KTM galt lange Zeit als Vorzeigemodell für Wachstum und Innovationskraft in der Motorradbranche. Als Teil der börsennotierten Pierer Mobility AG war das Unternehmen maßgeblich für den Umsatz und die Marktposition der Muttergesellschaft verantwortlich. 2022 erzielte KTM über 95 % des Gesamtumsatzes der Pierer Mobility AG und genoss eine weltweite Reputation. Doch hinter der glänzenden Fassade häuften sich über die Jahre Probleme, die schließlich zur Zahlungsunfähigkeit führten.
Bereits Mitte 2023 verdichteten sich die Anzeichen für finanzielle Turbulenzen. Während das Unternehmen weiterhin in die Entwicklung neuer Modelle und Motorsportprojekte investierte, schien es an der internen Finanzplanung zu hapern. Der Expansionskurs, der KTM zu einem globalen Marktführer machen sollte, führte zu einer massiven Verschuldung. Die Schuldenlast von KTM wurde erdrückend: Die Verbindlichkeiten in Höhe von 2,7 Milliarden Euro zwangen das Unternehmen in die Knie. Während die Umsätze durch die Einführung neuer Modelle stabil blieben, reichten die Einnahmen nicht aus, um die hohen Kosten zu decken.
Neben internen Problemen spielte auch das schwierige Marktumfeld eine zentrale Rolle. Die globale Motorradbranche kämpfte während der COVID-19-Pandemie mit Lieferkettenproblemen, steigenden Rohstoffkosten und einer schwächelnden Nachfrage in wichtigen Märkten. Besonders die europäischen und asiatischen Märkte, auf die KTM stark fokussiert ist, zeigten eine deutliche Abkühlung. Die Krise verschärfte sich. Hochkarätige Gespräche mit potenziellen Partnern wie BMW scheiterten, und als auch der langjährige Investor Bajaj nicht wie erhofft einsprang, blieb KTM nichts anderes übrig, als im November 2024 Insolvenz anzumelden. Stefan Pierer, das Gesicht von KTM und treibende Kraft des Motorradherstellers, vollzog daraufhin seinen Rückzug aus der operativen Führung. Am 23. Jänner 2025 übernahm Gottfried Neumeister den Vorsitz im Vorstand der Pierer Mobility AG und der KTM AG, wo er seit 1. September 2024 als Co-CEO fungierte.
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