Trotz KTM-Pleite : Wie Stefan Pierer Rosenbauer übernehmen will
Inhalt
- Robau-Konsortium sichert sich Mehrheit an Rosenbauer
- Das Robau-Konsortium: Zusammensetzung und Ziele
- Wie das Konsortium Rosenbauer stabilisieren will
- Aktueller Zustand von Rosenbauer
- Chancen durch die Übernahme
- KTM-Insolvenz: Ein Schatten auf Stefan Pierers Führungsstil?
- Welche strategischen Ziele verfolgt Robau mit Rosenbauer?
- Ist die finanzielle Stabilität des Konsortiums gewährleistet?
Das Konsortium namens Robau rund um KTM-Macher Stefan Pierer, Red-Bull-Erben Mark Mateschitz und Raiffeisen Oberösterreich hat am Freitag zur Hälfteübernahme des börsennotierten Löschfahrzeugherstellers Rosenbauer ein Pflichtangebot für sämtliche Anteile veröffentlicht.
- © RosenbauerRobau-Konsortium sichert sich Mehrheit an Rosenbauer
Das Konsortium Robau, bestehend aus der Pierer Industrie AG, der Mark Mateschitz Beteiligungs GmbH, der Raiffeisen Beteiligungsholding GmbH und der Invest Unternehmensbeteiligungs AG, hat ein Pflichtangebot zur Übernahme sämtlicher Anteile des börsennotierten Löschfahrzeugherstellers Rosenbauer International AG veröffentlicht. Der Angebotspreis beträgt 35 Euro pro Aktie. Die Annahmefrist beginnt heute und endet am 14. Februar 2025; danach ist eine Annahme noch innerhalb einer dreimonatigen Nachfrist möglich.
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Konkret hat das Konsortium eine verbindliche Vereinbarung über den Erwerb von 50,1 Prozent der Anteile an Rosenbauer abgeschlossen. Dies umfasst den Erwerb eines Aktienpakets von 25,15 Prozent von der Rosenbauer Beteiligungsverwaltung GmbH (BVG) sowie die Zeichnung von 3,4 Millionen neuen Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung zum Ausgabepreis von 35 Euro pro Aktie. Durch diese Transaktionen erlangt Robau die Mehrheit der Aktien und somit eine kontrollierende Beteiligung an Rosenbauer.
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Das Robau-Konsortium: Zusammensetzung und Ziele
Das Robau-Konsortium ist ein Zusammenschluss aus vier österreichischen Partnern mit dem Ziel, eine kontrollierende Mehrheitsbeteiligung an der Rosenbauer International AG zu übernehmen. Die Mitglieder des Konsortiums sind die Pierer Industrie AG, unter der Leitung von Stefan Pierer, die Mark Mateschitz Beteiligungs GmbH, die Raiffeisen Beteiligungsholding GmbH und die Invest Unternehmensbeteiligungs AG.
Im Rahmen der Übernahme plant das Konsortium, 50,1 Prozent der Anteile an Rosenbauer zu erwerben. Dies umfasst den Kauf eines Aktienpakets von 25,15 Prozent von der Rosenbauer Beteiligungsverwaltung GmbH sowie die Ausgabe von 3,4 Millionen neuen Aktien durch eine Kapitalerhöhung im Wert von 119 Millionen Euro zu einem Ausgabepreis von 35 Euro pro Aktie.
Das Konsortium strebt an, Rosenbauers Marktführerschaft im Bereich der Feuerwehrtechnik auszubauen. Im Fokus stehen Investitionen in emissionsfreie Technologien, die Erschließung neuer Märkte, insbesondere in Asien und dem Nahen Osten, sowie die langfristige Sicherung des Hauptstandorts in Österreich. Durch diese Maßnahmen soll die Wettbewerbsfähigkeit Rosenbauers gestärkt und eine solide finanzielle Basis geschaffen werden.
Wie das Konsortium Rosenbauer stabilisieren will
Die Durchführung der Kapitalerhöhung und des Anteilserwerbs stehen noch unter dem Vorbehalt erforderlicher regulatorischer Genehmigungen, insbesondere durch Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern. Während die Freigaben in wichtigen Märkten wie der EU und den USA bereits erteilt wurden, stehen die Genehmigungen in vier arabischen Ländern noch aus. Diese werden im ersten Quartal 2025 erwartet.
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Nach Abschluss der Transaktionen plant das Konsortium, den Aufsichtsrat von Rosenbauer neu zu besetzen. Vorbehaltlich der Wahl durch die Hauptversammlung sollen Stefan Pierer, Mark Mateschitz, Friedrich Roithner und Gernot Hofer in das Gremium einziehen. Stefan Wagner wird im Aufsichtsrat verbleiben.
Mit der geplanten Kapitalerhöhung in Höhe von 119 Millionen Euro und der strategischen Neuausrichtung durch die neue Eigentümerstruktur sollen die Stabilität und die zukünftige Entwicklung von Rosenbauer gesichert werden. Dies umfasst auch die nachhaltige Absicherung des Headquarters in Österreich.
Aktueller Zustand von Rosenbauer
Die Rosenbauer International AG ist ein globaler Marktführer im Bereich Feuerwehrtechnik. Mit einem Umsatz von 1,04 Milliarden Euro im Jahr 2023 und einer Exportquote von über 90 Prozent ist das Unternehmen ein Schwergewicht in der Branche. Der Hauptsitz befindet sich in Leonding, Österreich, und das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeiter. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen befindet sich Rosenbauer in einer Phase des Wandels und sieht sich mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert.
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Rückläufige Gewinnmargen: Im Geschäftsjahr 2023 sank die EBIT-Marge (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) auf 3,2 Prozent, was auf steigende Rohstoffpreise und eine hohe Belastung durch Forschungs- und Entwicklungsausgaben zurückzuführen ist. Diese belaufen sich jährlich auf etwa 45 Millionen Euro, wobei ein Großteil in die Entwicklung emissionsarmer und elektrifizierter Löschfahrzeuge fließt.
Kostensteigerungen: Die anhaltenden Kostensteigerungen, insbesondere bei Stahl und Elektronikkomponenten, haben die Produktionskosten stark erhöht. Hinzu kommt ein wachsender Innovationsdruck, da emissionsarme Fahrzeuge und digitale Lösungen für Feuerwehrausrüstung in vielen Ländern bereits regulatorische Anforderungen erfüllen müssen.
Chancen durch die Übernahme
Die Expertise und das Netzwerk der Robau-Mitglieder – darunter Stefan Pierer, der CEO der Pierer Industrie AG, und Mark Mateschitz, Erbe des Red-Bull-Imperiums – bieten Rosenbauer eine Plattform, um seine Marktposition zu stärken. Pierers Erfahrung in der Restrukturierung von Unternehmen und seine Innovationsorientierung könnten entscheidend sein, um Rosenbauer auf die Anforderungen der Zukunft auszurichten.
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Darüber hinaus verspricht die Übernahme eine strategische Neuausrichtung, die auf Nachhaltigkeit und Innovation fokussiert ist. Insbesondere die Weiterentwicklung von Elektrofahrzeugen und die Erschließung neuer Märkte – etwa im Nahen Osten – könnten die Wettbewerbsfähigkeit Rosenbauers nachhaltig sichern.
Ein wichtiger Aspekt der Übernahme ist die finanzielle Stabilisierung. Das Eigenkapital von Rosenbauer könnte durch die Kapitalerhöhung auf über 500 Millionen Euro steigen, was dem Unternehmen dringend benötigte Flexibilität verschafft. Dies ist besonders wichtig, um sich gegen wachsenden Wettbewerb aus Asien und neue Marktteilnehmer zu behaupten.
Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam mit Robau die zukünftigen Herausforderungen meistern und die erfolgreiche Entwicklung von Rosenbauer fortsetzen werden.Sebastian Wolf, CEO Rosenbauer
Die geplante Stärkung der internationalen Präsenz, insbesondere in den Märkten des Nahen Ostens und Asiens, könnte zu einem Umsatzwachstum von mindestens 5 Prozent jährlich führen. Gleichzeitig will das Konsortium den Fokus auf die Entwicklung emissionsfreier Fahrzeuge legen, ein Markt, der bis 2030 voraussichtlich ein jährliches Volumen von 5 Milliarden Euro erreichen wird.
Sebastian Wolf, der CEO der Rosenbauer International AG, äußerte sich zur geplanten Übernahme durch die Robau Beteiligungsverwaltung GmbH wie folgt: „Ich freue mich, dass wir mit Robau ein starkes österreichisches Konsortium mit umfangreichem Industrie-Know-How und Erfahrung im Management globaler Lieferketten für Rosenbauer gewinnen konnten.“
KTM-Insolvenz: Ein Schatten auf Stefan Pierers Führungsstil?
Die geplante Übernahme von Rosenbauer durch das Konsortium Robau hat in der Öffentlichkeit gemischte Reaktionen hervorgerufen. Während das Konsortium eine langfristige Stabilisierung des Löschfahrzeugherstellers verspricht, werfen die wirtschaftlichen Probleme von Stefan Pierer, CEO der Pierer Industrie AG und einer der Hauptakteure bei Robau, Fragen zur Tragfähigkeit dieses Vorhabens auf.
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Ende 2024 geriet die KTM AG, ein zentraler Bestandteil der Pierer Mobility AG, in eine existenzbedrohende Krise und meldete Insolvenz an. Der Finanzierungsbedarf des Unternehmens wird auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag geschätzt. Diese Entwicklung wirft Zweifel an Pierers Fähigkeit auf, nachhaltig wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. KTM, lange als Erfolgsgeschichte gefeiert, hat nicht nur die eigenen Finanzen überstrapaziert, sondern auch Tochterunternehmen wie den Software-Dienstleister Avocodo und Pierer E-Commerce in den Abgrund gerissen.
Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob Pierer in der Lage ist, Rosenbauer mit derselben Führungsphilosophie aus der Krise zu führen, ohne die gleichen Risiken einzugehen, die KTM in die Insolvenz getrieben haben. Kritiker sehen in der Expansion von KTM und der Konzentration auf aggressive Wachstumsstrategien eine Parallele, die auch für Rosenbauer gefährlich werden könnte.
Die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 119 Millionen Euro soll Rosenbauer dringend benötigte Liquidität verschaffen. Doch diese Summe könnte angesichts der aktuellen Herausforderungen nicht ausreichen. Die globalen Märkte für Löschfahrzeuge sind umkämpft, und die Entwicklung nachhaltiger Technologien erfordert Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Die Gefahr besteht, dass das Konsortium nicht genügend Mittel bereitstellen kann, insbesondere wenn Pierers andere Unternehmen weiterhin finanzielle Unterstützung benötigen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist, dass die Kapitalerhöhung und Übernahme von regulatorischen Genehmigungen in mehreren Ländern abhängt. Verzögerungen oder Ablehnungen könnten den Plan ernsthaft gefährden und Rosenbauer in einer finanziellen Schwebe belassen.
Welche strategischen Ziele verfolgt Robau mit Rosenbauer?
Die Übernahme von Rosenbauer durch das Robau-Konsortium, angeführt von Stefan Pierer und Mark Mateschitz, wird als strategische Entscheidung präsentiert, die auf Stabilität, Innovation und internationales Wachstum abzielt. Doch viele Details zu den genauen Plänen bleiben unklar, was Raum für Spekulationen über die Ausrichtung und Prioritäten des Konsortiums lässt.
Ein erklärtes Ziel ist es, Rosenbauer als führenden Anbieter von nachhaltigen und technologisch fortschrittlichen Löschfahrzeugen zu positionieren. Die Entwicklung emissionsfreier Fahrzeuge steht dabei im Mittelpunkt. Dies ist nicht nur eine Reaktion auf die steigenden Anforderungen an Umweltschutz, sondern auch eine Chance, sich in einem schnell wachsenden Markt zu etablieren. Dennoch sind solche Entwicklungen kapitalintensiv und benötigen einen langen Atem, bevor sie profitabel werden. Ob Robau bereit ist, die erforderlichen Investitionen langfristig zu tragen, bleibt fraglich.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die geografische Expansion, insbesondere in Wachstumsmärkte wie den Nahen Osten und Asien. Diese Regionen bieten großes Potenzial, da dort erhebliche Investitionen in Infrastruktur und Brandschutztechnologien getätigt werden. Allerdings könnten regulatorische Hürden und kulturelle Unterschiede die Umsetzung erschweren.
Zudem stellt sich die Frage, ob durch den Fokus auf Innovation und neue Märkte traditionelle Stärken und Kunden vernachlässigt werden. Rosenbauers bestehende Marktanteile und langjährige Beziehungen, vor allem in Europa, könnten unter einer zu einseitigen Neuausrichtung leiden.
Rosenbauer ist ein herausragendes Unternehmen mit einer starken Marke und globalem Potenzial.Mark Mateschitz
Ist die finanzielle Stabilität des Konsortiums gewährleistet?
Eine der entscheidenden Fragen bei der geplanten Übernahme von Rosenbauer durch das Robau-Konsortium betrifft die finanzielle Stabilität der beteiligten Akteure. Insbesondere Stefan Pierer, der CEO der Pierer Industrie AG, steht hierbei im Fokus, da sein anderes Unternehmen, die KTM AG, Ende 2024 Insolvenz anmelden musste. Die daraus resultierenden finanziellen Belastungen werfen Zweifel daran auf, ob das Konsortium über die notwendige Liquidität verfügt, um die Übernahme und die anschließende Neuausrichtung von Rosenbauer erfolgreich zu gestalten.
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Die geplante Kapitalerhöhung in Höhe von 119 Millionen Euro soll Rosenbauer dringend benötigte Mittel verschaffen. Doch es bleibt fraglich, ob Robau diese Summe vollständig und termingerecht aufbringen kann, ohne andere Beteiligungen zu beeinträchtigen. Die Insolvenz der KTM AG und ihrer Tochterunternehmen, darunter Pierer E-Commerce und der Software-Dienstleister Avocodo, könnte die Ressourcen des Konsortiums weiter strapazieren.
Darüber hinaus steht die Kapitalerhöhung unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen, insbesondere in arabischen Ländern. Verzögerungen könnten die finanzielle Stabilität Rosenbauers weiter gefährden.
Sollte das Konsortium Schwierigkeiten haben, die Mittel zu mobilisieren, könnte Rosenbauer in eine finanzielle Schieflage geraten. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs, insbesondere in nachhaltige Technologien wie elektrifizierte Löschfahrzeuge, sind ausreichende finanzielle Ressourcen entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.