Joint Venture : Was der Börsengang von Borouge für die OMV-Tochter Borealis bedeutet
Borouge-Anlage in Ruwais in den Vereinigten Arabischen Emiraten
- © BorougeDie OMV-Chemietochter Borealis und die Ölgesellschaft Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) machen mit ihren Plänen für einen Börsengang ihres Kunstoff-Joint-Ventures Borouge ernst. Etwa 3 Milliarden Aktien oder 10 Prozent des Aktienkapitals sollen an der Börse in Abu Dhabi (ADX) notieren, teilte Borealis am Mittwoch mit.
Die Angebotsfrist startet am 23. Mai und läuft für Privatanleger bis 28. Mai, für institutionelle Käufer bis 30. Mai. Erwartet werde, dass die Aktien am 3. Juni zum Handel zugelassen werden.
Borouge will seinen Aktionären halbjährlich Dividenden zahlen, wobei die Ausschüttung von den Investitionsplänen und den Marktbedingungen abhänge. Für das laufende Geschäftsjahr soll eine Dividende in Höhe von 325 Mio. Dollar (308 Mio. Euro) ausgeschüttet werden und weitere 650 Mio. Dollar im März folgen. Für 2023 seien Dividenden von nicht weniger als 1,3 Mrd. Dollar geplant.
Borealis gehört zu 75 Prozent der teilstaatlichen OMV und zu 25 Prozent der staatlichen Investmentgesellschaft Mubadala aus Abu Dhabi. An dem petrochemischen Joint Venture Borouge ist Adnoc zu 60 Prozent beteiligt, Borealis hält 40 Prozent. Das Spezialkunststoffunternehmen stellt sogenannte Polyolefine her, Kunststoffe, die in Verpackungen bis hin zum Automobilbau oder im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen.
Üppige Investitionen geplant
Borealis hat unlängst kräftige Investitionen in ihr Joint Venture Borouge angekündigt: Bis Ende 2025 weitere 2,48 Mrd. US-Dollar (2,17 Mrd. Euro) investieren. Borealis-Chef Thomas Gangl und der Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan Ahmed al Jaber, haben in Abu Dhabi die endgültige Investitionsvereinbarung unterzeichnet, Insgesamt wird die Borouge-Erweiterung ("Borouge 4") 6,2 Mrd. Dollar kosten, wovon 40 Prozent auf Borealis entfallen.
Die Inbetriebnahme von Borouge 4 ist für Ende 2025 geplant, die staatliche Ölgesellschaft ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) wird Rohstofflieferant für den Borouge-4-Komplex sein.
Die erste Borouge-Anlage, die 450.000 Tonnen Polyethylen pro Jahr herstellt, wurde im Jahr 2001 in Betrieb genommen. Mit "Borouge 2" und "Borouge 3" wurde die jährliche Produktionskapazität in den Jahren 2010 bzw. 2014 auf 2 bzw. 4,5 Millionen Tonnen Polyethylen und Polypropylen ausgebaut. Borouge 4 wird eine jährliche Polyolefinproduktion von 6,4 Millionen Tonnen ermöglichen, wodurch Borouge zur weltweit größten Single-Site-Polyolefinanlage wird.
Borouge 5 als Asset
Erst im Feber hat Borouge eine fünfte Polypropylen Anlage (PP5) am Standort Ruwais in Betrieb genommen.
Die neue Anlage soll dazu beitragen, die Produktion von Polypropylen in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu steigern, um die wachsende globale Nachfrage nach Produkten für den Bereich wiederverwertbarer Haushaltsverpackungen, den Infrastruktursektor sowie andere Industriezweige zu decken.
Damit sollen auch die Downstream-Aktivitäten, die das langfristige industrielle Wachstum und die wirtschaftliche Diversifizierung der Vereinigten Arabischen Emirate sichern, unterstützt werden. Die PP5-Anlage wird es ermöglichen, die steigende Nachfrage der Kunden inach Polypropylenlösungen zu bedienen, insbesondere in den Bereichen Verpackung und Infrastruktur und in den Märkten Naher Osten, Asien und Afrika.
Die neue Anlage wird jährlich 480.000 Tonnen produzieren und dazu beitragen, die Polypropylen-Produktionskapazität von Borouge um mehr als 25 % auf 2,24 Millionen Tonnen pro Jahr und die Polymer-Gesamtkapazität für Polyolefine um 11 % von 4,5 auf 5 Millionen Tonnen pro Jahr auszubauen.
Die neue Anlage kann Rohstoffe für die Produktion so vieler Rohre liefern, wie für die Wasserversorgungsnetze von 6.500 Burj Khalifas benötigt werden würden. Die Inbetriebnahme von Polypropylen 5 erfolgt unmittelbar nach der Bekanntgabe der endgültigen Investitionsentscheidung für die Erweiterung von Borouge 4, mit der Borouges Produktionsstandort in Abu Dhabi zum weltweit größten Single-Site-Polyolefinkomplex wird.
Borouge geht davon aus, dass die Nachfrage nach Produkten auf Polypropylenbasis in den kommenden Jahrzehnten weiter steige wird, Borouges PP5-Projekt hat einen „In-Country-Value“-Score von 61% erzielt. Dieser gibt den Anteil der Beschaffung von Unternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie den „Made in UAE“-Anteil an. Sämtliche Stahlkonstruktionen, Rohrleitungen und Formstücke wurden dabei im Inland gekauft, insgesamt 30 % aller installierten Anlagen wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten hergestellt, und alle Subunternehmerleistungen wurden auf dem lokalen Markt beschafft.