Medizintechnik

Siemens Healthineers gelingt milliardenschwere Kapitalerhöhung

Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung hat Siemens Healthineers den ersten Teilbetrag für eine große Übernahme in den USA eingesammelt. Healthineers will um 16,4 Milliarden Dollar das amerikanische Unternehmen Varian übernehmen.

Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung hat Siemens Healthineers den ersten Teilbetrag für den Megazukauf in den USA eingesammelt. Vergangene Woche holte sich die Medizintechnik-Tochter von Siemens binnen weniger Stunden 2,73 Milliarden Euro bei institutionellen Investoren. Damit stemmte Healthineers eine der größten Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre in Deutschland.

Das Unternehmen aus Erlangen hatte vor einem Monat angekündigt, den auf Krebstherapie spezialisierten US-Konzern Varian für 16,4 Milliarden Dollar (rund 14 Mrd. Euro) zu übernehmen und sich einen Teil des Geldes mit der Ausgabe neuer Aktien zu besorgen.

Nach der Kapitalerhöhung gab die Healthineers-Aktie im Nebenwerteindex MDax um 3,6 Prozent nach. Die Titel des Mutterkonzerns Siemens, der seiner Tochter für die Übernahme einen Überbrückungskredit zugesagt hatte, legten um knapp ein Prozent zu. Der Münchner Technologiekonzern, der Healthineers und weitere Töchter sukzessive in die Selbstständigkeit entlässt, ließ seinen Anteil von zuletzt 85 Prozent auf nun 79 Prozent verwässern. Mit dem gestiegenen Streubesitz kommt Healthineers dem Ziel näher, wie Siemens in den deutschen Leitindex DAX aufzusteigen.

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"Die erfolgreiche Aktienplatzierung ist ein wichtiger Meilenstein für die Finanzierung des geplanten Erwerbs von Varian und schafft uns viel Freiraum", sagte Healthineers-Finanzvorstand Jochen Schmitz. Der Kauf solle im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden, bekräftigte der Konzern.

Von der kompletten Finanzierung des Kaufpreises, der nach gegenwärtigem Wechselkurs rund 13,9 Milliarden Euro entspricht, ist der Medizintechnikkonzern allerdings noch weit entfernt. Bis etwa die Hälfte des Kaufpreises hatte Healthineers nach bisherigen Angaben mit der Ausgabe neuer Aktien und den Rest mit Anleihen oder Krediten finanzieren wollen, die Siemens für seine Tochter am Kapitalmarkt organisieren soll.

Für die kommenden drei Monate ist dem Medizintechnikkonzern nun aufgrund einer gesetzlichen Sperrfrist ein erneuter Zugang zum Aktienmarkt verwehrt. Zudem hat das Unternehmen mit der nun vollzogenen Kapitalerhöhung um 7,5 Prozent den von den Aktionären wie üblich genehmigten Rahmen von zehn Prozent bereits weitgehend ausgeschöpft. Eine weitere größere Kapitalerhöhung müsste nach den Formalien also von der Hauptversammlung genehmigt werden, die regulär erst Anfang März geplant ist.

Healthineers hält sich für die Finanzierung der restlichen Kaufpreissumme nach Angaben aus Konzernkreisen alle Optionen offen. "Da gibt es einen ganzen Baukasten von Dingen, die Sie verwenden können, das muss man dann sehen", sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person.

Es handelt sich um eine der größten Kapitalerhöhungen der vergangenen Jahre in Deutschland. In diesem Jahr hatten der Energieversorger RWE, in dessen Aufsichtsrat Ex-ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel sitzt, und der Halbleiterkonzern Infineon Milliardensummen an der Börse eingesammelt. Kleinere Kapitalerhöhungen werden in den kommenden Monaten vom Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert im Rahmen eines Börsengangs und vom Auto- und Industriezulieferer Schaeffler erwartet. Im Jahr 2018 hatte der Pharmakonzern Bayer mit der Ausgabe neuer Aktien sechs Milliarden Euro kassiert. (reuters/apa/red)

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