Finanzkompetenz Österreich : Finanzwissen lässt zu wünschen übrig

Von Haushaltsführung bis Kapitalmarkt – entsprechende Kompetenzen im Finanzwissen sorgen für bessere Entscheidungen.

Von Haushaltsführung bis Kapitalmarkt – entsprechende Kompetenzen sorgen für bessere Entscheidungen.

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Beim Thema Finanzwissen kommen alle Studien zu dem gleichen Schluss: In Österreich mangelt es der Bevölkerung diesbezüglich nach wie vor an Kompetenz. So hat beispielsweise eine im Herbst 2023 präsentierte repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien grobe Mängel aufgezeigt:

Etwa ein Drittel der rund 800 Teilnehmer – quer durch alle Altersklassen - beantwortete Fragen wie „Was bedeutet ein Kredit mit variablem Zinssatz?“ oder „Welche Veranlagungsform beinhaltet das geringste Risiko?“ falsch.

„Das ist ein Alarmsignal, dass wir dringend nachbessern müssen. Schließlich ist der richtige Umgang mit Geld essentiell. Finanzwissen ist die beste Altersvorsorge und schafft einen Mehrwert für die Gesellschaft und für die Wirtschaft“, so Erwin Hameseder, Obmann der Sparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Wien, bei der Präsentation der Umfrage.

Dass es Wissenslücken in alle Altersstufen gäbe, zeige Hameseder zufolge deutlich, dass es sich dabei um ein „strukturelles Problem in der Bildung“ handle, das mit ganz neuen Lösungen angegangen werden müsse.

Nur 18 Prozent der EU-Bürger verfügen über ein hohes Maß an Finanzwissen

Nachholbedarf

Österreich steht damit aber nicht allein da, wie die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage, die die Europäische Kommission im Sommer des Vorjahres veröffentlicht hat, zeigen: Demnach verfügen nur 18 Prozent der EU-Bürger über ein hohes Maß an Finanzwissen, 64 Prozent über ein mittleres und acht Prozent über ein niedriges Niveau.

Nur in den Niederlanden, Schweden, Dänemark und Slowenien erreichte mehr als ein Viertel der Befragten eine hohe Finanzkompetenz. „Diese erste EU-Erhebung zur Finanzkompetenz ist ein Weckruf für uns und die Mitgliedstaaten: Gemeinsam müssen wir mehr tun, um das Niveau der Finanzkompetenz in der EU zu verbessern“, sagt dazu Mairead McGuinness, EU-Kommissarin für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion.

Basis für gute Entscheidungen

Gründe dafür gibt es verschiedene: Entsprechendes Wissen vermittelt die Fähigkeit, fundierte Entscheidungen im Finanzbereich treffen zu können. Das kommt beispielsweise dem Haushaltsbudget: Schließlich kann geringe Finanzkompetenz einen durchschnittlichen Haushalt in Deutschland jedes Jahr bis zu 2.690 Euro kosten - das hat eine Studie der Allianz ergeben.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren könnten sich die finanziellen Folgen geringer Finanzkompetenz sogar auf bis zu 36.663 Euro aufaddieren. Gleichzeitig bietet es Schutz: „Von den Personen, die Privatinsolvenz anmelden, geben fast 20 Prozent an, nicht über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten in Bezug auf Geldmanagement und Budgetierung zu verfügen“, heißt es etwa in einem Bericht zur nationalen Finanzbildungsstrategie für Österreich.

Nicht zuletzt trägt eine höhere Finanzkompetenz der EU-Komissarin zufolge dazu bei, die Ziele der Kapitalmarktunion zu verwirklichen, indem sie die Menschen in die Lage versetzt, die Vorteile und Risiken von Investitionen zu verstehen und Vertrauen in die Kapitalmärkte aufzubauen. Oder, wie etwa Bettina Fuhrmann, Professorin und Leiterin des WU-Instituts für Wirtschaftspädagogik, immer wieder betont: „Die Finanzbildung ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unserer Gesellschaft.“