VW vs. Tesla : Volkswagen auf der Überholspur: Wie Elon Musk das schwächelnde Tesla-Geschäft in Europa neu aufstellt

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VW hängt Tesla bei E-Auto-Zulassungen in Europa ab 

- © Stefan Bayer - stock.adobe.com

Im ersten Halbjahr 2025 verkaufte die Marke Volkswagen weltweit rund 193.000 Elektrofahrzeuge – ein Zuwachs von 14,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders beeindruckend fällt das Wachstum in Europa aus: Hier stieg der E-Auto-Absatz sogar um mehr als 70 Prozent. Damit verwies VW den langjährigen Marktführer Tesla klar auf die Plätze. Mit Modellen wie dem ID.3, ID.4 und dem ID.7 belegt Volkswagen drei der fünf Spitzenpositionen bei den meistzugelassenen E-Autos Europas.

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Die offiziellen Auslieferungszahlen für das erste Halbjahr wird der Konzern zwar erst am 25. Juli veröffentlichen, doch bereits jetzt zeigen exklusive Daten, wie dominant die Marke Volkswagen im europäischen Markt auftritt. „Die Wachstumsraten, die wir in Europa geschafft haben, sind wirklich groß“, betonte VW-Vertriebschef Martin Sander gegenüber dem Handelsblatt.

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Tesla verliert an Boden – Musk übernimmt Europa-Geschäft persönlich

Während VW auf dem europäischen Markt zulegt, kämpft Tesla mit rückläufigen Zahlen. Von Januar bis Mai 2025 verlor der US-Konzern laut dem Branchenanalysten Dataforce rund ein Drittel seines Zulassungsvolumens in Europa und kam auf lediglich 76.407 Fahrzeuge. Volkswagen hingegen steigerte seine Zulassungen im gleichen Zeitraum um 90 Prozent auf 122.632 Einheiten.

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Im April 2025 erreichte Tesla mit knapp 8000 Neuzulassungen sogar den niedrigsten Monatswert seit Oktober 2022. Im Vergleich dazu setzte Volkswagen in diesem Monat über dreimal so viele Elektrofahrzeuge ab.

Elon Musk hat offenbar Konsequenzen aus dem schwächelnden Europa-Geschäft gezogen. Laut Bloomberg übernahm der Tesla-CEO persönlich die Verantwortung für Produktion und Vertrieb in Europa. Ein deutliches Zeichen dafür, dass auch in Kalifornien erkannt wurde, wie wichtig der europäische Markt für die Zukunft des Unternehmens ist.

Elon Musks enge Verflechtung mit der Regierung unter Donald Trump sowie seine politische Nähe zu Trump haben Tesla in eine schwierige Lage gebracht. 

- © apa/Britta Pedersen

🔍 Infobox: Wie Elon Musk mit dem Tesla-Absturz in Europa zusammenhängt

1. Absatzkrise in Europa:

Tesla verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 ein Absatzminus von über 30 % in Europa – besonders deutlich im April, mit nur rund 8000 Neuzulassungen, dem niedrigsten Wert seit Oktober 2022. Im Vergleich dazu legte Volkswagen mit seinen E-Modellen stark zu.

Elon Musks enge Verflechtung mit der Regierung unter Donald Trump – insbesondere als Berater für das umstrittene Department of Government Efficiency (DOGE) – sowie seine politische Nähe zu Trump haben Tesla in eine schwierige Lage gebracht. Musk investierte beträchtliche Zeit in DOGE, bis er im April ankündigte, ab Mai den Schwerpunkt wieder stärker auf Tesla zu legen. Dennoch führte seine Politikaffinität zu spürbaren Konsequenzen: Tesla sah sich im Frühjahr 2025 mit weltweiten Protesten und Boykottaufrufen konfrontiert (#TeslaTakedown), darunter auch Vandalismus an Showrooms und Tesla-Modellen. 

2. Musk übernimmt Europa-Verantwortung:

Angesichts der schwachen Performance übernahm Elon Musk laut Bloomberg persönlich die Leitung von Produktion und Vertrieb in Europa. Zuvor hatte Teslas Europa-Manager Omead Afshar das Unternehmen verlassen.

3. Strategische Neuaufstellung:

Musk plant, das Europa-Geschäft radikal umzubauen. Der Fokus liegt auf effizienteren Prozessen im Werk Grünheide bei Berlin sowie einer Neuausrichtung der Vertriebsstrategie – inklusive potenzieller Preisanpassungen, um mit Wettbewerbern wie VW und BYD mithalten zu können.

4. Kritik an Europa:

Musk selbst bezeichnete Europa kürzlich als „den schwächsten Markt“ für Tesla – ein deutliches Signal für interne Umstrukturierungen. In anderen Regionen wie China und den USA bleibt Tesla zwar stark, doch der wachsende Druck in Europa zeigt Wirkung.

Deutschlands Autobauer schließen zur Tesla-Technologie auf

Für Branchenexperte Constantin Gall von der Unternehmensberatung EY ist klar: „Auf dem europäischen Neuwagenmarkt werden die Karten aktuell neu gemischt.“ Die Zeiten, in denen Tesla technologisch uneinholbar schien, seien vorbei. Volkswagen und andere deutsche Hersteller hätten massiv in die Entwicklung neuer E-Modelle investiert – mit Erfolg.

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Insbesondere bei Ladegeschwindigkeit, Reichweite und Softwarequalität hätten die europäischen Hersteller stark aufgeholt. Gleichzeitig wird deutlich: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht mehr in der Technik, sondern in der Wirtschaftlichkeit. Denn trotz hoher Verkaufszahlen schreibt VW mit seinen E-Autos noch keine Erfolgsgeschichte in der Gewinnzone.

Ein wesentlicher Treiber des jüngsten Erfolgs von Volkswagen ist eine aggressive Preispolitik. Der Autobauer verlängerte erst kürzlich seine Rabattaktionen für die ID-Modelle bis Ende September. Dadurch kostet der ID.3 nun unter 30.000 Euro – eine psychologisch entscheidende Preisgrenze für viele Käufer. Auch der ID.4, ID.5 und ID.7 wurden preislich nach unten angepasst.

Diese Maßnahmen zeigen Wirkung: Die Auslastung der E-Auto-Werke in Emden und Zwickau hat sich verbessert, der Absatz steigt. Gleichzeitig verschärft sich aber das Problem sinkender Margen. Denn hohe Rabatte bedeuten geringere Gewinne – ein klassischer Zielkonflikt zwischen Wachstum und Rentabilität.

VW setzt auf eine aggressive Preispolitik 

- © MARTIN MEINERS PHOTOGRAPHY

CO2-Flottengrenzwerte als strategischer Druckfaktor

Neben dem Marktanteil spielt für Volkswagen auch die Einhaltung der CO2-Flottengrenzwerte der Europäischen Union eine zentrale Rolle. Um Strafzahlungen zu vermeiden, muss der Konzern den Anteil emissionsfreier Fahrzeuge in der Gesamtflotte massiv erhöhen.

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Da die Marke VW als Volumenmarke die meisten Fahrzeuge im Konzern verkauft, trägt sie eine Schlüsselrolle beim Erreichen dieser Klimaziele. „Mit dem großen Volumen an Elektrofahrzeugen, das wir 2025 auf den Markt bringen, leisten wir einen bedeutenden Beitrag zur CO2-Compliance des Volkswagen-Konzerns“, betont Vertriebsvorstand Sander.

Gewinnziele außer Reichweite: VW kämpft mit niedriger Rendite

So beeindruckend der Absatzanstieg auch sein mag – auf der Ertragsseite bleibt die Marke Volkswagen hinter den Erwartungen zurück. Zwar betont der Konzern, dass mit den E-Autos grundsätzlich Geld verdient werde. Die operative Marge der Kernmarke lag im ersten Quartal 2025 jedoch bei lediglich 0,5 Prozent – nach 3,9 Prozent im Vorjahr.

Gründe für diesen Rückgang sind unter anderem hohe Restrukturierungskosten und Rückstellungen für CO2-Verpflichtungen. Ziel von VW ist eine Rendite von 6,5 Prozent bis 2029 – doch davon ist man derzeit weit entfernt.

Ausblick: Zwischen Marktführerschaft und finanzieller Realität

Mit Blick auf das zweite Halbjahr bleibt abzuwarten, ob Volkswagen seinen E-Auto-Absatz weiter steigern kann, ohne dabei die wirtschaftliche Basis aus den Augen zu verlieren. Analysten gehen davon aus, dass die Rabattschlacht im umkämpften E-Auto-Markt noch intensiver wird – nicht zuletzt, weil auch Tesla gezwungen sein dürfte, mit Preisnachlässen zu reagieren.

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Die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 25. Juli wird erste Hinweise darauf geben, wie sich die aktuelle Strategie auf den Gesamtkonzern auswirkt. Drei Tage später will die Marke Volkswagen dann konkrete Kennzahlen zur finanziellen Lage veröffentlichen.

Der Tesla-Absatz leidet unter Elon Musk und seiner (ehemaligen) Nähe zu US-Präsident Donald Trump

- © Tesla

Tesla unter Druck: Absatzrückgang und politische Kontroversen belasten Marktstellung

Im Frühjahrsquartal 2025 verfehlte Tesla mit 384.000 ausgelieferten Fahrzeugen die Erwartungen der Analysten deutlich – ein Rückgang von 13,5 % im Jahresvergleich. Besonders in wichtigen Märkten wie China und Europa bekommt der US-Elektroautobauer den wachsenden Wettbewerb durch Volkswagen, BYD und andere E-Auto-Hersteller zu spüren. Auch das politische Engagement von Tesla-Chef Elon Musk – insbesondere seine öffentliche Nähe zur Trump-Regierung – dürfte für Irritationen bei Teilen der Kundschaft gesorgt haben. Dennoch bleibt Tesla an der Börse stabil: Anleger setzen vor allem auf Musks Robotaxi-Visionen und das angekündigte Einstiegsmodell, das noch 2025 erscheinen soll – vermutlich eine günstigere Variante des Model Y.