BYD Absatzeinbruch Europa 2026 : BYD‑Crash: Zahlen entlarven den Mythos vom Tesla‑Killer

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BYD expandiert nach Europa, doch ausgerechnet am größten Automarkt des Kontinents gelingt es den Chinesen nicht sich durchzusetzen.

- © Lars Penning / dpa / picturedesk.com

Der chinesische Elektroautobauer BYD ist mit einem deutlichen Rückgang der Verkaufszahlen ins Jahr gestartet. Wie das Unternehmen am Sonntag in einer Börsenmitteilung bekanntgab, gingen die Fahrzeugverkäufe im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 30,1 Prozent auf 210.051 Einheiten zurück. Damit verzeichnete der Konzern bereits den fünften Monat in Folge ein rückläufiges Absatzvolumen und verliert weiter an Schwung gegenüber Konkurrenten wie Tesla.

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Eine konkrete Ursache für den jüngsten Rückgang nannte BYD nicht. Das Unternehmen sieht sich jedoch mit „externen Unsicherheiten“ sowie einem intensiven Preiskampf auf dem heimischen Markt konfrontiert. Vor allem Wettbewerber wie Geely und Leapmotor setzen im kostensensiblen Budget-Segment verstärkt auf aggressive Preisstrategien, die BYD unter Druck setzen.

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BYD‑Absatzziel geplatzt: Deutsche Kunden lassen China‑Riesen links liegen

Auch auf Produktionsseite zeigte sich eine Abschwächung: Die Fertigungszahlen sanken im Januar um 29,1 Prozent. Einen Lichtblick bietet jedoch das internationale Geschäft: 100.482 Fahrzeuge wurden im Januar exportiert. Für das Gesamtjahr 2026 strebt BYD im Ausland einen Absatz von 1,3 Millionen Fahrzeugen an.
Dies würde einem Zuwachs von 24 Prozent im Vergleich zu 2025 entsprechen – liegt jedoch unter dem ursprünglich kommunizierten Ziel von bis zu 1,6 Millionen Einheiten, das von der Konzernführung in Aussicht gestellt worden war.

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Doch auch in Deutschland laufen die Verkäufe schleppend: Seit mittlerweile drei Jahren versucht der chinesische Hersteller, auf dem größten Automobilmarkt Europas Fuß zu fassen – mit äußerst bescheidenem Erfolg. 2022 hatte der damalige Europachef Michael Shu noch das ambitionierte Ziel formuliert, bis 2026 jährlich 120.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Zwei Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus: Nicht einmal 3.000 Einheiten wurden 2024 abgesetzt. Auch 2025 blieb BYD weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Im ersten Halbjahr wurden lediglich 6.300 Neuzulassungen registriert – gegenüber einem ursprünglich geplanten Jahresabsatz von 50.000 Fahrzeugen. Inzwischen gilt das Ziel als unerreichbar. Der Marktanteil des Unternehmens liegt weiterhin unter einem halben Prozent – ein herber Rückschlag für den globalen E-Auto-Marktführer aus China.

BYD‑Pannenserie im Vertrieb: Warum Kunden nicht einmal zur Probefahrt kommen

Die Autos sind gut. Die Technik stimmt. Der Preis auch. Und trotzdem: Die Deutschen kaufen BYD nicht. Das Problem beginnt beim Auftritt. Das Händlernetz ist zu dünn, die Vertriebsstrukturen zu langsam. Gerade einmal 60 Händler verkaufen derzeit BYD in Deutschland, geplant waren bis Jahresende 120, laut Branchen-Insidern wären mindestens 200 notwendig um die ambitionierten Ziele erreichen zu können. Viele Kunden wissen nicht, wo sie ein Auto überhaupt ansehen oder warten lassen können. Händler berichten von verspäteten Lieferungen, fehlenden Papieren, mangelhafter Kommunikation.

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Auch beim Preisverständnis stößt BYD an Grenzen: Leasingraten sind zu hoch, Restwerte zu niedrig – für Flottenbetreiber ein Ausschlusskriterium. BYD will Europa mit ‘China-Speed’ erobern: schnell, aggressiv, mit großen Zielen. Aber der deutsche Markt tickt anders: Hier zählen Vertrauen, guter Service und Verlässlichkeit. Ein Kulturschock den BYD noch nicht überwunden hat.

Eigentlich hätte die Produktion in Ungarn bereits im zweiten Quartal 2025 starten sollen, nach mehreren Verschiebungen ist der Start nun im Q1 für 2026 geplant.

- © BYD

BYD‑Verzögerung: Europa‑Werk in Ungarn startet viel später als geplant

Knapp 800 Kilometer östlich von München, im ungarischen Szeged, entsteht das erste europäische BYD-Werk. Eigentlich hätte die Produktion bereits im Mai 2025 starten sollen, dann hieß es Sommer, dann Herbst – nun ist der Start erneut verschoben: auf Anfang 2026. Zunächst nur als Testlauf, die Serienfertigung beginnt frühestens im April. China-speed sieht anders aus. Gerüchte, BYD wolle die Produktion in die Türkei verlagern, wies der Konzern zurück. Gründe für die Verzögerungen in Ungarn nennt er allerdings keine.

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Offiziell hält BYD an den Produktionszielen fest: Auf dem Gelände sollen im kommenden Jahr 150.000 Fahrzeuge gefertigt werden, 2027 bereits 300.000 – fast so viele wie Audi in Ingolstadt produziert. Gemeinsam mit den geplanten Werken in der Türkei und Spanien bildet Szeged den industriellen Brückenkopf, mit dem BYD Europa erobern und die Zölle umgehen will. Doch selbst wenn das Werk im kommenden Jahr wirklich mit der Produktion startet: wie es ausgelastet werden sollen, ist bislang völlig unklar. 2024 verkaufte BYD in ganz Europa gerade einmal 47.000 Fahrzeuge – ein Drittel dessen was künftig in Ungarn vom Band laufen soll.

BYD‑Zwangsexpansion: Warum Europa für Chinas E‑Auto‑Riesen alternativlos ist

Für BYD ist die Expansion nach Europa alternativlos. In China tobt ein erbarmungsloser Preiskampf, die Fabriken produzieren mehr Autos, als der Markt aufnehmen kann. Die Überkapazitäten sind gigantisch - und die Autos müssen irgendwo hin. In Asien, Südamerika und Afrika hat sich BYD bereits festgesetzt. Die USA sind durch massive Handelsbarrieren faktisch unerreichbar. Also richtet sich der Blick nach Westen – auf Europa.

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Doch die Erwartungen aus der Zentrale in Shenzhen sind zunehmend realitätsfern: Absatzerwartungen, die kaum erreichbar sind, Zeitpläne, die sich ständig verschieben, Lieferzeiten, die nicht haltbar sind. Was in China als Zeichen für Entschlossenheit gilt, wird in Europa zur Belastungsprobe. Für das Management bedeutet das vor allem eins: ständiger Druck – zwischen den Vorgaben aus Peking und einem Markt, der sich von Chinas Tempo nicht beeindrucken lässt.

Europachefin von Byd: Maria Grazia Davino hat wohl eine der schwierigsten Aufgaben in der Autoindustrie.

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BYD‑Powerfrau: Philosophin soll China‑Ziele in Deutschland realisieren

In dieser Zwickmühle steht seit Ende 2024 Maria Grazia Davino. Sie leitet das Europageschäft von BYD – mit dem Auftrag, das Unmögliche möglich zu machen. Die Italienerin, studierte Philosophin und ehemalige Fiat- und Stellantis-Managerin, gilt in der männerdominierten Autobranche als Ausnahmeerscheinung – temperamentvoll, ehrgeizig, mit einer Vorliebe für große Auftritte.

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In der Branche hat sie den Ruf, laut zu denken und schnell zu handeln. Bei Fiat hielt sie während der Corona-Zeit per Videobotschaften Kontakt zu ihren Händlern, bei BYD soll sie nicht weniger als den Durchbruch in Deutschland erreichen. Ihre Aufgabe: Strukturen schaffen, Händler gewinnen, Vertrauen aufbauen – und gleichzeitig Wachstumsziele erfüllen, die selbst in China als ehrgeizig gelten. Davino versucht, das Unmögliche zu schaffen – zwischen chinesischem Hochdruck und europäischer Realität. Und sie weiß: Der Druck aus Fernost wird weiter wachsen.