 
In den USA sind etwa 580.000 Autos der Konzernmarken VW, Audi und Porsche mit einer verbotenen Software ausgestattet, die Abgaswerte auf dem Prüfstand herunterregelt. Weltweit sind es elf Millionen. In den USA, wo der Skandal aufflog, drohen dem Konzern aber die größten Strafzahlungen.

 

"Respekt und Zuversicht" im Hinblick auf das Jahr 2016

 

"Wir können mit Respekt, aber auch Zuversicht auf das Jahr 2016 blicken", sagte Müller. Die enorm hohen Kosten für Rückrufe und Rechtsstreitigkeiten vor allem in den USA könne er jedoch nicht beziffern. Das hänge maßgeblich von den Verhandlungen mit den US-Umweltbehörden ab. Diese hatten die Manipulation im September aufgedeckt.

 

Volkswagen hatte zugegeben, die Abgasbehandlung so manipuliert zu haben, dass nur auf dem Prüfstand die Grenzwerte für Stickoxid erfüllt, im Straßenbetrieb aber um ein Vielfaches überschritten wurden.

 

Justizministerium fordert Strafe von 46 Milliarden Dollar

 

Neben Schadensersatzklagen von Kunden und Anlegern drohen Volkswagen Geldstrafen wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz. Das US-Justizministerium hatte in seiner Klage bis zu 46 Milliarden Dollar (42,25 Mrd. Euro) Strafe beantragt.

 

Die Höhe der Strafe und die Rückrufkosten für die knapp 600.000 Fahrzeuge in den USA sind Müller zufolge Knackpunkte in den schon monatelangen Verhandlungen mit der Umweltbehörde EPA. "Wir haben ein Paket, von dem wir sehr überzeugt sind", sagte er.

 

Gesprächstermin ist keine Frist für Einigung

 

Der Termin, den der für alle Sammelklagen zuständige Bezirksrichter Charles Breyer Volkswagen und der EPA für eine Einigung gesetzt habe, sei keine Frist, sondern ein Termin für ein Gespräch. Bis zu dem Treffen am 24. März liefen die Verhandlungen mit der EPA weiter. "Was für uns wichtig ist: dass die Amerikaner nicht die Absicht haben, Volkswagen zu ruinieren."

 

Nach Müllers Kommunikationsdesaster bei der Messe in Detroit im Jänner war die Regie am Montagabend darauf ausgelegt, neue Pannen gegenüber den Medien zu vermeiden.

 

Müller wehrt sich gegen Kritik an der ersten US-Reise

 

Während des Interview-Marathons in den USA hatte der VW-Chef sich auf Englisch gegenüber dem Radiosender NPR so ungeschickt geäußert, dass Volkswagen um eine Wiederholung am nächsten Tag bat.

 

Die Berichterstattung über seinen Fauxpas nannte Müller nun in Genf unfair, da seine Reise ansonsten - vor allem die Gespräche mit den Behörden - erfolgreich gewesen seien. Gleichwohl räumte er mit Blick auf das Radio-Interview in Detroit ein: "Das Missverständnis war höchst unglücklich, das war ein Fehler von mir." Daraus habe er seine Lehren gezogen.

 

Neue Entwicklungszentren in Potsdam, USA - und China

 

Bei der Präsentation in Genf standen nicht wie sonst die im Scheinwerferlicht glänzenden Wagen aller zwölf Marken im Vordergrund. Vielmehr wollte Müller mit Reden zum Thema Digitalisierung zeigen, dass der Konzern bei einem der wichtigen Branchentrends in die Offensive gehen will.

 

Mit neuen digitalen Funktionen in Fahrzeugen eröffneten sich neue Geschäftsfelder und Umsatzpotenziale, erklärte Müller. "Für den Volkswagen-Konzern rückt die digitale Transformation deshalb ganz nach oben auf der Agenda." In drei neuen Entwicklungszentren in Potsdam, dem Silicon Valley und in China sollen Auto-Designer und IT-Experten an neuen Informations- und Kommunikationsdiensten tüfteln. (dpa/reuters/apa/red)