Trumps Zölle gegen die Industrie : Zulieferer Melecs EWS: "US-Zölle gegen Mexiko wären wenig spaßig"

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US-Präsident Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung im Juni

- © Jeffrey Phelps / AP / picturedesk.com

Zölle bringen Unsicherheit in Märkten

2019 setzte der Elektronikdienstleister Melecs EWS einen folgenschweren Schritt nach Nordamerika. Die Burgenländer übernahmen 70 Prozent sowie die unternehmerische Führung an der Prettl Electronics Queretaro in Mexiko. Die deutsche Prettl-Gruppe blieb zunächst Minderheitsaktionär. Melecs gewann neue Kunden in den Business Units Weißware, Automotive und Industrie und kann heute, nach Gesamtinvestitionen in das Werk von 25 Millionen Euro und dessen gänzlicher Übernahme Fertigungskapazitäten für Kunden in Mexiko und Nordamerika vorweisen. 
 

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Entsprechend wenig kann CEO Bernhard Pulferer Trumps Zollregime abgewinnen. Die Zölle, die im Raum stehen, würden zu Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit in den Märkten führen. Eine solche Gemengelage sei niemals gut, wenn man "gutes Geschäft machen will", sagt Pulferer. 

Hauptanteil des US-Umsatzes aus Mexiko heraus generiert

Das nordamerikanische Geschäft - und damit das Mexiko-Werk mit 90 Millionen US-Dollar Jahresumsatz 2024 - ist für den Elektronikfertiger von enormer Bedeutung. 20 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens trägt dieses bei. Fast zur Gänze - nämlich 18 Prozent - wird dieser Umsatz "aus Mexiko heraus generiert", sagt Pulferer. Zölle gegen Mexiko in der Höhe von 25 Prozent, die nun für einen Monat ausgesetzt sind, wären demnach "wenig spaßig", sagt der Manager. 

Melecs EWS
Shopfloor von Melecs EWS - © Melecs EWS

Gut eingefahrene Wirtschaftskanäle beleidigt

Gemäß Incoterms gebe es zwar nur sehr wenige Kunden, für die "die Verzollung in unsere Verantwortung fällt", sagt er. Doch das mache es nicht besser. Die Teuerung würde natürlich durchgereicht. "Ein Preisaufschlag in der Höhe von 25 Prozent wäre in unserem Geschäft schwer bis unmöglich zu kompensieren", sagt Pulferer. Konkret würde man sich dann mit Kunden zusammensetzen und Kunde für Kunde die Preiskonstellation und die Programme bewerten. Pulferer macht sich nichts vor: Da würde dann der normale Mechanismus des Marktes greifen. "Da würden hier und dort die Bedarfe zurückgehen und das würde uns nicht gefallen", sagt er. Doch auch wenn es in den USA jetzt womöglich rumpelig wird und "gut eingefahrene Wirtschaftskanäle beleidigt" seien: "Wir brauchen den Fertigungsstandort Mexiko, dieser ist alternativlos". 

Mit einer gewissen Erleichterung hat der Melecs-EWS-Chef deshalb vernommen, dass die Mexiko-Zölle fürs erste einmal ausgesetzt sind. Er sei vorsichtig optimistisch, dass das Unternehmen auch weiterhin seine Stärken am Markt USA ausspielen werde können. Die in der ersten Ära Trump ausverhandelten USMCA-Verträge seien ein Grund dafür gewesen, warum die Wirtschaft in Mexiko floriert hat. 

Pulferer 2024 Portrait Melecs EWS
CEO Bernhard Pulferer: Kann Trumps Zollregime wenig abgewinnen - © copyrihgt roland schuller