Maschinenbau : Was Fill Maschinenbau mit KI anders macht
Fill-CTO Alois Wiesinger (li.) und COO Günter Redhammer ziemlich ausgelassen beim großen Fabrik2026-Finale. Innere Haltung: „Wir jammern nicht“
- © Matthias Heschl, Hintergrund KI-bearbeitetInnovation, digitale Prozesse, unternehmerische Freiheit und Mitarbeiterentwicklung: Auf diese Hebel setzt der Sondermaschinenbauer Fill, um vom Innviertel aus international wettbewerbsfähig zu bleiben. CTO Alois Wiesinger und COO Günter Redhammer betonen die Bedeutung dieser inneren Haltung. „Wir jammern nicht. Nötig sind eine gesunde Portion Optimismus und positive Energie“, sagt Wiesinger.
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Fill wurde 1966 gegründet, ist zu 100 Prozent in Familienbesitz und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter am Standort. Weitere Niederlassungen gibt es in Mexiko, China und den USA, der Umsatz liegt bei rund 210 Millionen Euro.
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Vier Unternehmen aus Österreich schafften es heuer ins Finale von Fabrik2026: neben Hirschmann Automotive, hollu Systemhygiene und Zotter Schokolade auch Fill Maschinenbau. Der von Fraunhofer Austria und INDUSTRIEMAGAZIN ausgetragene Wettbewerb zeichnet keine Hochglanzfabriken aus, sondern Produktionsstandorte, die sich nachweislich weiterentwickeln – in Effizienz, Digitalisierung, Resilienz und Nachhaltigkeit.
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Bewertet wurden die Unternehmen in den Kategorien Efficient Factory, Smart Factory und Sustainable Factory. Im Finale galt es anschließend, die Besonderheiten der eigenen Produktion noch einmal auf den Punkt zu bringen: zehn Minuten Präsentation, gefolgt von zehn Minuten Fragen der Jury.
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Die Bandbreite von Fill reicht in der Luftfahrt „von der einzelnen Faser bis zum geprüften Bauteil“, im Automotive-Bereich von Aluminiumtechnologien bis zu hochautomatisierten Anlagen. Im Skibereich arbeiten nach Fill-Angaben sämtliche Skihersteller mit Fill-Anlagen. Hinzu kommen Lösungen etwa für die Holzindustrie oder für Schalungssysteme.
Fill Maschinenbau: Digitalisierung bis in die Maschine
Innovation ist dezentral organisiert. Eine große zentrale F&E-Einheit gebe es nicht, entwickelt werde in den Kompetenz-Centern gemeinsam mit Kunden. Gleichzeitig beschäftigt sich Fill mit humanoider Robotik für Kundenlösungen. Besonders weit reicht der Umbau bei den Prozessen. Rund 90 Prozent seien bereits papierlos, Ziel sind vollständig digitalisierte und automatisierte Abläufe. Voraussetzung für KI seien Daten und Prozesse ohne Medienbrüche.
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Unter „Fill Systems Engineering“ sollen fragmentierte Engineering-Abläufe, Datenmanagement, Datenqualität und Informationsfluss in einem mechatronischen Datenstrom zusammengeführt werden. Wie notwendig das ist, zeigen die Dimensionen der Anlagen.
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Wiesinger nennt Projekte von rund 150 mal 30 Metern mit mehr als 25.000 Ein- und Ausgängen. Solche Systeme könnten nicht mehr vollständig physisch aufgebaut und getestet werden. Fill setzt deshalb auf virtuelle Inbetriebnahme. Bei sauber aufgebauten Modellen und Programmen passe das Ergebnis in der Realität bereits zu „80 bis 90 Prozent“.
Unabhängigkeit als strategisches Prinzip
Redhammer rückte die strategische Unabhängigkeit in den Mittelpunkt. Die breite Aufstellung über mehrere Märkte habe sich etwa in der Automotive- Krise bewährt, verlange aber tiefes Prozesswissen in jeder Branche. Ebenso wichtig sei die Unabhängigkeit von Kreditinstituten. „Wir investieren dann, wenn wir es für richtig halten“, sagte Redhammer. Das verschaffe strategische Freiheiten.
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Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fachkräftesicherung. In der industriestarken Region setze sich durch, wer das attraktivste Angebot und die spannendsten Aufgaben biete. Das Future Lab setzt deshalb bereits bei Kindern und Jugendlichen an: Seit 2022 wurden laut Fill mehr als 15.000 Gäste vom Kindergartenalter bis zur HTL und darüber hinaus begrüßt. Technik und Digitalisierung werden kostenlos vermittelt, auch Qualifizierungsangebote für Lehrkräfte gehören dazu. Mit der „Next World Factory“ wurde ein ähnlicher Ansatz für Lehrlinge gestartet. Die sechs Labore des Lernund Erlebnisraumes sollen auch anderen Unternehmen offenstehen. Genannt wurden virtuelles Schweißen und ein Elektroauto-Projekt über mehrere Disziplinen hinweg.
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Das multifunktionale Gebäude „Power Cube“ erhielt bereits im Vorfeld einen oberösterreichischen Umweltpreis. Langfristig will Fill das modernste Ausbildungszentrum seiner Art in Österreich schaffen – von der Lehre über mögliche schulische Angebote bis zur Weiterbildung erfahrener Fachkräfte. „Wir können uns nicht auf andere verlassen“, sagte Redhammer. Know-how und Kapazitäten für internationale Projekte wolle Fill selbst aufbauen.
Eigene Energie, eigener Fachkräftenachwuchs
Unabhängigkeit gilt auch für Energie. Fill betreibt eine große Photovoltaikanlage, Ladeinfrastruktur für E-Autos und einen Batteriespeicher mit sechs Megawattstunden Kapazität. Durch Eigenerzeugung und Einkauf am dynamischen Strommarkt wurde der Stromzukauf deutlich reduziert. An Wochenenden sei der Standort vollständig autark. Zwei Biomasseheizwerke, betrieben von regionalen Landwirten, laufen seit 2009. Die damals wirtschaftlich schwer darstellbaren Investitionen hätten sich aus heutiger Sicht bewährt. Auch der Standort selbst wurde ausgebaut. Redhammer nannte rund 120 Arbeitsplätze, Fitnessmöglichkeiten, Physiotherapie, das öffentliche Lokal „OBEN“, Friseur sowie einen 1000 m² großen Dachgarten für Mitarbeiter.
Fill Maschinenbau: KI zwischen Potenzial und Umsetzungstempo
KI rückt stark in den Fokus. Fill testet gängige KI-Werkzeuge und sieht Anwendungen vor allem im Engineering, in Kalkulation und Fertigungsplanung. Systeme vergleichen bereits ähnliche Teile und unterstützen die Beschaffungskalkulation. In der Produktion erhalten Mitarbeiter Aufträge, Zeiten, Modelle und Werkzeugdaten digital an die Maschine. In der Montage arbeiten Lehrlinge, Facharbeiter und Montageleiter mit digitalen Modellen. Papier spielt kaum noch eine Rolle, Bauteiletiketten bleiben vorerst bestehen. Bei 400.000 bis 500.000 Fertigungsteilen im System soll KI bei neuen Artikeln prüfen, ob ähnliche Geometrien oder Spezifikationen vorhanden sind.
Auch Beschaffung und Bestandsmanagement laufen weitgehend über digitale Plattformen. Die größte Herausforderung sieht Wiesinger in der Geschwindigkeit der Entwicklung: „Die KI ist viel schneller“ als Organisation und Mitarbeiter neue Anwendungen aufnehmen könnten. Umso wichtiger seien Fähigkeiten und ein verantwortungsvoller Umgang.