Stromnetze : Smart Grids: Smarte Ziele

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Unscheinbar liegt Köstendorf am Wallersee. Und doch ist die 2.500-Seelen-Gemeinde dabei, Energiegeschichte zu schreiben. Anfang des Jahres startete dort das Projekt „DG DemoNet – Smart low Voltage Grid“. Ein historischer Moment: Zum ersten Mal werden intelligente Stromnetze – Smart Grids genannt – live geschaltet. Dabei werden Stromerzeuger, Speicher und Verbraucher vernetzt. Spektakulärer Startschuss für einen österreichweiten Systemwechsel? Plattformen wie die „Smart Grids Austria“ wollen es so sehen. Andere Experten sind vorsichtiger in ihrer Einschätzung, dass die Energiewende vor der Tür steht. Manfred Malzer, Leiter der Division Energietechnik bei ABB, weiß um die Situation in der Alpenrepublik. Das Problem sei der Bedarf. Der sei einfach „noch nicht groß genug“, sagt er. Aufschub Die Hintergründe der Energiewende sind diffizil. „Ein Zusammenspiel an technischen Weiterentwicklungen und den wirtschaftlichen Interessen, die dahinterstecken“, beschreibt Harald Proidl, Leiter der Abteilung Ökoenergie bei e-control, das Szenario. Die Industrie ist im Zeitalter der Smart Grids angekommen. Jetzt steht die Politik unter Zugzwang. Aber die bremst bei der Förderung, „wartet lieber auf einen verbindlichen EU-Rechtsrahmen“, sagt ein Experte. Die Technologieplattform tritt für eine Erhöhung der Förderungen auf 20 Millionen Euro ein. „Das sind schließlich nur 0,4 Prozent der F&E-Ausgaben in Österreich“, so Andreas Lugmaier, Koordinator der Technologieplattform Smart Grids Austria. Um die Technologie später auch einsetzen zu können, braucht es vor allem eine verstärkte Kooperation der Ministerien. Lugmaiers Befürchung: „Schiebt Österreich die Technologiemaßnahmen auf die lange Bank, wird auf längere Sicht auch ein volkswirtschaftlicher Nachteil entstehen.“ Das eigene Gewissen? Werde mit „Pilotprojekten sonder Zahl beruhigt“, kritisiert ein Energiefachmann. Österreich ist nicht Deutschland Österreich tickt freilich anders als Deutschland. Im Nachbarland liegt der Fokus auf großflächigen Anlagen. Dort wird nach Möglichkeiten gesucht, riesige Windkraftparks und großflächige Photovoltaikanlagen ins Netz einzuspeisen. In Österreich sind dagegen hauptsächlich Biomasse, Kleinwasserkraftanlagen und kleine bis mittlere Photovoltaikanlagen zu integrieren. Die Zahl steigt beträchtlich. Während 2011 die durch PV-Anlagen erbrachte Leistung 91,7 Megawatt betrug, erreichte sie 2012 schon 230 Megawatt. Aber da sitzt der Wurm im Apfel: Einspeisung und Verbrauch laufen noch nicht synchron genug. Anders gesagt: Solange Energieversorger Privaten noch nicht Strom abnehmen müssen, hat es die intelligente Stromversorgung schwer. Niemand kann die Versorger zwingen, „Netzstabilisatoren einzubauen“, weiß Manfred Malzer, Leiter der ABB-Energietechnik. Dass nichts passiert, wäre freilich übertrieben. Wien Energie reagiert und verdoppelt ihre Investitionen in das Stromnetz. Christian Neubauer, Wien Energie Stromnetz: „Bis 2015 fließen bis zu 627 Millionen Euro in unser Netz, damit wir auch künftig versorgungssicher sind.“