KTM : Die Zeit wird knapp

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Die Lage bei KTM spitzt sich zu.

- © KTM

Machtpoker um KTM

Anfang der Woche ist bei KTM eine weitere 50 Millionen Euro Tranche von Bajaj eingegangen - damit ist das Überleben des Konzerns zumindest für den April gesichert. Um den Betrieb auch im Mai zu gewährleisten sind insgesamt 100 Millionen Euro notwendig. Wann die zweite Zahlung über 50 Millionen Euro erfolgt ist derzeit nicht bekannt. 

Für den deutlich größeren Brocken, immerhin geht es um knapp 600 Millionen Euro, läuft dem Motorradhersteller zunehmend die Zeit davon. Bis zum 23. Mai hat der Motorradhersteller noch Zeit einen Investor zu finden. Bis dahin muss KTM die Gläubigerquote von 30 Prozent bzw. knapp 600 Millionen Euro aufbringen.  Wer die Summe stemmen soll ist weiterhin völlig unklar. Kolportiert wird, dass ein Teil mit Fremdkapital von Banken finanziert werden soll und ein Teil mit frischem Eigenkapital von Bajaj und einem neuen – noch unbekanntem – Investor. Allein wird Bajaj die volle Summe jedenfalls nicht stemmen.  Die Verhandlungen laufen – gegenüber dem Industriemagazin war die Pierer Mobility AG bzw. KTM nicht zu einer Stellungnahme bereit. Der Poker um die künftigen Eigentumsverhältnisse bei KTM läuft weiter. 

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Am Werk im Mattighofen wird seit April wieder im Vollzeitbetrieb gearbeitet. - © Sebas Romero

Gerüchteküche brodelt

Während der Investorensuche dringen immer wieder heikle Informationen an die Öffentlichkeit. So berichtete der Kurier, dass Pierer Mobility ein Problem mit einer „österreichischen Großbank“ habe. Konkret habe die Erste Group in Wien Forderungen von rund 65 Millionen Euro geltend gemacht. Die Summe müsse Pierer Mobility aufgrund einer Patronatserklärung für KTM-Gesellschaften zahlen. Pierer Mobility wies die behaupteten Ansprüche zurück und gab an es gäbe „keine Ausstattungsverpflichtung“ zugunsten der Bank. Auch der erhobene Vorwurf, dass Gelder an Gläubigern vorbeigeschleust worden seien, sei falsch.

Auch in Bezug auf neue Investoren kocht die Gerüchteküche. Nach der Absage von BMW Anfang März, sind derzeit vor allem zwei potentielle Investoren im Gespräch: Der kanadische BRP-Konzern, Betreiber des Rotax-Motorenwerks in Gunskirchen und der Pierer-Mobility-Aufsichtsratsvorsitzenden Stephan Zöchling hinter dem der Unternehmer Siegfried Wolf, Eigentümer von Steyr Automotive vermutet wird.

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Wie kam es zur KTM-Pleite?

KTM galt lange Zeit als Vorzeigemodell für Wachstum und Innovationskraft in der Motorradbranche. Als Teil der börsennotierten Pierer Mobility AG war das Unternehmen maßgeblich für den Umsatz und die Marktposition der Muttergesellschaft verantwortlich. 2022 erzielte KTM über 95 % des Gesamtumsatzes der Pierer Mobility AG und genoss eine weltweite Reputation. Doch hinter der glänzenden Fassade häuften sich über die Jahre Probleme, die schließlich zur Zahlungsunfähigkeit führten.  

Bereits Mitte 2023 verdichteten sich die Anzeichen für finanzielle Turbulenzen. Während das Unternehmen weiterhin in die Entwicklung neuer Modelle und Motorsportprojekte investierte, schien es an der internen Finanzplanung zu hapern. Der Expansionskurs, der KTM zu einem globalen Marktführer machen sollte, führte zu einer massiven Verschuldung. Die Schuldenlast von KTM wurde erdrückend: Die Verbindlichkeiten in Höhe von 2,7 Milliarden Euro zwangen das Unternehmen in die Knie. Während die Umsätze durch die Einführung neuer Modelle stabil blieben, reichten die Einnahmen nicht aus, um die hohen Kosten zu decken.  

Neben internen Problemen spielte auch das schwierige Marktumfeld eine zentrale Rolle. Die globale Motorradbranche kämpfte während der COVID-19-Pandemie mit Lieferkettenproblemen, steigenden Rohstoffkosten und einer schwächelnden Nachfrage in wichtigen Märkten. Besonders die europäischen und asiatischen Märkte, auf die KTM stark fokussiert ist, zeigten eine deutliche Abkühlung. Die Krise verschärfte sich. Hochkarätige Gespräche mit potenziellen Partnern wie BMW scheiterten, und als auch der langjährige Investor Bajaj nicht wie erhofft einsprang, blieb KTM nichts anderes übrig, als im November 2024 Insolvenz anzumelden. Stefan Pierer, das Gesicht von KTM und treibende Kraft des Motorradherstellers, vollzog daraufhin seinen Rückzug aus der operativen Führung. Am 23. Jänner 2025 übernahm Gottfried Neumeister den Vorsitz im Vorstand der Pierer Mobility AG und der KTM AG, wo er seit 1. September 2024 als Co-CEO fungierte. 

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Gottfried Neumeister (li.) und Stefan Pierer (re.)
Gottfried Neumeister (li.) übernahm am 23. Jänner 2025 den Vorsitz im Vorstand der Pierer Mobility AG und der KTM AG, nachdem Stefan Pierer (re.) sich zuvor zurückgezogen hatte. - © Tschann E./KTM