Autoindustrie

Deutsche Autoindustrie warnt vor massivem Stellenabbau

Die deutsche Verband der Automobilindustrie warnt angesichts des weltweiten Einbruchs auf den Automärkten vor der Streichung von Arbeitsplätzen im großen Stil. Für heuer erwartet der VDA bei den Neuzulassungen einen Rückgang um 23 Prozent.

Die deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) warnt angesichts des weltweiten Einbruchs der Pkw-Nachfrage vor Jobverlusten. Die durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung in Berlin erhoffte Erholung der Konjunktur im zweiten Halbjahr werde wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Beschäftigungsrückgang aufzuhalten, sagte VDA-Chefin Hildegard Müller in einer Video-Konferenz.

Die Tatsache, dass viele Beschäftigte derzeit in Kurzarbeit seien, dürfe nicht über die schwierige Lage hinwegtäuschen, in der sich vor allem mittelständische Zulieferer befänden. Wenn es nicht zeitnah wieder zu mehr Beschäftigung komme, drohe eine schwere Rezession mit Arbeitsplatzverlusten, warnte Müller bei der im Internet übertragenen Halbjahres-Pressekonferenz des Verbandes.

Die großen Autobauer und ihre Lieferanten haben angesichts der im vergangenen Jahr aufziehenden Autokrise bereits vor Corona Sparprogramme aufgelegt, die mit einem hohen Personalabbau einhergehen. Daimler etwa will weltweit mindestens 10.000 Mitarbeiter in der Verwaltung und produktionsnahen Bereichen dazu bewegen, das Unternehmen zu verlassen. Die Zahl könnte nun wegen der Virus-Pandemie deutlich höher ausfallen, wie Medien berichteten. Das Thema dürfte auch auf der Hauptversammlung von Daimler nächste Woche Wellen schlagen.

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Die ebenfalls vom Diesel-Skandal erschütterte VW-Tochter Audi hat den Abbau von 9.500 Stellen in Deutschland angekündigt. BMW hatte sich wegen des coronabedingten Absatzrückgangs mit dem Betriebsrat jüngst auf rund 6.000 Stellen verständigt, die wegfallen werden sollen. Auch die Zulieferer bauen Zehntausende Arbeitsplätze ab. Bisher wurde das Personal weitgehend über die Nichtnachbesetzung freiwerdender Stellen, Abfindungen und Frühpensionierungen verringert. Doch inzwischen scheinen auch Kündigungen möglich. Der Zulieferer Continental jedenfalls schließt dies angesichts der Pandemie nicht mehr als.

VDA-Chefin Müller verwies auf den rasanten Rückgang der Pkw-Nachfrage, der der Branche weltweit schwer zusetzt. "Der Einbruch der Märkte ist in seinem Ausmaß und in seinem globalen Umfang beispiellos", stellte die VDA-Chefin fest. 2020 rechnet der Verband für den Weltmarkt mit einem Minus von 17 Prozent auf knapp 66 Millionen Pkw. Besonders stark werde der Rückgang in Europa mit 24 Prozent sein, gefolgt von den USA mit minus 18 Prozent und China mit minus zehn Prozent. In Deutschland rechnet der Verband der Automobilindustrie damit, dass die Pkw-Neuzulassungen um 23 Prozent auf 2,8 Millionen Einheiten sinken. Den Prognosen für die Neuwagenverkäufe liege die Annahme zugrunde, dass es gelinge, die Pandemie einzudämmen.

Auch wenn sich zuletzt ein Silberstreif am Horizont abzeichnete - der Auftragseingang in Deutschland kletterte im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um elf Prozent - so sind doch viele Branchenvertreter skeptisch. Niemand weiß, wie lange die Durststrecke dauert. "Der Weg aus dieser großen Krise wird lang und steinig und er wird wirtschaftliche und soziale Schleifspuren hinterlassen", sagte Müller. Europa brauche daher ein "ambitioniertes Industriepaket", um der darniederliegenden Branche auf die Beine zu helfen.

Die VDA-Chefin bekräftigte die Bereitschaft der Unternehmen zum Klimaschutz, warnte aber vor einem "Überbietungswettbewerb" bei der CO2-Regulierung: "Wir erwarten, dass auch die Folgen der Coronakrise berücksichtigt werden." Europa müsse beweisen, dass Ökonomie und Ökologie zusammen gedacht würden. Wie hoch der Beschäftigungsrückgang am Ende ausfalle, hänge auch davon ab, wie lange die Brücke der Kurzarbeit halte, sagte Müller. (reuters/apa/red)

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