CO2 : Kann Borealis Emissionen halbieren?

Borealis Werk Linz Wien Österreich Austria Stickstoff Düngemittel
© Borealis Group

Die OMV-Chemietochter Borealis will ihre unmittelbar mit der Produktion zusammenhängenden Treibhausgasemissionen bis 2030 mehr als halbieren. So sollen die Emissionen, die direkt von Borealis verursacht werden, und jene, die bei der Erzeugung von zugekaufter Energie entstehen (Scope 1 und Scope 2) bis 2030 auf unter 2 Millionen Tonnen reduziert werden, von 5,1 Mio. Tonnen im Jahr 2019. Das ging aus einer Aussendung des Unternehmens am Freitag hervor.

Lesen Sie mehr zu Themen, die die OMV derzeit bewegen: Gas-Embargo – Wäre ein Lieferstopp doch nicht so dramatisch?

Erreicht werden soll dieses Ziel durch die verstärkte Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern und Projekte zur CO2-Abscheidung ("Carbon Capture"). In die Reduktion bereits eingerechnet ist der laufende Verkauf der Düngemittelsparte – mehr dazu weiter unten.

Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix soll bis 2025 auf 40 Prozent steigen, von rund 25 Prozent im Jahr 2021. In den Geschäftsbereichen Polyolefine, das sind Kunststoffe, die in Verpackungen, im Automobilbau oder im medizinischen Bereich zum Einsatz kommen, und Kohlenwasserstoffe will Borealis bis 2030 zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen nutzen.

Außerdem setzt das Unternehmen auf Kreislaufwirtschaft und will seinen Anteil kreislauforientierter Produkte, etwa recycelte und erneuerbare Polymere und Chemikalien sowie erneuerbare Kohlenwasserstoffe, bis 2025 auf 600.000 Tonnen und bis 2030 auf 1,8 Mio. Tonnen erhöhen. Die Wende hin zur Kreislaufwirtschaft werde auch die Scope 3-Emissionen von Borealis reduzieren, hieß es in der Aussendung. Das sind jene Treibhausgase, die nicht im unmittelbaren Einflussbereich des Unternehmens liegen, aber auf die Unternehmensaktivität zurückzuführen sind.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit und Umwelt? Diskutieren Sie mit Top-Experten und CEOs am 12. Industriekongress, am 23. Juni 2022 in Wien.

Erst vor ein paar Tagen hat Borealis ein verbindliches Angebot für ihr Stickstoffgeschäft erhalten: das tschechische Unternehmen Agrofert - tätig in den Bereichen Chemie, Grundstoffindustrie, erneuerbaren Energien, Land- und Forstwirtschaft sowie Lebensmittelherstellung - hat der OMV-Tochter für die Düngemittelsparte 810 Millionen Euro geboten.

"Der Vollzug wird für die zweite Hälfte des Jahres 2022 erwartet", teilten die OMV und Borealis letzte Woche unter Verweis auf noch ausstehende Genehmigungen mit. Agrofert gilt als einer der führenden europäischen Hersteller von Pflanzennährstoffen mit Produktionsstandorten in Deutschland, der Tschechischen Republik und der Slowakei. Das nun verkaufte Stickstoffgeschäft der Borealis besteht ebenfalls aus Pflanzennährstoffe, Melamin sowie technischen Stickstoffprodukten.

Lesen Sie auch hier: So wandelt sich die OMV zum Chemiekonzern – finanziert durch Öl und Gas

Agrofert ist in mehreren Ländern Mitteleuropas tätig und erwirtschaftete im Jahr 2021 einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro. Europaweit beschäftigt Agrofert 31.000 Mitarbeiter.

OMV erdöl öl raffinerie petrochemie Burghausen
© OMV Solutions GmbH

Auswirkungen der Sanktionen

Im März wurde bekannt, dass der geplante Verkauf der Düngemittelsparte der Borealis an das schweizerisch-russische Unternehmen Eurochem aufgrund des Krieges gegen die Ukraine geplatzt war. Das Kaufangebot für den nun an Agrofert verkauften Geschäftsbereich Pflanzennährstoffe, Melamin und technischer Stickstoff wurde durch die Borealis zurückgewiesen.

"Wir haben die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und den verhängten Sanktionen eingehend geprüft", so Borealis-Chef Thomas Gangl im März. "Infolgedessen haben wir beschlossen, das Angebot von EuroChem für den Erwerb des Stickstoffgeschäfts von Borealis, welches Pflanzennährstoffe, Melamin und technische Stickstoffprodukte umfasst, abzulehnen." Die Verkaufsverhandlungen mit dem zurückgewiesenen Bieter waren heuer im Jänner abgeschlossen worden. Anfang Februar hatte EuroChem als Bestbieter ein verbindliches Kaufangebot gelegt.

Für den oberösterreichischen Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) war die Absage absehbar. "Aufgrund des schrecklichen Krieges in der Ukraine und den daraus resultierenden Sanktionen der EU war klar, dass auch der Verkauf der Borealis-Stickstoffsparte an den Konzern EuroChem nicht wie geplant vollzogen werden konnte", so der Landespolitiker. Angesichts des Ukraine-Krieges habe dieser Verkauf an das russisch-schweizerische Unternehmen auf den Prüfstand gestellt werden müssen.

Schon demnächst könnte ein weiterer Verkauf im Hause Borealis anstehen: Im April wurde bekannt, dass sich Borealis und die staatliche Ölgesellschaft Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) von mindestens 10 Prozent ihres Kunststoff-Joint-Venture Borouge trennen wollen. Laut Experten wäre der Verkauf rund 1,8 Milliarden Euro wert.

Borouge wurde 1990 gegründet und erzeugt Kunststoffe für die Auto- und die Verpackungsindustrie sowie für den medizinischen Bereich und Kunststoffrohre. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Abu Dhabi und beschäftigt mehr als 3.000 Mitarbeiter. Borealis hat seine Konzernzentrale in Wien, beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter und ist in über 120 Ländern aktiv.

Borealis werde sich in Zukunft weiterhin auf seine Kernaktivitäten konzentrieren. Es geht um Lösungen in den Bereichen Polyolefine und Basischemikalien sowie Wege in Richtung Kreislaufwirtschaft. Borealis gehört zu 75 Prozent der OMV und zu 25 Prozent der Beteiligungsgesellschaft von Mubadala mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Das Chemieunternehmen hat seine Konzernzentrale in Wien, beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter und ist in über 120 Ländern aktiv. (apa/red)