Asset Tracing

So stöbern Gläubiger „versteckte“ Vermögenswerte bei Insolvenzen auf

Insolvenz Pleite Konjunktur Rezession Krise
© Adobe Stock

Bei einer Insolvenz werden Vermögenswerte wie Fuhrparks, Maschinen und Immobilien verkauft, um damit die Forderungen der Gläubiger bedienen zu können. Doch die Zahl der Unternehmen, die keine nennenswerten materiellen Güter mehr besitzen, wächst. Und auch Schuldner, die sich ihren Zahlungsverpflichtungen entziehen wollen, können findig sein: In Zeiten der Globalisierung ist es einfacher geworden, Vermögen in „Steueroasen“ zu transferieren und in Briefkastenfirmen „verschwinden zu lassen“. Für Gläubiger sind dies denkbar schlechte Voraussetzungen. Denn was nützt das Einklagen von Forderungen, wenn der Anspruch mangels Vermögens nicht vollstreckbar ist? Deshalb hinterfragen immer mehr Gläubiger die Vermögenswerte ihrer Schuldner, bevor sie Klage erheben.

Sebastian Mahr Partner bei PHH Rechtsanwälte und Experte für Schiedsgerichtsverfahren und Asset Tracing
Auch Geldflüsse können mittels Asset Tracing nachvollzogen werden." Dr. Sebastian Mahr, Partner bei PHH Rechtsanwälte - © PHH Rechtsanwälte

Unternehmen pleite – Immobilie gefundenBeim Asset Tracing werden Jahresabschlüsse, internationale Datenbanken, Grund- und Firmenbücher sowie weitere Informationsquellen forensisch durchforstet, um Vermögen scheinbar vermögensloser Schuldner aufzufinden. Die gute Nachricht: Die Trefferquote ist in vielen Fällen erfreulich. Ein Unternehmen hatte etwa Insolvenz angemeldet und keine nennenswerten Vermögenswerte. Der Geschäftsführer dieser Gesellschaft hatte zwar eine Haftung, weil er schlecht und fahrlässig gewirtschaftet hat, aber angeblich kein Geld.

Im Rahmen des Asset Tracing konnte festgestellt werden, dass der Geschäftsführer kurz vor der Insolvenz einer nahen Angehörigen eine wertvolle Liegenschaft geschenkt hatte.

Da die betreffende Person einen anderen Nachnamen hatte als der Geschäftsführer, konnte die Schenkung erst durch die akribische Aufarbeitung aller Vermögenstransaktionen identifiziert und nachgewiesen werden. Kaum war die Anfechtungsklage bei Gericht eingebracht, zeigte sich der Geschäftsführer doch gesprächsgebereit. Es gab schlussendlich eine außergerichtliche Einigung mit einem positiven Abschluss für die Gläubiger.

Auch Geldflüsse können mittels Asset Tracing nachvollzogen werden. Ein Unternehmer hatte etwa in ein Immobilienprojekt in den Arabischen Emiraten investiert. Da das Projekt nicht realisiert wurde, forderte der Unternehmer die Rückzahlung seiner Investition. Doch angeblich war das Geld nie im Bestimmungsland angekommen. Für die Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen hatten die Ermittler nur einen Hinweis. Die Transaktion war in US-Dollar abgeschlossen worden. Aber genau dieser Fakt war entscheidend, um die Gesellschaft ausfindig zu machen, die das Geld entgegengenommen hat.

Auch in diesem Fall konnte so ein sehr erfreuliches Ergebnis für den betroffenen Gläubiger erzielt werden. Kosten versus NutzenIm Vergleich zu Gerichtskosten ist die Investition beim Asset Tracing deutlich kleiner. Ist tatsächlich kein Vermögen da, können sich die Gläubiger den Gang zu Gericht ersparen. Sollte es aber verwertbares Vermögen geben, dann haben alle Gläubiger bessere Karten, weil sich die Masse vergrößert.

Dr. Sebastian Mahr ist Partner bei PHH Rechtsanwälte und Experte für Schiedsgerichtsverfahren und Asset Tracing.